Für Liebhaber von Oper oder Ballett sind die Originalentwürfe für Kostüme und Bühnenbilder auf Papier ein oft übersehenes Thema, um mit dem Sammeln von Kunst zu beginnen. Auch wenn die Preise für seltene Stücke recht hoch sein können, bietet der Markt genügend Platz für erschwinglichere Alternativen, insbesondere im Bereich der Vintage-Lithografieplakate. Beide Gebiete, unabhängig vom Wert, sind absolut faszinierend.

Die Ballets Russes inspirierten nicht nur zahlreiche Künstler, sondern auch viele Kunstsammler mit einem Faible für das Ballett. Gegründet im Jahr 1909 von Impresario Sergei Djaghilew, war das Ensemble bis in die 1920er Jahre aktiv und wurden in dieser relativ kurzen Zeit zur einflussreichsten Ballettkompanie des 20. Jahrhunderts. Djaghilew förderte auch die Zusammenarbeit von Tänzern, Komponisten, Choreografen, Designern und Künstlern, darunter Igor Strawinsky, Claude Debussy, Sergej Prokofjew, Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, Henri Matisse und Coco Chanel. Sehr avantgardistisch!
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Der 2007 verstorbene Mark Birley, Gründer des originalen Nachtclubs Annabel’s in London, war ein Mann mit anspruchsvollem Geschmack, der eine kleine, aber exquisite Sammlung mit Kostüm- und Bühnenbildentwürfen der Ballets Russes zusammengetragen hatte, die an den Terrakottenwänden des legendären Buddha Rooms im Unterschoss des Clermont Clubs am Berkeley Square ausgestellt wurde. Die Sammlung umfasste Arbeiten von Natalija Gontscharowa, Alexandre Benois, Léon Bakst, Pawel Tchelitchew, Boris Sworykin und Sergei Sudeikin. Mark Birleys Vater, der Porträts der Society, Sir Oswald Birley, ließ sich von der farbenfrohen Exotik der Ballets Russes inspirieren und bemerkte die „barbarische Energie“ des Tanzes, als die Kompanie 1910 zum ersten Mal in London auftrat. 1935 malte er Vaslav Nijinskys Tochter, die sensationelle Ballerina Kyra Nijinska. Das fabelhafte Porträt war eine der Hauptattraktionen einer Ausstellung, die 2017 in der Philip Mould Gallery in London stattfand und dem Leben und Werk Sir Oswald Birleys gewidmet war.

Im Jahr 2018 versteigerte Christie’s das Inventar des alten Annabel’s, ausgelöst durch den Umzug des Clubs in neue Räumlichkeiten ein paar Häuser weiter am Platz. Die Flut eifriger Gebote ergoss sich auch über eine beeindruckende Skizze von Natalija Gontscharowa, eine „Offenbarung leuchtender Farben und urtümlicher Fantasie“ in Bleistift, Gouache, Aquarell und Goldfarbe auf Papier, die für 330.000 GBP einen neuen Besitzer fand. Der Entwurf zeigt die Zarin von Shemakha aus Djaghilews ungewöhnlicher Verschmelzung von Oper und Ballett, Le Coq d’Or, mit einer Partitur von Nikolai Rimsky-Korsakow, die auf Alexander Puschkins Gedicht Die Geschichte vom Goldenen Hahn von 1834/35 basierte.
Ihre Uraufführung hatte die Oper in Moskau mit einem Bühnenbild von Iwan Bilibin. Für die anschließenden Inszenierungen in London und Paris (choreografiert von Michail Fokine) entwarf Gontscharowa sowohl das Bühnenbild als auch die Kostüme. Der Erfolg war 1914 beiderseits des Ärmelkanals groß und Natalija Gontscharowas farbenfrohe Entwürfe begründeten ihren Ruf als führende Malerin und Bühnenbildnerin und ebneten den Weg für eine weitere Zusammenarbeit zwischen Djagilew und den Künstlern Michail Larionow, Pablo Picasso und Henri Matisse.
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In derselben Auktion erzielte Alexandre Benois’ mit Bleistift, Tusche, Aquarell und Gouache auf Papier ausgeführter Bühnenbildentwurf für Strawinskys Petruschka 11.250 GBP, nachdem der Schätzpreis zuvor bei 5.000-7.000 GBP gelegen hatte. Petruschka lebt eigentlich in einem Puppentheater, doch Benois fügte eine fantastische Kulisse mit Nachthimmel, Sternen, Mond und Eisbergen hinzu. Dieses Werk war eine spätere Interpretation, signiert und datiert von Benois im Jahr 1936, basierend auf seinen Originalentwürfen von 1911. Ein Kostümentwurf von Léon Bakst für die französische Oper La belle au bois dormant (Dornröschen), der eine in Gehrock, Perücke und Kavalierhut des späten 17. Jahrhunderts gekleidete Figur zeigt, erzielte geschmeidige 12.500 GBP. Auch die Skizzen von Pawel Tchelitchew erwiesen sich an diesem Tag als besonders stark. So erzielten seine „zwei Entwürfe für tanzende Mädchen“, ausgeführt in Bleistift, Tusche , Aquarell und Gouache, 25.000 GBP, gegenüber einer Schätzung von 10.000-15.000 GBP.

