Auktionshighlights 2018 in D-A-CH

Im Auktionsjahr 2018 war nicht nur an den üblichen Spitzenorten des Marktes - New York, London und Genf - so einiges los, auch in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz gab es so manchen Rekord, interessante Neuentdeckungen und weitere Highlights.

Auktionshighlights 2018 in D-A-CH

Sammlungen der Spitzenklasse

Versteigerungen ganzer Sammlungen rufen auf dem Auktionsmarkt immer ein gesteigertes Interesse hervor. Auf internationaler Ebene wurde uns dies mit den Sammlungen von Peggy und David Rockefeller und Barney A. Ebsworth bei Christie's in New York sowie der Sammlung von Pierre Bergé bei Sotheby's in Paris in diesem Jahr eindrucksvoll vor Augen geführt.

Bedeutendes Biedermeier-Glas aus der Sammlung Erich Schuster | Abb.: Auktionshaus im Kinsky
Bedeutendes Biedermeier-Glas aus der Sammlung Erich Schuster | Abb.: Auktionshaus im Kinsky

Auch in Deutschland und Österreich kamen hochkarätige Sammlungen zum Aufruf. Ende Mai kamen im Wiener Auktionshaus im Kinsky zwei hochinteressante Glassammlungen zum Aufruf. Während die erste Glaskunst von der Gotik bis zum Biedermeier umfasste, konzentrierte sich die Sammlung Erich Schuster voll und ganz auf die von Bürgerlichkeit geprägte Epoche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Zwei Netsuke aus der Sammlung Papp | Abb.: Lempertz
Zwei Netsuke aus der Sammlung Papp | Abb.: Lempertz

Nachdem das Kölner Auktionshaus Lempertz 2017 sehr erfolgreich die Sammlung des Kaffeeunternehmers Klaus J. Jacobs versteigert hatte, durfte es auch 2018 so manche interessante Sammlung präsentieren. Im Juni und im Dezember wurde in zwei Teilen die Sammlung Papp versteigert, die bezaubernde japanische Netsuke umfasste, die über viele Generationen hinweg zusammengetragen wurde.

Ende Oktober trennte sich der Gründer des Berliner Auktionshauses Grisebach, Bernd Schultz, schließlich zwecks der Finanzierung eines Museums von seiner beeindruckenden Sammlung mit Zeichnungen erstklassiger Künstler wie Edgar Degas, Käthe Kollwitz oder Henri Matisse.

Zeichnungen von Toulouse-Lautrec, Warhol und Schiele waren Teil der Sammlung Bernd Schultze | Abb.: Grisebach
Zeichnungen von Toulouse-Lautrec, Warhol und Schiele waren Teil der Sammlung Bernd Schultze | Abb.: Grisebach

Anfang November kam, erneut bei Lempertz in Köln, eine weitere Sammlung zum Aufruf: Die Twinight Collection des amerikanischen Geschäftsmannes Richard Baron Cohen, bei der es sich um die bedeutendste Privatsammlung von Porzellan aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts handelt. Diese Auktion wird im kommenden Jahr fortgesetzt.

Stücke aus der bedeutenden Twinight Collection | Abb.: Lempertz
Stücke aus der bedeutenden Twinight Collection | Abb.: Lempertz

Zurück in Wien wurde auch im dortigen Dorotheum am ersten Dezembertag eine eindrucksvolle Sammlung versteigert: Die Sammlung Wiesenthal mit insgesamt 13 Nachkriegsmodellen von Mercedes-Benz, bei der gleich zwei Wagen die Millionenmarke knackten. Top-Los war ein Mercedes-Benz 300 SL von 1955, der für rund 1,5 Millionen Euro einen neuen Besitzer fand.

