Nach Jahren harter Arbeit war im Frühling 1979 endlich die Zeit gekommen, dass die amerikanische Künstlerin und Autorin Judy Chicago (*1939) ihre Installation The Dinner Party – ein großformatiges Kunstwerk, das die Kunstszene der 1970er Jahren charakterisierte – der Öffentlichkeit präsentieren konnte. 39 einflussreiche Frauen, die im Laufe der Geschichte zur Entwicklung der Gesellschaft beigetragen hatten, wurden zu dieser wichtigsten Dinnerparty der Welt eingeladen, darunter die Pharaonin Hatschepsut, die Äbtissin und Heilkundige Hildegard von Bingen und die amerikanische Künstlerin Georgia O'Keeffe.
Ich begann darüber nachzudenken, dass Frauen nie ein Letztes Abendmahl hatten, sie hatten Dinnerpartys.
Die späten 1960er Jahre markierten den Beginn der zweiten feministischen Welle, die bis in die späten 70er Jahre währte. Das Konzept wurde 1968 geprägt und grenzte sich bewusst von der ersten feministischen Welle ab, bei der Gleichheit vor dem Gesetz und das Wahlrecht im Fokus gestanden hatten. In der zweiten Welle ging es um Gesetzreformen, die für Frauen galten: kostenlose Abtreibung, Zugang zu Verhütungsmitteln und Anerkennung von Vergewaltigungen in der Ehe. Die Gesellschaft begann, die bisherigen Geschlechterrollen infrage zu stellen und das Entscheidungsrecht der Frau über ihren eigenen Körper hervorzuheben.

Ein paar Jahre nach dem Beginn der zweiten Welle, war Judy Chicago zu Gast auf einer Dinnerparty. Man schrieb das Jahr 1974 – das Jahr, in dem sie an der Arbeit ihrer Dinner Party begann. Später erinnerte sich Chicago an den Abend: "Die Männer am Tisch waren alle Professoren und die Frauen hatten alle einen Doktortitel, waren aber keine Professoren. Ich begann darüber nachzudenken, dass Frauen nie ein Letztes Abendmahl hatten, sie hatten Dinnerpartys."
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Mit der Hilfe von 400 Freiwilligen machte sich Judy Chicago ans Werk und im März 1979 war The Dinner Party fertig. Die Installation gilt heute als erstes großformatiges feministisches Kunstwerk und dient als Symbol für die Geschichte der Frau in der Gesellschaft. Es war nicht nur ein bedeutendes feministisches Symbol der 70er, sondern ein Meilenstein der Kunst des 20. Jahrhunderts.

The Dinner Party besteht aus im Dreieck angeordneten Tischen, von denen jeder 14,63 Meter lang ist. Auf jedem Tisch befinden sich 13 Namensschilder, insgesamt also 39. Die Tische symbolisieren drei verschiedene Abschnitte der Geschichte und präsentieren historisch bedeutsame Frauen. In chronologischer Reihenfolge sind dort Frauen wie Hatschepsut, Hildegard von Bingen, Artemisia Gentileschi, Mary Wollstonecraft, Virginia Woolf und Georgia O'Keeffe.
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Die Gedecke bestehen aus bestickten Platzsets mit dem Namen der Frauen oder einem Symbol, das in Verbindung mit dem jeweiligen Metier der Frauen steht. Darauf befinden sich ein Glas oder ein Kelch, Porzellanbesteck, goldbestickte Servietten und handbemalte Porzellanteller. Für die Teller wählte Chicago ein Motiv, das auf Schmetterling- oder Blumenmotiven basiert, was wiederum an das weibliche Genital, genauer gesagt die Vulva, erinnern soll. Jedes dieser Motive und deren Aussage ist individuell. Lediglich für die Teller der Freiheits- und Gleichberechtigungskämpferin Sojourner Truth und der Suffragette Ethel Smyth wurden andere Motive gewählt.