Etwas günstiger ist Picassos Plakat für die einflussreiche Ausstellung über die Ballets Russes zu haben, die im Frühjahr 1939 im Musée des Arts Décoratifs im Louvre stattfand. Das Plakat zeigt Picassos unverwechselbare Interpretation des chinesischen Zauberers aus Erik Saties avantgardistischem Ballett Parade. Das Ballettstück vereinte das Kostümdesign und Bühnenbild von Picasso, die Choreografie von Massine und die Musik von Satie in einem Einakter von Jean Cocteau. Es war das erste Mal, dass sowohl Picasso, als auch Satie an einem Ballett mitarbeiteten. Geschrieben in den dunklen Tagen des Ersten Weltkriegs und inspirieret von den Pariser Musikhallen, Jahrmärkten, Hollywood und dem amerikanischen Stummfilm, integrierte Satie Sirenen, den Klang von Flugzeugpropellern, Nebelhörnern und Schreibmaschinen in die Musik seines neuen Balletts. Picassos kubistisches Kostümdesign beinhaltete auch die Verwendung von steifem Karton. Populäre Unterhaltung galt jedoch als ungeeignet für ein ersthaftes Ballett, sodass Parade 1917 bei seiner Uraufführung im Théâtre du Châtelet viel Spott und beinahe einen Aufstand heraufbeschwor und zum Gesprächsthema in Paris wurde.
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Die Retrospektive von 1939 war die erste bedeutende Feier von Djaghilews Werk. Offenbar gab es verschiedene Plakate, die die Ausstellung bewarben. Für eine Version, die die Schirmherrschaft des Fürsten Louis von Monaco hervorhebt, wurde Picassos Zauberer mitten in den gedruckten Text geklebt. Die Schätzpreise auf dem Auktionsmarkt liegen hier bei 3.000 bis 5.000 GBP, wobei die Händlerpreise mehr als 6.000 GBP betragen können. Das Programmheft zu dem Ballett, das ebenfalls Picassos Skizze zeigt, ist für mehr als 1.000 GBP zu haben.
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Auch David Hockney konnte sich als angesehener Designer für die Bühne etablieren. Seine Plakate sind erschwinglich, haben für sich genommen aber einen hervorragenden Sammlerwert. Auf den Spuren von Picasso entwarf Hockney 1981 eine Reihe von Plakaten für die Wiederbelebung von Saties Parade an der Metropolitan Opera in New York. Die farbenfrohe Offsetlithografie ist in zwei Versionen erhältlich, die beide von Petersburg Press veröffentlicht wurden. Hockneys fröhliches Design zeigt einen Harlekin vor abstrakten, bunten Formen. Hier kommt es auf die Größe an: Die längere, erweiterte Version ist die wertvollere. Auktionsschätzungen liegen dafür im niedrigeren Tausenderbereich. Im Gegensatz dazu verkaufte Lyon & Turnbull das kleinere Plakat im August 2021 für 600 GBP.