1955 Mercedes-Benz 300 SL | Abb.: Dorotheum
1955 Mercedes-Benz 300 SL | Abb.: Dorotheum

 

Neuentdeckungen

Eine Auktion in diesem Jahr durfte sich rühmen, gleich zwei spannende Neuentdeckungen präsentieren zu dürfen. Die Auktion fand im Oktober im Wiener Dorotheum statt und konsentierte sich auf Alte Kunst. Bei den beiden Neuentdeckungen handelte es sich jeweils um ein Frauenportrait. Eines davon, Bildnis einer Adeligen mit Papagei, war um 1610/20 vom flämischen Maler Anthonis van Dyck gemalt worden, bevor er nach England ging und Hofmaler wurde.

Anthonis van Dyck, Bildnis einer Adeligen mit einem Papagei | Abb.: Dorotheum
Anthonis van Dyck, Bildnis einer Adeligen mit einem Papagei | Abb.: Dorotheum

Bei der anderen Neu- bzw. Wiederentdeckung handelt es sich um das Werk Lucretia Artemisia Gentileschi, das sich sich seit seiner Entstehung um 1640/45 in neapolitanischem Privatbesitz befunden hatte und im Zuge der Auktion erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich war.

Artemisia Gentileschi, Lucretia | Abb.: Dorotheum
Artemisia Gentileschi, Lucretia | Abb.: Dorotheum

 

1 Million und aufwärts

Nicht nur der Mercedes-Benz 300 SL aus der Sammlung Wiesenthal ließ 2018 die Millionenmarke rasant hinter sich. Auch unter den Kunstwerken und Antiquitäten gab es derartige Highlights. So erzielte Kees van Dongens fauvistisches Meisterwerk Rouge et Jaune (L’Egyptienne) von 1910/11 im Zürcher Auktionshaus Koller einen Preis von 1,7 Millionen CHF (ca. 1,5 Millionen Euro).

Kees van Dongen, L’Egyptienne, 1910-11 | Abb.: Koller
Kees van Dongen, L’Egyptienne, 1910-11 | Abb.: Koller

Drei Monate später durfte im September der Höchstbietende Compotier et verre ("Obstschale und Glas") des Kubisten Juan Gris für rund 2,9 Millionen Euro mit nach Hause nehmen. Das 1916 entstandene Werk wurde im Auktionshaus Hampel in München versteigert.

Juan Gris, Compotier et verre, 1916 | Abb.: Hampel
Juan Gris, Compotier et verre, 1916 | Abb.: Hampel

Bei Lempertz in Köln wurde schließlich in der Asiatika-Auktion Anfang Dezember ein seltener chinesischer Ge-Teller für 1,1 Millionen Euro versteigert. Die Gebote für den etwa 800 Jahre alten Teller begannen bei 150.000 Euro, den Zuschlag erhielt schließlich ein Bieter aus China, der das gute Stück nun wieder in dessen Heimat zurückbringen konnte. Bei dem erzielten Preis handelte es sich darüberhinaus um den höchsten Preis, der 2018 in Deutschland für ein Objekt asiatischer Kunst gezahlt wurde.

Seltener Ge-Teller, China, Südliche Song-Zeit/Yuan-Zeit (1127-1368) | Abb.: Lempertz
Seltener Ge-Teller, China, Südliche Song-Zeit/Yuan-Zeit (1127-1368) | Abb.: Lempertz

 

Rekorde

Die Versteigerung des Ge-Tellers ist die perfekte Überleitung zu unserer nächsten Kategorie: Rekorde. Zwei davon gab es Ende Mai an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bei Grisebach in Berlin. Zunächst konnte mit einem unikatem Photogramm (1923/25) von László Moholy-Nagy der höchste Auktionspreis erzielt werden, der jemals in Deutschland für eine einzelne Fotografie gezahlt worden ist (487.500 Euro).

László Moholy-Nagys unikates Photogramm von 1923/25 | Abb.: Grisebach
László Moholy-Nagys unikates Photogramm von 1923/25 | Abb.: Grisebach

So berauschend ging es dann am folgenden Tag, als mit Max Beckmanns Weiblicher Kopf im Grau und Blau (Die Ägypterin) von 1942 mit einem Endergebnis von 5,5 Millionen Euro zum teuersten Kunstwerk wurde, das in Deutschland jemals versteigert worden ist. Das geheimnisvolle Gemälde jener Frau, die Max Beckmann im Traum erschienen war, ist nun Teil einer Schweizer Privatsammlung.

