Das Nähen von Hand ist eine uralte Praxis, die bis in die Steinzeit zurückreicht. Die ersten Nadeln wurden aus Tierknochen oder Horn hergestellt, die ersten Garne aus Tiersehnen. Zunächst wurde dieser Faden in einen Spalt am Ende der Nadel eingeklemmt, dann wurde das Öhr erfunden. Mit den Kenntnissen über die Gewinnung und Verarbeitung von Kupfer, Bronze und schließlich Eisen wurden auch Nähnadeln aus diesen Materialien hergestellt.
Die Erfindung der Nähmaschine ist ziemlich umstritten. Mehrere Personen meldeten ab Ende des 18. Jahrhunderts Mechanismen zum Patent an, die in der Lage waren, Nähte herzustellen. Der eigentliche Ursprung wird jedoch England zugeschrieben, das die Wiege der Industriellen Revolution war.

Der nach England ausgewanderte Deutsche Charles Fredrick Wiesenthal erhielt 1755 das erste britische Patent für ein mechanisches Gerät zur Unterstützung der Nähkunst. Das Patent bezog sich hauptsächlich auf seine Erfindung einer zweispitzigen Nadel mit Öhr, doch gibt es keine genaue Beschreibung der gesamten Maschine. 1790 entwarf der englische Erfinder Thomas Saint das erste vollständige Nähmaschinendesign, das für die Verwendung mit Leder und Segeltuch bestimmt war. Einige Jahre später, 1829, brachte der französische Schneider Barthélemy Thimonnier die erste wirklich praktische und weit verbreitete Maschine in Umlauf. Das Patent für seine Maschine wurde am 17. Juli 1830 erteilt und noch im selben Jahr wurde die erste maschinenbetriebene Bekleidungsfabrik der Welt eröffnet, in der Militäruniformen für die französische Armee hergestellt wurden.
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In Amerika wurde die erste erfolgreiche Nähmaschine 1834 von Walter Hunt gebaut. Doch er hatte kein Interesse daran, sie patentieren zu lassen, da er glaubte, seine Erfindung würde Arbeitslosigkeit und Unruhen nach sich ziehen würde. Erst 1846 erhielt Elias Howe das erste US-Patent für „ein Verfahren, bei dem Fäden aus zwei verschiedenen Quellen verwendet werden“.
Die erste Maschine, die die verschiedenen Innovationselemente des vorangegangenen halben Jahrhunderts vereinte, war die vom englischen Erfinder John Fisher aus dem Jahr 1844. Ähnliche Maschinen folgten etwas später von Elias Howe sowie 1851 von Isaac Merritt Singer. Da Fisher bei der Anmeldung seines Patents einen Fehler gemacht hatte, erhielt er nie die ihm gebührende Anerkennung für die erste moderne Nähmaschine. Stattdessen setzte sich Singer in diesem ersten echten „Patentkrieg“ durch.
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Nähmaschinen von Singer wurden bald zu den beliebtesten auf dem Markt und sind es im Grunde auch heute noch. Einer der Gründe für den Erfolg war die Einführung des Ratenkaufs von Isaac Merritt Singer, der meisterhaft darin war, seine Produkte zu bewerben. Die neue Zahlungsmethode ermöglichte es einer großen Anzahl von Menschen, sich eine Nähmaschine für den heimischen Gebrauch zu kaufen, wodurch effektiv mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden. In den 1860er Jahren begannen auch Nähkreise zu entstehen, in denen sich Frauen trafen, um sich über den Gebrauch ihrer Heimnähmaschine auszutauschen.
Die ältesten Nähmaschinenmodelle waren mechanisch und wurden von Hand durch eine am Schwungrad angebrachte Kurbel angetrieben. Die rechte Hand erzeugte die Bewegung der Nadel und der Spule und führte den Stoff weiter, während die linke Hand die Position und Richtung des letzteren kontrollierte. Später wurden die mechanischen Nähmaschinen dann mit einem Pedal betrieben. Dieser Fußantrieb war unterhalb des Tisches platziert und ermöglichte es beiden Händen sich um den Stoff zu kümmern. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dann elektrische Nähmaschinen eingeführt, die in der Folge ihren Siegeszug antraten.
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Nach der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Weiterentwicklung der Nähmaschine 1950 fortgesetzt, als die Schweizer Firma Elan eine leichtere und tragbare Variante auf den Markt brachte. Die wesentliche Veränderung bestand darin, dass der Maschinenkörper aus einer Leichtmetalllegierung bestand und nicht mehr aus dem bis dahin üblichen schweren Gusseisen. In den 1970er und 1980er Jahren entwickelten sich Nähmaschinen in Sachen Leistung und Aussehen zu dem, was wir heute kennen – natürlich mit Variationen, auch was die Leistung und die Kosten betraf.

Durch die Verringerung des Arbeitsaufwandes, die Beschleunigung der Vorgänge und die Reduzierung der Kosten hat die Nähmaschine auch zum Aufschwung der Prêt-à-porter-Industrie (Konfektionskleidung) beigetragen.
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Heute gehört der heimische Gebrauch einer Nähmaschine weitgehend der Vergangenheit an. Doch nimmt ihr Charme einen Ehrenplatz in den Herzen vieler Sammler ein, was ein gewisses Interesse auf dem Auktionsmarkt nach sich zieht. Um nachzuvollziehen wie viel eine bestimmte Nähmaschine wert ist, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden.

Zunächst wäre da das Alter zu nennen. Nähmaschinen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind von historischer Bedeutung, selten und daher meist immer wertvoll. Besonders beliebt sind die „Oldtimer“ unter den Nähmaschinen aus den 1940er und 1950er Jahren, da sie oft helle Retro-Farben aufweisen.
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Ein weiterer Wertindikator ist die Marke. Zu den beliebtesten Marken gehören die bereits erwähnte Singer, Willcox & Gibbs (ein Unternehmen, das ab dem 19. Jahrhundert produzierte), Wheeler & Wilson sowie White (nach Singer eine der meistverkauften in den Vereinigten Staaten).
Neben dem Alter und dem Fabrikat ist für einen Sammler der Zustand selbst sehr wichtig. Dellen, Fehlfunktionen, beschädigte Elemente, Rost usw. mindern natürlich den Wert des Objekts.

Beenden möchten wir den Artikel mit einer Kuriosität: Wussten Sie, dass der September in den USA der Nationale Monat der Nähmaschine ist? Eingeführt wurde er von Präsident Ronald Reagan im Jahr 1982, um dieses bedeutende Werkzeug zu ehren. Messen und Festlichkeiten finden dann statt, bei denen die Nähmaschine, die das Leben von vielen Frauen und Designern auf der ganzen Welt verändert hat, im Mittelpunkt steht.