In chronologischer Reihenfolge verändert sich das Erscheinungsbild der Teller, nicht nur in Bezug auf das Thema, sondern auch hinsichtlich des Designs. Je mehr man sich der Moderne nähert, desto weiter sind sie entwickelt. Die Idee dahinter ist die, dass das Design verdeutlichen soll, wie die Unabhängigkeit und die Gleichberechtigung der modernen Frau im Laufe der Jahre gewachsen ist.
Die dreieckige Form der Installation ist von großer Bedeutung, ist sie doch schon seit langem ein Symbol für die Frau. Die Zahl 13 bezieht sich auf die Zahl der Personen, die am Letzten Abendmahl teilnahmen. Dies war ein wichtiger Vergleich für Judy Chicago, da bei dem biblischen Ereignis ausschließlich Männer geladen waren.
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The Dinner Party steht auf 2.300 weißglasierten Keramikfliesen, die The Heritage Floor genannt werden. Dort sind weitere 999 Frauen repräsentiert. Wie die 39 Frauen der Dinner Party haben diese Frauen die Geschichte beeinflusst. Allerdings sind es eigentlich nur 998 Frauen, denn der griechische Bildhauer Kresilas kann schwerlich als Frau bezeichnet werden.

Für ihr Werk verwendete Judy Chicago Handwerkskünste, die als traditionell weiblich gelten, wie Stickerei und Textilarbeiten. Sie wollte, dass die Medien dieser Künstlerinnen ihren Platz im Glanz der Kunst einnehmen und dass The Dinner Party als "echte" Kunst betrachtet wird.
Die Installation ging auf eine weltweite Tournee, in deren Verlauf sie 15 Millionen Besucher anlockte. Seit 2007 befindet sich The Dinner Party im Elizabeth A. Sackler Center for Feminist Art im Brooklyn Museum in New York.
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Die Kritiken zu The Dinner Party fielen unterschiedlich aus, viele waren fasziniert, andere eher ablehnend. Die Installation wurde als kitschig, vulgär und ausschließend bezeichnet. Die Kunstkritikerin Roberta Smith hob hervor: "Ihre historische und soziale Bedeutung ist größer als ihr ästhetischer Wert."

Hortense Spillers, eine amerikanische Literaturkritikerin und Akademikerin auf dem Gebiet des schwarzen Feminismus, kritisierte die Installation aufgrund mangelnder Diversität. Von den 39 Frauen, war lediglich eine schwarze Frau repräsentiert – Sojourner Truth, auf deren Teller drei Gesichter zu sehen sind, während die Teller aller anderen – mit Ausnahme von Ethel Smyth, auf deren Teller ein Klavier zu sehen ist – mit unterschiedlichen Darstellungen weiblicher Genitalien verziert wurden. Auch die amerikanische Autorin und Feministin Alice Walker kritisierte die homogene Darstellung und sagte insbesondere zu Chicagos Darstellung von Sojourner Truth: "Mir kam der Gedanke, dass weiße Feministinnen, nicht weniger als weiße Frauen im Allgemeinen, sich vielleicht nicht vorstellen können, dass schwarze Frauen eine Vagina haben. Oder wenn sie es können, ist die Vorstellungskraft zu gering, um bis dorthin zu gelangen."
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Chicago reagierte auf die Kritik mit dem Hinweis, dass alle diese Frauen im Heritage-Bereich vertreten seien und dass die alleinige Fokussierung darauf, wer am Tisch sitze, "die Kunst zu sehr vereinfacht und die von meinem Studioteam und mir festgelegten Kriterien und die Grenzen, unter denen wir gearbeitet haben, ignoriert."
Die viel besprochene Installation ist auch heute noch Gegenstand von Diskussionen, doch trotz ihrer Mängel wird sie vom Brooklyn Museum als ein wichtiges und ikonisches Werk beschrieben, das nicht nur für die feministische Kunst der 1970er Jahre, sondern des gesamten 20. Jahrhunderts geworden ist.
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Rund 40 Jahre später kreierte Judy Chicago eine Reihe limitierter Teller, die auf The Dinner Party basieren. Die Teller thematisieren Elisabeth I., die Amazonen und Sappho. Chicagos sogenannte "Probeteller" wurden bei Auktionen für tausende Dollar verkauft, ebenso wie ihre früheren Werke, darunter Evening Fan (from Fresno Fan Series) (60.000 US-Dollar) und Pasadena Lifesavers Yellow Serie #5 (20.000 US-Dollar).