Max Beckmanns geheimnisvolle Ägypterin von 1942 | Abb.: Grisebach
Max Beckmanns geheimnisvolle Ägypterin von 1942 | Abb.: Grisebach

Auch die Nachkriegskunst durfte sich 2018 über einen neuen Rekord freuen, nämlich jenen, der im November in der Auktionswoche des Dorotheums aufgestellt wurde. Integrazione Ovale (1958) von Carla Accardi wechselte für 295.800 Euro den Besitzer. Die Summe entspricht einem neuen Rekordpreis für die italienische Künstlerin, die Teil der Nachkriegsavantgarde und Gründungsmitglied der Gruppo Forma 1 gewesen war. 

Carla Accardi, Integrazione Ovale, 1958 | Abb.: Dorotheum
Carla Accardi, Integrazione Ovale, 1958 | Abb.: Dorotheum

Einen weiteren Weltrekord für eine Künstlerin gab es im Auktionshaus im Kinsky für Schneesturm von Norbertine Bresslern-Roth. Die österreichische Künstlerin gilt als bedeutendste Tiermalerin der Gegenwart. Ihr beeindruckendes Werk von 1971 erzielte Ende November 321.300 Euro.

Norbertine Bresslern-Roth, Schneesturm, 1971 | Abb.: Auktionshaus im Kinsky
Norbertine Bresslern-Roth, Schneesturm, 1971 | Abb.: Auktionshaus im Kinsky

 

Notizen aus dem Ausland

Neue Rekordpreise für Werke von deutschen oder österreichischen Künstlern wurden auch auf dem internationalen Auktionsmarkt erzielt. Mit einem Ergebnis von ca. 17,5 Millionen Euro gab es Ende Juni bei Sotheby's in London einen neuen Rekordpreis für den Expressionisten Franz Marc - Drei Pferde von 1912 hieß das begehrte Werk.

Franz Marc, Drei Pferde, 1912 | Abb.: Christie's
Franz Marc, Drei Pferde, 1912 | Abb.: Christie's

Ebenfalls bei Sotheby's, dieses Mal jedoch in New York, wurden Mitte November neue Rekorde für Oskar Kokoschka und Ludwig Meidner erzielt. Kokoschkas Portrait des Marquis Joseph de Montesquiou-Fezensac von 1910 war seinen Besitzern zur Zeit des Nationalsozialismus weggenommen worden und 1934 an ein Stockholmer Museum verkauft worden. Im September war es den Erben zurückgegeben worden, die es schließlich in New York für 20,4 Millionen USD (ca. 17,9 Millionen Euro) verkaufen konnten.

Oskar Kokoschka, Marquis Joseph de Montesquiou-Fezensac, 1910 | Abb.: Sotheby's
Oskar Kokoschka, Marquis Joseph de Montesquiou-Fezensac, 1910 | Abb.: Sotheby's

Auch für Apokalyptische Landschaft von Ludwig Meidner gab es in jener Auktion einen Preis, der dem neuen Rekordpreis des Künstlers entsprach. Der bisherige Rekordpreis Meidners hatte bis dahin bei 3,1 Millionen Euro gelegen. Seine beeindruckende Vorausahnung der 1912 unmittelbar bevorstehenden Apokalypse des 20. Jahrhunderts war einem Bieter schließlich 14,1 Millionen USD (ca. 12,4 Millionen Euro) wert.

Ludwig Meidner, Apokalyptische Landschaft, 1912 | Abb.: Sotheby's
Ludwig Meidner, Apokalyptische Landschaft, 1912 | Abb.: Sotheby's

Das waren nun einige der vielen Highlights, die der Auktionsmarkt in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz 2018 zu bieten hatte. Bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: Wir freuen uns auf das Auktionsjahr 2019 und sind gespannt, was es an Höhepunkten bringen wird!

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