Hockneys Bühnen- und Kostümentwürfe für The Rake’s Progress (1975) und Die Zauberflöte (1977) an der Glyndebourne Opera in Sussex sind ebenfalls hervorragend. Für The Rake’s Progress nahm Hockney die Rabelaisschen Radierungen des Künstlers und satirischen Karikaturisten William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert als Basis. Für Die Zauberflöte entwarf Hockney fünfunddreißig Kulissen und reiste zu den antiken Stätten Ägyptens, bevor er mit der Arbeit an dem Projekt begann, inspiriert von dem unverwechselbaren hellen und klaren Licht. The Rake’s Progress ist auch auch einem Plakat, das David Hockney 1982 für die Wiederbelebung der San Francisco Opera entworfen hat. Ein Exemplar erzielte 2019 im Auktionshaus David Duggleby 460 GBP.
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Abgesehen von den Plakaten, sind Hockneys originale Kostümentwürfe selten und wertvoll. Seine Skizze für das Kostüm des Papageno aus Mozarts Die Zauberflöte von 1977 erzielte 28.000 GBP, als sie 2021 bei Bonhams in London versteigert wurde. Ein Paar seiner Kostümskizzen für The Rake’s Progress erzielte 16.000 GBP. Hockney hatte sie der Leiterin des Kostümfundus’ der Glyndebourne Opera geschenkt. Der Preis widerspiegelt also auch den Vorteil einer nicht anfechtbaren Provenienz.

Im Dezember 2012 erzielte Robert Marchants Peter Langan's feast for David Hockney at Glyndebourne to celebrate the first night of The Rakes' Progress bei Christie’s verdiente 40.850 GBP, gegenüber der moderaten Schätzung von 5.000-8.000 GBP. Das Ölgemälde erinnert an Peter Langans fantastisches Picknick, das 1975 anlässlich von Hockneys Eröffnungsabend auf einer Wiese in Glyndebourne stattfand – vor einer bukolischen Kulisse mit grasenden Kühen. Dieses Gemälde war vielleicht das berühmteste – oder zumindest das denkwürdigste – das in dem angesagten Londoner Restaurant Langan’s Brasserie hing.
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Doch nicht nur Bühneninszenierungen haben einen Platz im Herzen von Ballettfans, auch der 1948 von Michael Powell und Emeric Pressburger geschaffenen Film The Red Shoes wird von vielen geliebt. Moira Shearer tanzte darin an der Seite von Anton Walbrook, wobei die Performance von Walbrook teilweise von Djaghilew inspiriert war. Filmposter zu The Red Shoes aus verschiedenen Editionen werden immer wieder angeboten. Eine ganz besondere Version zeigt Shearer vor einem roten Hintergrund. Genau wie bei anderen Filmplakaten kommt es auch hier auf das Motiv, den Zustand und das Herkunftsland an. Für ein Exemplar des britischen Plakats mit einer tanzenden Moira Shearer vor einem gelben Hintergrund aus den den 1960er Jahren muss man mit 2.000 USD rechnen.
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Noch teuerer sind die roten Schuhe selbst. Die zierlichen roten Satinschuhe in Größe 36, die Shearer im Film trug und für den Maskenbildner Tom Smith signierte, kamen im Jahr 2000 bei Christie’s zum Aufruf mit einem Schätzpreis von 6.000-8.000 GBP. Verkauft wurden sie für 14.100 GBP – ein erneuter Beweis, dass eine wasserdichte Herkunft der Schlüssel zum Erfolg ist.
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