Als ich ein Kind war und mir gemeinsam mit meinem Vater die James Bond-Filme ansah, in denen ein gut gepflegter Geheimagent seinen Wodka Martini schlürft, Frauen verführt und ganz nebenbei eine Reihe von Bösewichten bekämpft, wurde mir immer wieder vor Augen gehalten, dass das alles nicht echt ist. Natürlich hatte Papa recht: Der schottische Schauspieler drang nicht wirklich in die Welt des Bösen ein, deren Akteure die Wände ihrer Geheimverstecke mit wunderschönen Gemälden schmückten. Doch in der Realität lässt es sich nicht ignorieren, dass die Kunstwelt immer wieder den ein oder anderen Schurken anzieht.
Achtung Spoiler: In einer Staffel der Serie Billions können wir den Milliardär und Hedgefonds-Mogul Bobby "Axe" Axelrod beobachten, der um jeden Preis versucht, das Whitney Museum umbenennt zu lassen, nachdem er dem Kunstmuseum eine enorme Summe zur Sanierung der maroden Finanzen hatte zukommen lassen. Gerade als der selbstbewusste Überflieger meint, den Deal in trockenen Tüchern zu haben, scheitert der Plan und "Axe" muss sich von diesem kulturellen Kapital verabschieden.

Doch nicht nur in Film und Fernsehen versuchen Milliardäre ihr Image durch Spenden im Bereich Kultur aufzubessern. An vielen Türen von Museen auf der ganzen Welt befinden sich Marmortafeln, in denen die Namen berühmter Familien eingemeißelt sind, deren Mitglieder ihr Leben - oder zumindest einen Teil davon - der Kunst gewidmet haben, denn Kunst ist ein ausgezeichnetes soziales Schmiermittel.
Das Annehmen von Geschenken und Spenden ist aber nicht selten mit Komplikationen verbunden. Oft ist es für Museen schwierig, großzügige Spenden abzulehnen, da sie sich anschließend immer heftiger werdenden Debatten in den Medien ausgesetzt sehen. Auf der anderen Seite ist es immer häufiger notwendig, sich von zweifelhaft verdientem Geld zu distanzieren. Das öffentliche Urteil ist in jedem Fall schnell gefällt, und zwar unabhängig davon, ob dies durch schnell geteilte Inhalte in den sozialen Netzwerken oder durch investigativen Journalismus geschieht.
Einen solchen Fall gab es kürzlich, als die kunst- und kulturbegeisterte Sackler-Familie der National Portrait Gallery in London eine Million Pfund hatte spenden wollen. Forbes schätzt das Vermögen der Familie auf 13 Milliarden US-Dollar. Ein Großteil dieses Vermögens stammt vom Pharmakonzern Purdue, der seit 1952 im Besitz der Familie Sackler ist. Purdue gilt als Auslöser der Opiod-Epidemie in den USA, durch die 200.000 Menschen ums Leben kamen. Purdue Pharma wurde wegen unzureichender Informationen und unehrlichem Marketing kritisiert, was beides dazu geführt hatte, das Menschen die nicht benötigten Medikamente falsch dosiert hatten. Noch immer sieht sich die Familie mit Klagen und einem enormen Imageschaden konfrontiert.

Das angesehene britische Museum reiht sich nun in die Reihen der Museen ein, die kein Geld mehr von der Sackler-Familie annehmen wollen. Nach den Protesten hat das Guggenheim Museum in New York die zwischen 1995 und 2015 von der Familie erhaltenen 9 Millionen US-Dollar zurückgezahlt und auch das Tate Museum in London möchte keine Spenden von dieser Seite mehr erhalten.
In den späten 1990er Jahren habe ich in Italien gelebt, also zu jener Zeit, als die neue Euro-Währung eingeführt wurde, die die Völker Europas einander noch näher bringen sollte. Die meisten Italiener waren der Ansicht, das der Euro die italienische Wirtschaft wieder auf die Beine bringen würde. In der Realität sah das jedoch anders aus.

