Im Zeitalter des Designs verkündet so mancher den Niedergang „klassischer“ Glas- und Tafelservice. Eine voreilige Analyse! Für Marianne Daudre, Antiquitätenhändlerin in der Boutique Cassiopée im Village Saint Paul in Paris, ist der Glanz alter Glaswaren noch lange nicht getrübt. „Es sind zeitlose Klassiker. Glaswaren ermöglichen es Ihnen, hübsche Dinnertafeln zu gestalten, ohne Ihr Budget zu sprengen, und dabei mit Sicherheit Eindruck zu machen... Es ist ein wahrhaft sinnliches Vergnügen, sie zusammenzustellen."
Der Tisch ist jedoch nicht der einzige Ort, an dem diese Objekte glänzen können. Aus dekorativer Sicht lassen sich alte Karaffen problemlos zu Vasen und Tassen zu Aufbewahrungsmöglichkeiten umfunktionieren. Man kann in Regalen unterschiedliche Größen und Formen zusammenstellen und dabei Modelle aus dem 19. Jahrhundert mit anderen dekorativen Künsten kombinieren. „Das funktioniert sehr gut“, sagt die Aniquiätenhändlerin.

Geblasen, geformt – eine Vielfalt an Techniken
Die ältesten Glaswaren sind geblasen. Gläser und andere Gegenstände wurden aus einem Stück gefertigt, an dessen Mündung ein hohler Stab angebracht wurde. „Diese Glaswaren sind leicht zu erkennen“, erklärt Marianne Daudre, „da ihre Form ungleichmäßig und jedes Stück anders ist.“ Und als Tipp für Schnäppchenjäger: Wenn Sie eine leichte Blase am Boden einer Karaffe bemerken, ist das ein Qualitätsmerkmal, denn dieses Mal zeigt die Stelle an, an der der Glasbläser das Material von jenem Stab, mit dem er es ins Feuer gehalten hat, abgeschnitten hat. Zusätzlich zu diesen erkennbaren Unregelmäßigkeiten weisen diese geblasenen Stücke Kanten auf, die maschinell abgeschrägt oder mit einer Flamme abgerundet wurden. Abgerundete Kanten treiben die Preise in die Höhe.
Ab genau 1850 ermöglichte die Entwicklung neuer Techniken den Herstellern, geschmolzenes Glas in zwei komplementäre Formen zu gießen, die dann zusammengesetzt wurden. Durch diesen Vorgang entstand über die gesamte Länge ein feiner Wulst, die „Naht“. Dadurch ist eine spätere Datierung dieser Stücke möglich, die darüber hinaus auch regelmäßiger geformt sind. Im Allgemeinen sind die Exemplare vom Anfang des 19. Jahrhunderts teurer als die späteren Exemplare.

Wertbestimmung
Im Allgemeinen ist die Preisbestimmung jedoch nicht so einfach. „ Der Preis von Glaswaren hängt nicht nur vom Alter ab“, betont Madame Daudre. Hinzu kommt der Ruf des Herstellers. Große Namen wie Baccarat, Saint-Louis oder Daum sind begehrt und recht teuer. Wenn man einfach nur auf der Suche nach ästhetischem Vergnügen ist, findet man weniger prestigeträchtige Glaswaren zu erschwinglichen Preisen. Es ist keine Seltenheit, hübsche Gläser für etwa 10 Euro zu finden.
Eines der konstanten Elemente der Preisbildung bleibt aber natürlich der Zeitraum. Service oder Karaffen aus der Zeit des Jugendstils oder Art décos können hohe Preise erzielen, da in dieser Epoche Künstlersignaturen bei allen dekorativen Künsten einen hohen Stellenwert hatten. In der Regel sind diese Gläser und Karaffen also signiert (z. B. bei Lalique unter dem Fuß), was ihren Wert um das Zehnfache erhöhen kann. Es ist jedoch immer noch möglich, nicht signierte und gut gefertigte Stücke aus den 1920er bis 1930er Jahren für bescheidenere Beträge zu finden. Antikes Glas bietet viele Möglichkeiten für jeden Geldbeutel und bereitet so viel Freude.

Kristall erkennen: Drei goldene Regeln
1. Das Gewicht. Kristall enthält Blei, ein Material, das es schwerer macht als Glas (bei den frühesten Kristallarten, den venezianischen, war es Mangan). Manche Schnäppchenjäger haben zum Vergleich stets ein Glas dabei!
2. Der Klang. Der Klang von Kristall ist einzigartig und schwingt ziemlich lang. Im Gegensatz dazu gibt Glas einen eher dumpfen und kurzen Klang ab. Das Kristall hingegen soll „singen“.
3. Die Transparenz. Bleioxid verleiht dem Kristall seinen Glanz. Kristall bricht das Lichtspektrum in bestimmten Winkeln und lässt einen Regenbogen erscheinen.
Artikel von Aladin Antiquités, dem Magazin für Schnäppchenjäger, Sammler, Kunst- und Kulturliebhaber seit 1987!



