Michelangelo Buonarroti kam 1475 im toskanischen Caprese als Spross einer wohlhabenden Familie zur Welt. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er in die Obhut einer Steinmetzfamilie gegeben, wo er bis zum Alter von 10 Jahren blieb. In jener Zeit begann er mit dem Zeichnen, wobei seine besonderen Fähigkeiten schon bald deutlich wurden. Gegen den Widerstand seines Vaters, der eine Künstlerkarriere als unwürdig für den sozialen Status seiner Familie betrachtete, ging Michelangelo 1488 beim Maler Domenico Ghirlandaio in die Lehre.

Auf Empfehlung Lorenzo "Il Magnifico" de' Medicis setzte Michelangelo seine Studien beim Bildhauer Bertoldo di Giovanni, der die von Lorenzo eingerichtete Kunstschule leitete und die Aufsicht über die Antikensammlung seines Gönners innehatte, fort. Bertoldo war wiederum ein Schüler Donatellos gewesen - ein Einfluss, der bei Michelangelos erstem Werk, dem Flachrelief Madonna an der Treppe (1490), deutlich wird.
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Nach dem Tod Lorenzo de' Medicis im Jahr 1492 geriet Florenz unter die Kontrolle des Mönchs Savonarola. Michelangelo floh vor dessen strengen Regiment nach Bologna, wo er mit St. Petronius und St. Proculus zwei Statuen für die Basilika San Domenico schuf.
Das wahre Kunstwerk ist nur ein Schatten der göttlichen Vollkommenheit.
1496 erreichte Michelangelo der Ruf aus dem Vatikan. Er erhielt wichtige Aufträge und führte zwei frühe Meisterwerke aus: Bacchus (1497) und Pietà (1499), die widersprüchlich aufgenommen wurden. Während Bacchus vom Auftraggeber als zu provokativ abgelehnt wurde, faszinierte die Pietà das Publikum durch die jugendlichen Züge der Gottesmutter. Für Michelangelo war die mystische Jugend der Jungfrau eine Verkörperung von Tugend und Keuschheit. Michelangelo war sich seines eigenen Talents bewusst und signierte dieses Stück mutig und für alle sichtbar.

1501 kehrte er nach Florenz zurück und begann sofort mit der Arbeit an weiteren Statuen. Den berühmten David (1504) schlug und schnitzte er aus einem einzigen Block Carrara-Marmor. Mit der Nacktheit des Dargestellten knüpfte er an den David von Donatello an und rechtfertigte dadurch die Piazza della Signoria vor dem Palazzo Vecchio als Aufstellungsort. Die beeindruckende Höhe der Statue von 5,17 Meter zeugt vom Selbstbewusstsein sowohl des Künstlers als auch der Stadt Florenz. Doch auch wenn Michelangelo heute als Perfektionist bezeichnet wird, schrieb er selbst einmal: "Das wahre Kunstwerk ist nur ein Schatten der göttlichen Vollkommenheit." War es sein Ziel, absolute künstlerische Perfektion zu erreichen?
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Der nächste große Auftrag führte den Künstler wiederum in den Vatikan, wo ihm von Papst Julius II. ein unglaubliches Projekt anvertraut wurde, an dem er vier Jahre arbeiten sollte: die Verzierung der Decke der Sixtinischen Kapelle. Michaleangelo schuf eine komplexe Komposition mit Szenen aus der Genesis. Es war eine Neuinterpretation biblischer Szenen, die dem Klerus gefiel und Michelangelo als gleichermaßen grandioses als auch dekadentes Genie entlarvte.

Sechs Jahre nach dem Tod Julius ' II. 1513 kehrte Michelangelo nach Florenz zurück, wo die Medicis erneut seine Auftraggeber waren. Projekte wie die Laurentinische Bibliothek und die Grabkapelle der Medici standen auf der Agenda des Künstlers. Doch als die Medici 1527 abermals aus der Stadt verbannt wurden, musste sich Michelangelo erneut andernorts nach Auftraggebern umsehen. Dieser Ort hieß 1532 ein weiteres Mal Rom.
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1535 erfolgte die Ernennung Michelangelos zum offiziellen Architekten, Maler und Bildhauer des Vatikans durch Papst Paul III. Als solcher führte er eine weitere Arbeit in der Sixtinischen Kapelle aus: das Altarbild mit dem Jüngsten Gericht, das er 1541 vollendete. Das Fresko zeugt von dem apokalyptischen Klima, das nach der Reformation herrschte, als subtile Schreckensbotschaft bediente sich Michelangelos der Terribilità. Zusammen mit den von ihn gemalten Deckengemälde ergibt sich somit eine Achse der Schöpfung und der Zerstörung.
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Michelangelo befand sich nun auf dem Höhepunkt seines Ruhms und Ansehens als Künstler. In seinen letzten Lebensjahren arbeitete er an verschiedenen Auftragsarbeiten im Farnese-Palast und im Petersdom in Rom, wo er 1564 im Alter von 88 Jahren starb. Sein letztes Werk, die Pietà Rondanini, blieb unvollendet.
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Viele von Michelangelos Werken zählen zu den berühmtesten der Kunstgeschichte. Auf dem Auktionsmarkt ist der Renaissancemaler jedoch eher selten anzutreffen. Geschieht dies aber doch einmal, erzielen selbst kleine Arbeiten hohe Preise. Im Jahr 2000 versteigerte Christie's eine Zeichnung Michelangelos des auferstandenen Christus für knapp 13 Millionen Euro. Dieser Rekord sollte mehr als zwanzig Jahre bestehen bleiben, was unterstreicht, wie selten Werke des großen Meisters gehandelt werden. Im Mai 2022 war dann aber doch soweit und die Zeichnung Nackter junger Mann (nach Masaccio), umgeben von zwei Figuren wurde für 23,2 Millionen Euro versteigert. Das Werk hatte bereits vorab seiner Versteigerung für Aufsehen gesorgt, da es sich um die früheste Aktzeichnung des brillanten Renaissancekünstlers handelte.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 26. Juni 2020



