Am 20. Oktober präsentiert Cooee Art MarketPlace – Australiens ältester Spezialist für indigene Kunst – die Auktion "Australian Indegenous Fine Art". Die Versteigerung umfasst 110 Werke, deren Gesamtschätzpreis 1,8-2,5 Millionen AUD (ca. 1,1-1,5 Millionen Euro) beträgt. 62 dieser Kunstwerke stammen aus der Sammlung von Hank Ebes, Eigentümer der Aboriginal Gallery of Dressings und großer Förderer und Unterstützer der indigenen Kunstszene Australiens.
Ebes kam 1962 als Einwanderer aus den Niederlanden nach Australien. Ehemals als Pilot in der Schädlingsbekämpfung tätig, träumte er von der Gründung eines Museums für Drucke. Ebes besaß ein Geschäft für alte Drucke in Melbourne, als er Bob Edwards traf, den neuen Direktor des Melbourne Museum. Edwards bot ihm den ehrenamtlichen Posten als Kurator für Druckgeschichte und -technik an. In den folgenden Jahrzehnten konnte Ebes viele der renommiertesten Veranstaltungsorte der Welt für Ausstellungen mit Aboriginal Art gewinnen. Als sein Geschäft 1987 im Zuge der Rezession in die Krise geriet, hatte er sich bereits ganz und gar diesem Thema verschrieben.

Ebes Lieblingskünstlerin ist Emily Kame Kngwarreye (1910-1996), die den Auktionsrekord für das Werk einer australischen Künstlerin hält – ein Rekord, der 2017 mit 2,1 Millionen AUD (ca. 1,3 Millionen Euro) bei Cooee Art aufgestellt wurde. Ausgeführt hatte Kngwarreye ihr Rekordwerk Earth's Creation I während einem von Hank Ebes finanzierten Workshop.
Seine persönliche Sammlung mit indigenen Kunst begann Ebes in den frühen 1990er Jahren anzulegen. Die Sammlung ist sehr umfangreich und nicht weniger als 650 Gemälde von Kngwarreye sind durch Ebes' Hände gegangen. Die Werke stammen aus den verschiedenen Phasen in Kngwarreyes nur sieben Jahre währenden Künstlerkarriere, inklusive vieler jener Arbeiten, die sie in den letzten Wochen ihres Lebens geschaffen hatte.
In der Auktion am 20. Oktober kommen 13 Werke von Kngwarreye zum Aufruf, darunter My Country – Final Series (1996), eine Überfülle an Rosa, Gelb und Blau aus ihrer raren letzten Serie. Es ist erst das zweite der insgesamt 24 Werke, die Kngwarreye in den letzten Wochen ihres Lebens malte, das öffentlich zum Verkauf angeboten wird. Als eines der Kronjuwelen der Aboriginal Art, legt My Country – Final Series Zeugnis ab, von der Kraft, der Schönheit und der Bedeutung von Kngwarreyes Malerei.

Hervorzuheben sind auch zwei Gemälde von Tommy (Yannima) Watson (ca. 1935-2017) von den Pitjantjatjara-Aborigines aus Central Australia, dessen Kunst in überraschend kurzer Zeit viel Lob einheimsen konnte. Watsons Gemälde basieren auf Felslöchern, Gebirgszügen, Bachbetten und wichtigen Traumstätten, die nach der Mythologie der Region während der großen Schlacht zwischen dem Weißen Kakadu und dem Adler entstanden sind.
Irika (2015) ist eines dieser beiden Kunstwerke. Mit seinen erdigen Rot- und Rosatönen, dem schönen Blau und dem punktuell eingesetztem Weiß ist es ein Hauptwerk, das mit den Darstellungen der Traumzeit der westlichen Wüste im Einklang steht: Die Landschaft ist heilig und numinos.

Auch zwei frühe Werke von Rover (Julama) Thomas (ca. 1926-1998) sind Teil der Offerte. Beide entstanden früh nach der Gründung der Künstlerbewegung in Kimberly (eine Region in Nordwest-Australien). Beide Gemälde waren von 1996 bis 2006 Teil der Ausstellung Nangara, die durch Europa und Japan tourte.
Obwohl Thomas gelegentlich figurative Elemente und topografische Profile in seine Gemälde einbezog, ist seine Arbeit eher durch eine Vogelperspektive gekennzeichnet, die mit der Kunst der zentralen und westlichen Wüste gemein ist. Seine frühesten Werke, die zwischen 1981 und 1984 entstanden sind, sind ebene, kartenähnliche Gemälde, die sich auf Orte und Wege von angestammter oder historischer Bedeutung und auf seine eigenen Reisen in der Region beziehen.
Wie bei Canning Stock Route (um 1984) ziehen diese Arbeiten den Betrachter in weitläufige Ebenen aus malerischem und strukturiertem Ocker. Die weißen Punkte dienen dazu, Akzente zu setzen und den Blick auf die Pfade der Zeit und der Bewegung zu lenken, die den Formen des Landes folgen, in dem wichtige Ereignisse kodiert sind. Warme und erdige Ockertöne sowie der spürbare Sinn für Spiritualität laden den Betrachter ein, über die Entfaltung wichtiger Ereignisse nachzudenken und sich in eine alte und zeitlose Landschaft zu versetzen.

Bill Whiskey Tjapaltjarri (ca. 1920-2008) begann erst im Alter von 84 Jahren mit dem Malen. Zu diesem Zeitpunkt war er weithin bekannt als machtvoller Heiler und Bewahrer alten Wissens.
Seine Bilder sind voller Tradition, wie es auch bei Rockholes Near the Olga's (2007) der Fall ist. Diese Arbeit zeigt die mythische Schlacht der Kakadu-Traumzeit, die in Whiskys Geburtsort Pirupa Alka in der Nähe des Uluru stattfand. Während der Schlacht waren weiße Federn über die Landschaft verstreut, die eingedrückt wurden, als die ineinander verschlungenen Kämpfer wiederholt in den Boden krachten. Unterirdische Bäche füllten diese Abdrücke mit Wasser und durch das Wischen der Flügel entstand ein kreisförmiges Amphitheater. Heute kennzeichnet ein großer leuchtend weißer Felsen den gefallenen Kakadu, der immer noch das lebensspendende Wasser aus den heiligen Becken trinkt. In Übereinstimmung mit der Darstellung von Traumgeschichten in der gesamten westlichen Wüste ist das Mythische und Numinöse der heiligen Geographie inhärent.
In Rockholes Near the Olga's sind Wasserorte wie Pirupa Akla durch konzentrische Kreise gekennzeichnet, deren schillernde Präsenz ihre kraftvolle lebensspendende Bedeutung darstellt.
Noch mehr Aboriginal Art finden Sie im aktuellen Katalog von Cooee Art.



