Alte Meisterinnen und Meister glänzen im Dorotheum

Die erste Auktionswoche des Wiener Dorotheum im Jahr 2019 ist der klassischen Kunst mit Alten Meistern, Gemälden des 19. Jahrhunderts, brillantem Schmuck und außergewöhnlichen Antiquitäten gewidmet.

Alte Meisterinnen und Meister glänzen im Dorotheum

Vom 29. April bis 2. Mai dreht sich im Auktionshaus Dorotheum alles um die Classic Week, die erste Auktionswoche des Jahres, die traditionell alter Kunst gewidmet ist. In insgesamt vier fantastischen Auktionen werden Arbeiten herausragender europäischer Künstler angeboten.

In der Offerte mit Gemälden Alter Meister, die am 30. April um 17 Uhr zum Aufruf kommen, geben sich flämische und Italiensicher Meister die Klinke in die Hand - und zwar männliche als auch weibliche. Angeführt wird der Katalog von einem Gemälde Artemisia Gentileschis, deren Lucretia im vergangenen Jahr im Dorotheum erfolgreich für 1,886 Millionen Euro versteigert worden war.

Artemisia Gentileschi (1593 Rom – 1654 Neapel) unter Assistenz (im Hintergrund) von Onofrio Palumbo (1606–1656?), Maria Magdalena in Ekstase, Öl/Lwd., 1640er Jahre | Foto: © Dorotheum
Artemisia Gentileschi (1593 Rom – 1654 Neapel) unter Assistenz (im Hintergrund) von Onofrio Palumbo (1606–1656?), Maria Magdalena in Ekstase, Öl/Lwd., 1640er Jahre | Foto: © Dorotheum

In der aktuellen Auktion ist sie mit Maria Magdalena in Ekstase vertreten, das in die 1640er Jahre datiert wird, als die Künstlerin in Neapel auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes war. Während sich Artemisia Gentileschi der Figurendarstellung im Stil Caravaggio widmete, wurde die Landschaft im Hintergrund vom neapolitanischen Maler Onofrio Palumbo ausgeführt.

Elisabetta Sirani (Bologna 1638–1665) mit Beteiligung von Giovanni Andrea Sirani (Bologna 1610–1670), Die Auffindung des Mosesknaben, Öl/Lwd., frühe 1660er Jahre | Foto: © Dorotheum
Elisabetta Sirani (Bologna 1638–1665) mit Beteiligung von Giovanni Andrea Sirani (Bologna 1610–1670), Die Auffindung des Mosesknaben, Öl/Lwd., frühe 1660er Jahre | Foto: © Dorotheum

Mit Elisabetta Sirani spielt eine weitere Barockkünstlerin in der Auktion ganz oben mit. Ihr Werk Die Auffindung des Mosesknaben entstand um 1660 als Gemeinschaftsarbeit mit ihrem Vater Giovanni Andrea Sirani, der auch ihr Lehrer gewesen war. Elisabetta Sirani war zu ihren Lebzeiten so populär, dass sie ihre eigenen Malschule gründen konnte und sogar in die Lukasgilde ihrer Heimatstadt Bologna aufgenommen wurde.

Bartolomeo Manfredi (1582 Ostiano – 1622 Rom), Das Martyrium des heiligen Bartholomäus, Öl/Lwd. | Foto: © Dorotheum
Bartolomeo Manfredi (1582 Ostiano – 1622 Rom), Das Martyrium des heiligen Bartholomäus, Öl/Lwd. | Foto: © Dorotheum

Von großer Bedeutung für die Barockmalerei war der Italiener Michelangelo Merisi da Caravaggio, dessen effektvolle und zugleich naturalistische Hell-Dunkel-Malerei nach seinem frühen Tod im Jahr 1610 viele Nachahmer fand. Artemisia Gentileschi zählte dazu, genauso wie Bartolomeo Manfredi, dessen Das Martyrium des heiligen Bartholomäus nun im Dorotheum versteigert wird. Tatsächlich war Manfredi einer der ersten Künstler, die den Stil Caravaggios aufgriffen und an die nächste Generation weitergaben.

Frans Francken II. (1581 Antwerpen 1642)und Ambrosius Francken II. (1590/92 Antwerpen 1632), Der Zug der Israeliten durch das Rote Meer, Öl/Holz, rückseitig bezeichnet: ft ff | Foto:  © Dorotheum
Frans Francken II. (1581 Antwerpen 1642)und Ambrosius Francken II. (1590/92 Antwerpen 1632), Der Zug der Israeliten durch das Rote Meer, Öl/Holz, rückseitig bezeichnet: ft ff | Foto: © Dorotheum

Auch unter den Werken flämischer Meister sind Gemälde mit biblischer Thematik gut vertreten. Und auch hier findet sich eine Gemeinschaftsarbeit: Der Zug der Israeliten durch das Rote Meer wurde um 1630 vom Antwerpener Brüderpaar Frans II. und Ambrosius II. Francken ausgeführt, die beide auf kleinfigurige Darstellungen spezialisiert waren.

Abel Grimmer (um 1570 Antwerpen um 1620), Vornehme Loggia mit der Brautwerbung Isaaks um Rebekka, Öl/Holz, signiert und datiert, 1616 | Foto: © Dorotheum
Abel Grimmer (um 1570 Antwerpen um 1620), Vornehme Loggia mit der Brautwerbung Isaaks um Rebekka, Öl/Holz, signiert und datiert, 1616 | Foto: © Dorotheum

Vom ebenfalls der Schule von Antwerpen angehörenden Abel Grimmer stammt das alttestamentarische Motiv der Brautwerbung Isaaks um Rebekka, das er neben einer Vornehmen Loggia angesiedelt hat. Dieser Umstand belegt die Meisterschaft des Malers, der nicht nur die Natur, sondern auch Architekturen herausragend darzustellen vermochte.

