Paul Cézanne (1839-1906) kam in Aix-en-Provence zur Welt, wo sein Vater als Bankier tätig war. Eigentlich als Nachfolger seines Vaters vorgesehen, schlug Pauls Herz jedoch für die Kunst. Er ging nach Paris, kehrte jedoch immer wieder in die Provence zurück, wo er Motive fand, die ihn zu seinem berühmten Stil des Wegfalls der Perspektive und des Bildaufbaus aus Formen und Farben heraus inspirierten, wodurch er zu einem Wegbereiter der Moderne und vor allem des Kubismus wurde.
Hier sind fünf interessante Fakten zu Paul Cézanne, die Sie vielleicht noch nicht kannten.

1. Émile Zola war sein bester Freund …bis er es nicht mehr war
Paul Cézanne und Émile Zola wurden beste Freunde, als sie beide ab 1852 das Collège Bourbon in Aix-en-Provence besuchten. Dritter im Bunde war der spätere Ingenieur Jean-Baptistin Baille und das Dreigestirn wurde allgemein als „die Unzertrennlichen“ bezeichnet.
Zola zog 1858 als erster nach Paris und es dauerte drei Jahre, bis er den zögernden Cézanne davon überzeugen konnte, ebenfalls sein Glück in der Hauptstadt zu suchen. Dies blieb diesem jedoch in sofern verwehrt, als dass er von der École des Beaux-Arts für ein ordentliches Studium abgelehnt wurde. Stattdessen besuchte er die Académie Suisse und kopierte die Alten Meister im Louvre. 1861 kehrte Paul Cézanne nach Aix-en-Provence zurück, nur um es im Jahr darauf erneut in Paris zu versuchen. 1865 widmete Émile Zola seinen ersten Roman seinen beiden Jugendfreunden Cézanne und Baille und 1870 war Cézanne Zolas Trauzeuge.
Lesen Sie auch: Hat Cézanne ein Selbstporträt mit Brot und Eiern übermalt?
Im Laufe der folgenden Jahre lebten sich Cézanne und Zola jedoch immer weiter auseinander. Während Zola immer erfolgreicher wurde, blieb der Erfolg dem von Selbstzweifeln geplagten Cézanne verwehrt. Zum endgültigen Abbruch der alten freundschaftlichen Verbindung kam es 1886, als Zola den Roman L’Œuvre veröffentlichte und Cézanne sich in dessen Protagonisten, einem gescheiterten Maler, porträtiert sah.

2. Er nahm einen Rat von Camille Pissarro an
Als Cézanne nach Paris kam, war sein Stil von dunklen Farben und düsteren Motiven geprägt, die er in dicken Schichten auf die Leinwand brachte. Zu seinen Vorbildern gehörten Eugène Delacroix und Gustave Courbet. Eine seiner frühesten Bekanntschaften in Paris war Camille Pissarro, der sein Mentor wurde. Es war Pissarro, der Cézanne davon überzeugen konnte, sich von seinem bisherigen Stil zu lösen und sich eine leichtere Malweise mit einer helleren Farbpalette anzueignen. Cézanne lernte weitere Maler wie Renoir, Monet und Sisley kennen und beteiligte sich 1874 und 1877 an der ersten und dritten Ausstellung dieser als Impressionisten in die Geschichten eingegangenen Künstler, wobei seine Werke von allen den meisten Spott des Publikums, das den Stil der Akademie bevorzugte, auf sich zogen. Auf Dauer konnte ihn der Impressionismus jedoch nicht fesseln und er begann stattdessen den Stil zu entwickeln, der ihn zum Wegbereiter von Kubismus machen sollte.
Lesen Sie auch: Wie der Kubismus die Welt veränderte