Die Verdopplung der Preise für Kaffee, Brot, Kleidung, Unterkunft und Restaurantbesuche hat in einem Land, in dem sich die Menschen viel Zeit in Bars und Cafés verbringen und wo Kaffee und Gebäck eine Lebenseinstellung sind, den gesamten Rhythmus dieser positiven Menschen verändert. Vom Euro profitieren konnten lediglich internationale sowie im Export und Import agierende Unternehmern. Viele andere, wie Staatsangestellte oder Freiberufler im kulturellen Bereich, sahen sich mit einer langen Durststrecke konfrontiert.
Als ich letztes Jahr wieder in Italien war, vor allem in Mailand, der wichtigen Mode- und Designmetropole, bemerkte ich, dass sich die Einstellungen erheblich geändert hatten. Die Energie und der Optimismus waren zurückgekehrt, vor allem bei den jungen Leuten. Auf die Frage, warum, antworteten die meisten, das läge an der Expo, die 2015 in Mailand stattgefunden hatte, auf der viele Entdeckungen und Fortschritte des Landes präsentiert worden waren - auch in den Bereichen Kunst, Design und Kultur.
Sie fügten hinzu, dass es nicht die Messe an sich war, sondern vielmehr das, was an Innovationen und weltweiter Aufmerksamkeit mit ihr einherging. Das konnte man nutzen. Mailand bildete dafür die perfekte symbolische Kulisse: Die 2000 Jahre alte Stadt, die im Zweiten Weltkrieg durch Bomben stark zerstört worden war, im Anschluss daran jedoch mit moderner Architektur wie ein Phönix aus der Asche emporstieg.

"Heute können sowohl Bürger als auch Politiker wieder stolz auf unsere dynamische und schöne Stadt sein", sagt Chiara, die bei Finarte arbeitet, einem der führenden Auktionshäuser Italiens. "So stolz und selbstbewusst, dass Giuseppe Sala, Bürgermeister und Vorsitzender der weltberühmten Mailänder Scala, Saudi-Arabien 3,5 Millionen US-Dollar zurückgeben konnte."
Chiara bezog sich auf die stornierte Vereinbarung zwischen dem angesehenen Opernhaus und Saudi-Arabien, die weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die Vereinbarung besagte, dass die ölreiche Nation für fünf Jahre 17 Millionen US-Dollar in eine der stolzesten Institutionen der Stadt pumpen sollte, als Gegenleistung dafür, dass der saudi-arabische Kulturminister in den Vorstand der Oper berufen werden würde. Doch nach massiver Kritik an der Menschenrechtsbilanz des spendablen Landes beschloss der Mailänder Bürgermeister, das Abkommen rückgängig zu machen. Ein vorausbezahlter Geldbetrag wurde zurückgegeben. Geld wird noch immer benötigt, aber anscheinend nicht um jeden Preis.
Damit sind wir bei einem Thema angelangt, das dieses Frühjahr die Gemüter sehr bewegt hat: Die Frage, wo das teuerste Gemälde der Welt, Leonardo da Vincis Salvator Mundi, eigentlich abgeblieben ist. Ersteigert worden war es im November 2017 im Namen des saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman für unglaubliche 450 Millionen US-Dollar, der es dem Louvre-Ableger in Abu Dhabi überlassen wollte. Dies enthüllte die New York Times in einem Exposé über den unbekümmerten Lebensstil des Prinzen.

Das Museum reagierte mit einem Statement. Jedoch nicht in einer Pressekonferenz, sondern mit einem Post in Arabisch, Englisch und Französisch auf Twitter. Die Botschaft war jedoch eher kryptisch und auch der Antwort-Tweet mit Glückwünschen von Christie's, wo Salvator Mundi versteigert worden war, brachte kein Licht ins Dunkel. Kontrovers war die Versteigerung von Leonardos Gemälde von anfang an gewesen, war es doch in einen der größten Kunstskandale aller Zeiten verwickelt gewesen. Und nun ist es auch noch von der Bildfläche verschwunden.
Es ist fraglich, ob das teuerste Gemälde der Welt jemals wieder öffentlich zu sehen sein wird. Im Louvre Abu Dhabi ist es jedenfalls nie angekommen. Und auch alle Hoffnungen, es könnte Teil der großen Leonardo da Vinci-Ausstellung (24. Oktober 2019 - 24. Februar 2020) im Pariser Louvre sein, zerschlugen sich. Die Gründe liegen wie so vieles in dieser Sache im Dunkeln. Vielleicht möchte der Kronprinz es einfach nicht mit anderen teilen. Oder hat das französische Museum am Ende doch gezögert, ein Kunstwerk von einem Land auszuleihen, dessen Auffassung von Menschenrechten so stark von jenen in der EU abweicht?
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