Youngtimer sind ein relativ junges Sammlergebiet, das erst in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus des Marktes gerückt ist. Der Bereich umfasst grob gesagt Fahrzeuge der 1970er bis 1990er Jahre oder auch etwas jüngere, sofern sie über sammelwürdige Eigenschaften verfügen. Diesem Trend steht das Sammeln traditionellerer Modelle gegenüber. Da Oldtimer jedoch in der Regel teurer sind, bietet der Markt für Youngtimer bessere Zugangsmöglichkeiten für ein breiteres Publikum.
Woher kommt dieses Phänomen?
Wie es bei vielen beliebten Sammlerstücken der Fall ist, treiben zunehmend steigende Preise für eine Objektgruppe Sammler dazu, sich einem anderen, wenn auch verwandten Gebiet zuzuwenden. Da Oldtimer mit der Zeit nicht unbedingt günstiger werden, beginnt eine jüngere Klientel mit moderaterem Budget sich nun verstärkt auf andere Modelle zu konzentrieren.
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Das Symbol einer Ära
Zudem ist Nostalgie immer ein entscheidender Faktor, wenn es ums Sammeln geht. Auch wenn einige der neuen Sammler in den 1970er und 1980er Jahren noch gar nicht geboren waren, sind Youngtimer Symbole für eine Zeit, in der das Autofahren noch ein Vergnügen war. Laut Michel Floirat, Berater für Youngtimer bei Boisseau-Pomez (Ivoire Troyes), sind die Enthusiasten in dieser Kategorie zwischen 30 und 55 Jahre alt und wurden in ihrer Jugend oft von einem bestimmten Auto geprägt: das des Vaters natürlich, des Nachbarn ("viel besser als Papas"), des Cousins, der viel zu waghalsig war, oder des "Sonntagsfahrers", der in der gesamten Nachbarschaft für Furore sorgte. Es sind Referenzen wie diese, die die Kindheit prägen und sich in dem Wunsch "Wenn ich groß bin, werde ich auch so eins haben" manifestieren.
...die Enthusiasten in dieser Kategorie zwischen 30 und 55 Jahre alt und wurden in ihrer Jugend oft von einem bestimmten Auto geprägt: das des Vaters natürlich, des Nachbarn, des Cousins, der viel zu waghalsig war, oder des "Sonntagsfahrers", der in der gesamten Nachbarschaft für Furore sorgte.

Trendwende
Zunächst Objekt der Träume und Symbol der Emanzipation während des Nachkriegsbooms, wurde das Auto nach der Ölkrise in den 1970er Jahren zum rationalen Werkzeug. Hinzu kamen Umwelt- und Sicherheitsstandards, die das Design von Fahrzeugen prägen. Laut Michel Floirat "sollten wir eine Schule des automobilen Geschmacks schaffen, so wie es auch Kochschulen gibt. Das wäre aktuell ja schließlich nicht dumm, vor allem, da diese automobile Vielfalt bedroht ist". Zu diesem aktuell zu beobachtenden Interessenwandel trägt auch der wachsende Appetit auf Technik-Gadgets bei: Der Stil eines Autos steht nicht mehr im Vordergrund.
Wir sollten eine Schule des automobilen Geschmacks schaffen, so wie es auch Kochschulen gibt. Das wäre aktuell ja schließlich nicht dumm, vor allem, da diese automobile Vielfalt bedroht ist!

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Nostalgia Ultra
Dieser Trend setzt sich auch in der aktuellen Popkultur fort: Die Bling-Bling-Rennwagen aus den R'n'B-Clips werden in den neuen Musikvideos von Rihanna, Kendrick Lamar oder Bruno Mars durch Autos aus den 1980er und 1990er Jahren ersetzt. Der kalifornische Singer-Songwriter Frank Ocean ehrt auf dem Cover seines Albums mit dem vielsagenden Titel Nostalgia Ultra einen BMW 3er. Ein solcher Wagen wird auch von Robert Pattinson im Werbeclip für das Parfum Dior Homme gefahren. "Low Budget" für die Luxuswelt also, denn ein BMW 3er kostet noch immer 10- bis 100-mal weniger, als die von der Branche üblicherweise bevorzugten Modelle.
Youngtimer und Umweltbewusstsein: Freunde oder Feinde?
Da die Automobilindustrie auf klimatischer und politischer Ebene (Umweltzonen und andere Regelungen) die Erderwärmung zu spüren bekommt, ist es legitim zu überlegen, ob Youngtimer als "grün" oder als Umweltsünde par excellence einzustufen sind. Michel Floirat prognostiziert, dass Youngtimer nur in Ausnahmefällen und daher nur in begrenztem Umfang zum Einsatz kommen würden. Allgemein hätten Sammler dieser Autogattung in der Regel nicht das gleiche Profil wie Alltagsfahrer, die am stärksten von Einschränkungen bei der Nutzung ihres fahrbaren Untersatzes hinsichtlich fossiler Brennstoffe betroffen sind. Zudem würde die meiste Energie in der Produktionsphase eines Neuwagens verbraucht werden. Doch ein Youngtimer existiert bereits. Wie der Wirtschaftswissenschaftler und Pionier der Ökologischen Ökomonie, Nicholas Georgescu-Roegen (1906-1994), einst bemerkte: "Jedes Mal, wenn wir ein Auto produzieren, tun wir dies auf Kosten eines Rückgangs der Zahl der kommenden Menschenleben."
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Welche Youngtimer sollte man im Auge behalten?
Zum Abschluss möchten wir Ihnen noch jene Youngtimer präsentieren, die Michel Floirat besonders am Herzen liegen:
Bentley Azur (1995-2003), ein riesiges Cabriolet (5,34 Meter lang) aus den späten 1990er Jahren, fast kitschig, das von wohlhabenden kalifornischen Witwen auf dem Sunset Boulevard gefahren wurde – mit eingeschalteter Klimaanlage...
Subaru XT (1985-1991), ein japanisches UFO, dessen Innendesign einem Flugzeugcockpit ähnelt. Extrem selten in Frankreich. Insgesamt wurden nur 55 Exemplare importiert, wegen der Quote. Ein Muss für Sammler!
VW Phaeton (2001-2016, 1. Phase 2001-2007), der etwas verrückte Traum einer vertrauten und vernünftigen Marke. Etwas, dass man für die nächsten 20 Jahre im Hinterkopf behalten sollte. Oder man fährt schon jetzt darin herum wie in einem rollenden Salon.
Range Rover L322 (2002-2012), der würdige Nachfolger des Range Rover Classic in komfortablerem Design und mit weniger gierigem Motor (15 statt 25 Liter auf 100 Kilometer).
Wer mehr Chic möchte, sollte auf das Jaguar XJ6 4.2 L Coupé setzten, das jedoch weniger zuverlässig ist!
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