3. Er verheimlichte Frau und Kind
1869 lernte Paul Cézanne an der Académie Suisse Hortense Fiquet kennen. Diese war dort nicht etwa ebenfalls Schülerin, sondern verdiente sich als Modell zu ihrem Gehalt als Buchbindergehilfin etwas dazu. Obwohl der in sich gekehrte und oft schwierige Cézanne Frauen gegenüber sehr schüchtern war und aufgrund eines Kindheitstraumas Angst vor Berührungen hatte, gingen beide eine Beziehung ein, aus der drei Jahre später ein Sohn hervorging, der nach seinem Vater benannt wurde.
Aus Angst, die Zuwendungen seines gestrengen Vaters, der seinen Sohn lieber als Erben seiner Bank gesehen hätte, zu verlieren, verheimlichte Paul Cézanne ihm gegenüber seine nicht standesgemäße Lebensgefährtin. Als das Ganze 1878 schließlich doch aufflog, strich Vater Cézanne dann auch prompt die bisherige monatliche Unterstützung um die Hälfte.
Obwohl sie schon lange nicht mehr glücklich miteinander waren, heirateten Hortense und Paul Cézanne 1886, um für den gemeinsamen Sohn geordnete Verhältnisse zu schaffen. Auch war Hortense ein wichtiges Modell für Cézanne, der sie mindestens 26 Mal porträtierte.
Lesen Sie auch: Von der Muse geküsst

4. Er bevorzugte Äpfel und Orangen und ein ganz bestimmtes Gebirge
Eine wichtige Werkgruppe Cézannes sind seine Stillleben mit Obstschalen, denen er sich in den 1870er Jahren zu widmen begann. Als „Modelle“ bevorzugte er Orangen, Äpfel oder auch Birnen. Das hatte einen bestimmten Grund: deren lange Haltbarkeit. Wo ein Pfirsich schon aufgegeben hätte, trotzten diese Früchte dem Zahn der Zeit. Cézanne arbeitete nämlich eher langsam und nahm an einem Werk immer wieder Veränderungen vor – nur um am Ende doch nicht völlig zufrieden zu sein.

Sein ganzes Leben lang blieb Paul Cézanne seiner Heimatregion verbunden. 1901 erwarb er, der 1886 seinen Vater beerbt hatte, ein Grundstück nördlich von Aix-en-Provence und ließ darauf ein Atelierhaus errichten. Die Lage ermöglichte ihm einen guten Blick auf ein Motiv, das ihn seit einigen Jahren immer wieder beschäftigte und es bis zu seinem Lebensende auch weiterhin tun sollte: die Montagne Sainte-Victoire, ein 18 Kilometer langes Kalksteingebirge mit dem 1.011 Meter hohen Pic des Mouches als höchsten Punkt.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!

5. Er erhielt zu Lebzeiten eine gemalte Hommage
Während das Publikum und die meisten Kritiker Cézannes Werken lange nichts abgewinnen konnten, erkannten viele avantgardistische Künstler deren Bedeutung schon recht früh. Eine ganze Gruppe, die so dachte, waren die Nabis, jene geheime Bruderschaft von Künstlern, die dem leichten Impressionismus eine mystisch-religiöse Symbolik entgegenbringen wollte, sich schließlich jedoch vor allem auf intensive Farben und dekorative Formen konzentrierte. Geistiger Mentor der Gruppe war Paul Gauguin, doch waren es auch Paul Cézannes Werke, die den Nabis als inspirierende Nahrung dienten.
Welche Bedeutung Cézannes Werk auf die Künstlergruppe hatte, wird mit dem 1900 von einem ihrer Mitglieder, Maurice Denis, gemalten Gruppenporträt Hommage à Cézanne deutlich. Angesiedelt im Geschäft des Kunsthändlers Ambroise Vollard, sind vor allem Nabis-Künstler zu sehen, darunter der Gründer der Gruppe, Paul Sérusier, der dem schon älteren Symbolisten Odilon Redon die Genialität Cézannes anhand von dessen Gemälde Compotier, verre et pommes näherbringen möchte. Durch die Wahl des Gemäldes im Gemälde ist Gauguin, der 1900 schon seit einigen Jahren auf Tahiti weilte, im Geiste ebenfalls anwesend, da ihm dieses spezielle Cézanne-Gemälde einst gehört hatte.
Lesen Sie auch: 8 Förderer der Pariser Avantgarde, die man kennen sollte

Nach Paul Cézannes Tod wurde ihm zu Ehren im Pariser Salon d’Automne von 1907 eine Gedächtnisausstellung seiner Werke gezeigt, die viele junge Künstler der neuen Generation inspirierte, allen voran Georges Braque und Pablo Picasso, die beiden Begründer des Kubismus.