Bereits am 29. April werden Schmuck (14 Uhr) und Gemälde des 19. Jahrhunderts (17 Uhr) versteigert. Die Schmuckofferte bietet einen wahren Schatz hochqualitativer und -karätiger Stücke mit Diamantbesatz. Sehr hervorzuheben ist hierbei ein Armband aus Platin und Weißgold, das mit Diamanten von insgesamt ca. 50 ct besetzt ist.

Links: Diamantarmband zus. ca. 50 ct Rechts: Cartier, Diamantbrosche "Tempel" Nr. 3105 | Fotos: © Dorotheum
Links: Diamantarmband zus. ca. 50 ct Rechts: Cartier, Diamantbrosche "Tempel" Nr. 3105 | Fotos: © Dorotheum

Passend zur Classic Week kommt aus eine Diamantbrosche von Cartier zum Aufruf, die die Gestalt eines griechischen Tempels aufweist.

Die abwechslungsreichen Gemälde des 19. Jahrhunderts begeistern mit Genreszenen, Tiermalerei, Stadtansichten und Landschaften. Eine außergewöhnliche Stimmung verbreitet Petrus van Schendels Nächtlicher Markt in Rotterdam, dessen zwei Lichtquellen - Mond und Kerzen - einen gleichzeitig kühlen als auch warmen Effekt haben.

Petrus van Schendel (1806 Terheide – 1870 Brüssel), Nächtlicher Markt in Rotterdam, Öl/Holz, signiert | Foto: © Dorotheum
Petrus van Schendel (1806 Terheide – 1870 Brüssel), Nächtlicher Markt in Rotterdam, Öl/Holz, signiert | Foto: © Dorotheum

Was die beiden Canaletto im 18. Jahrhundert für die Außenansichten Venedigs gewesen waren, war Eugen von Blaas im 19. Jahrhundert für die Innenansichten der Lagunenstadt. Von Blaas gilt als der Begründer der venezianischen Genremalerei, von dem hier mit Geheimnisse ein bedeutendes Werk vorliegt.

Eugen von Blaas (1843 Albano – 1931 Venedig), Geheimnisse, Öl/Lwd. | Foto: © Dorotheum
Eugen von Blaas (1843 Albano – 1931 Venedig), Geheimnisse, Öl/Lwd. | Foto: © Dorotheum

Ein wie gewohnt "gefiedertes" Werk liegt mit dem Gemälde Enten am See von Alexander Koester vor, der aufgrund seines Lieblingsmotivs auch "Enten-Koester" genannt wurde. In der vorliegenden Arbeit scheint eine Entengruppe aufgrund zwiegespaltener Wetterverhältnisse unsicher zu sein, ob sie einen Ausflug auf dem See wagen sollte.

Alexander Koester (1864 Bergneustadt – 1932 München), “Enten am See”, Öl/Lwd., betitelt, bezeichnet und signiert | Foto: © Dorotheum
Alexander Koester (1864 Bergneustadt – 1932 München), “Enten am See”, Öl/Lwd., betitelt, bezeichnet und signiert | Foto: © Dorotheum

Den Abschluss der Auktionswoche bildet die Versteigerung von Antiquitäten und Möbeln am 2. Mai um 14 Uhr. Besonders hervorzuheben sind hier einige Stücke, die die europäische Begeisterung für fernöstliche Elemente im 18. Jahrhundert und in den Jahrzehnten um 1900 widerspiegeln.

Meissen, Außergewöhnliche Gruppe "Elefant mit Mohr, bronze-dore Sockel, Uhrturm und Uhrgehäuse sowie japanischer Mutter mit Papagei und 2 Kindern", 1860-80 | Fotos: © Dorotheum
Meissen, Außergewöhnliche Gruppe "Elefant mit Mohr, bronze-dore Sockel, Uhrturm und Uhrgehäuse sowie japanischer Mutter mit Papagei und 2 Kindern", 1860-80 | Fotos: © Dorotheum

Um ein unikates Stück handelt es sich bei einer figürlichen Uhr aus Porzellan und vergoldeter Bronze von 1860-80, für deren Gestaltung von der Manufaktur Meissen auf Entwürfe Kändlers aus dem 18. Jahrhundert zurückgegriffen wurde.

Wilhelm Hejda, Ungewöhnliche Art Deco Vitrine im japonisierenden Stil, signiert und datiert, Wien 1924 | Fotos: © Dorotheum
Wilhelm Hejda, Ungewöhnliche Art Deco Vitrine im japonisierenden Stil, signiert und datiert, Wien 1924 | Fotos: © Dorotheum

Nicht weniger außergewöhnlich ist eine Art déco-Vitrine im japonisierenden Stil, die 1924 von Wilhelm Hejda in Wien angefertigt wurde. Der Korpus aus Makore-Holzfurnier wird durch eine vergoldete Pagode gekrönt. Hinter einer verglasten Tür ist eine aufwändig gestaltetes Bild mit exotischer Flora und Fauna zu sehen.

Die Auktionswoche findet im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse 17 in Wien statt. Dort kann die Ausstellung zur Auktion ab dem 20. April bis zum jeweiligen Auktionstag besucht werden.

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