Vom 29. April bis 2. Mai dreht sich im Auktionshaus Dorotheum alles um die Classic Week, die erste Auktionswoche des Jahres, die traditionell alter Kunst gewidmet ist. In insgesamt vier fantastischen Auktionen werden Arbeiten herausragender europäischer Künstler angeboten.
In der Offerte mit Gemälden Alter Meister, die am 30. April um 17 Uhr zum Aufruf kommen, geben sich flämische und Italiensicher Meister die Klinke in die Hand - und zwar männliche als auch weibliche. Angeführt wird der Katalog von einem Gemälde Artemisia Gentileschis, deren Lucretia im vergangenen Jahr im Dorotheum erfolgreich für 1,886 Millionen Euro versteigert worden war.

In der aktuellen Auktion ist sie mit Maria Magdalena in Ekstase vertreten, das in die 1640er Jahre datiert wird, als die Künstlerin in Neapel auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes war. Während sich Artemisia Gentileschi der Figurendarstellung im Stil Caravaggio widmete, wurde die Landschaft im Hintergrund vom neapolitanischen Maler Onofrio Palumbo ausgeführt.

Mit Elisabetta Sirani spielt eine weitere Barockkünstlerin in der Auktion ganz oben mit. Ihr Werk Die Auffindung des Mosesknaben entstand um 1660 als Gemeinschaftsarbeit mit ihrem Vater Giovanni Andrea Sirani, der auch ihr Lehrer gewesen war. Elisabetta Sirani war zu ihren Lebzeiten so populär, dass sie ihre eigenen Malschule gründen konnte und sogar in die Lukasgilde ihrer Heimatstadt Bologna aufgenommen wurde.

Von großer Bedeutung für die Barockmalerei war der Italiener Michelangelo Merisi da Caravaggio, dessen effektvolle und zugleich naturalistische Hell-Dunkel-Malerei nach seinem frühen Tod im Jahr 1610 viele Nachahmer fand. Artemisia Gentileschi zählte dazu, genauso wie Bartolomeo Manfredi, dessen Das Martyrium des heiligen Bartholomäus nun im Dorotheum versteigert wird. Tatsächlich war Manfredi einer der ersten Künstler, die den Stil Caravaggios aufgriffen und an die nächste Generation weitergaben.

Auch unter den Werken flämischer Meister sind Gemälde mit biblischer Thematik gut vertreten. Und auch hier findet sich eine Gemeinschaftsarbeit: Der Zug der Israeliten durch das Rote Meer wurde um 1630 vom Antwerpener Brüderpaar Frans II. und Ambrosius II. Francken ausgeführt, die beide auf kleinfigurige Darstellungen spezialisiert waren.

Vom ebenfalls der Schule von Antwerpen angehörenden Abel Grimmer stammt das alttestamentarische Motiv der Brautwerbung Isaaks um Rebekka, das er neben einer Vornehmen Loggia angesiedelt hat. Dieser Umstand belegt die Meisterschaft des Malers, der nicht nur die Natur, sondern auch Architekturen herausragend darzustellen vermochte.
Bereits am 29. April werden Schmuck (14 Uhr) und Gemälde des 19. Jahrhunderts (17 Uhr) versteigert. Die Schmuckofferte bietet einen wahren Schatz hochqualitativer und -karätiger Stücke mit Diamantbesatz. Sehr hervorzuheben ist hierbei ein Armband aus Platin und Weißgold, das mit Diamanten von insgesamt ca. 50 ct besetzt ist.

Passend zur Classic Week kommt aus eine Diamantbrosche von Cartier zum Aufruf, die die Gestalt eines griechischen Tempels aufweist.
Die abwechslungsreichen Gemälde des 19. Jahrhunderts begeistern mit Genreszenen, Tiermalerei, Stadtansichten und Landschaften. Eine außergewöhnliche Stimmung verbreitet Petrus van Schendels Nächtlicher Markt in Rotterdam, dessen zwei Lichtquellen - Mond und Kerzen - einen gleichzeitig kühlen als auch warmen Effekt haben.

Was die beiden Canaletto im 18. Jahrhundert für die Außenansichten Venedigs gewesen waren, war Eugen von Blaas im 19. Jahrhundert für die Innenansichten der Lagunenstadt. Von Blaas gilt als der Begründer der venezianischen Genremalerei, von dem hier mit Geheimnisse ein bedeutendes Werk vorliegt.

Ein wie gewohnt "gefiedertes" Werk liegt mit dem Gemälde Enten am See von Alexander Koester vor, der aufgrund seines Lieblingsmotivs auch "Enten-Koester" genannt wurde. In der vorliegenden Arbeit scheint eine Entengruppe aufgrund zwiegespaltener Wetterverhältnisse unsicher zu sein, ob sie einen Ausflug auf dem See wagen sollte.

Den Abschluss der Auktionswoche bildet die Versteigerung von Antiquitäten und Möbeln am 2. Mai um 14 Uhr. Besonders hervorzuheben sind hier einige Stücke, die die europäische Begeisterung für fernöstliche Elemente im 18. Jahrhundert und in den Jahrzehnten um 1900 widerspiegeln.

Um ein unikates Stück handelt es sich bei einer figürlichen Uhr aus Porzellan und vergoldeter Bronze von 1860-80, für deren Gestaltung von der Manufaktur Meissen auf Entwürfe Kändlers aus dem 18. Jahrhundert zurückgegriffen wurde.

Nicht weniger außergewöhnlich ist eine Art déco-Vitrine im japonisierenden Stil, die 1924 von Wilhelm Hejda in Wien angefertigt wurde. Der Korpus aus Makore-Holzfurnier wird durch eine vergoldete Pagode gekrönt. Hinter einer verglasten Tür ist eine aufwändig gestaltetes Bild mit exotischer Flora und Fauna zu sehen.
Die Auktionswoche findet im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse 17 in Wien statt. Dort kann die Ausstellung zur Auktion ab dem 20. April bis zum jeweiligen Auktionstag besucht werden.
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