Seit der Jahrtausendwende erhält die moderne Kunst aus Indien die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Die wichtigsten Protagonistinnen und Protagonisten möchten wir Ihnen nun vorstellen.
1. Amrita Sher-Gil (1913-1941)

Amrita Sher-Gil, die als Begründerin der modernen indischen Kunst gilt, wurde in eine wohlhabende, kosmopolitische Familie geboren. Als Tochter des indischen Philosophen Umrao Sher-Gil und der ungarisch-jüdischen Opernsängerin Marie Antoinette Gottesmann wuchs sie gemeinsam mit ihrer um ein Jahr jüngeren Schwester Indira in Budapest und Shimla auf. Als Amrita 16 Jahre als war, zog die Familie nach Paris, um der kunstbegabten jungen Frau dort ein entsprechendes Studium zu ermöglichen. Obwohl Sher-Gil in Paris mit ihren kraftvollen Arbeiten schnell Anerkennung fand, zog es sie 1929 zurück nach Indien, wo sie sich in ihren Werken vor allem mit der Rolle der Frau feinfühlig auseinandersetzte. Als Amrita Sher-Gil 1941 im Alter von nur 28 Jahren unerwartet starb, hinterließ sie ein umfangreiches Werk, von dem ihre Familie einen Großteil dem indischen Staat überließ, der damit die National Gallery of Modern Art in Delhi begründete.
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2023 wurde ihr Gemälde The Story Teller (1937) bei SaffronArt in Neu-Delhi für 7,45 Million US-Dollar versteigert, was nicht nur einen Rekord für Amrita Sher-Gil, sondern für ein Werk eines indischen Künstlers insgesamt bedeutete.
2. Maqbool Fida Husain (1915-2011)

1947, dem Jahre der Unabhängigkeit Indiens, schlossen sich im heutigen Mumbai einige junge Künstler, die sich der Schaffung einer modernen indischen Malerei verschrieben hatten, zur Bombay Progressive Artists' Group (PAG) zusammen. Eines der sechs Gründungsmitglieder war Maqbool Fida Husain, der an der Sir J. J. School of Art in Mumbai studiert hatte. Ab den 1950er Jahren begannen seine Werke internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und eine Begegnung mit dem Regisseur Roberto Rossellini brachte ihn dazu, sich mit dem Thema Film zu beschäftigen. Nachdem in den 1990er Jahren einige seiner Werke, die hinduistische Gottheiten nackt zeigten, für einen Skandal gesorgt hatte, lebte Husain teilweise im Exil und starb 2011 in London.
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Husains Stil ist von der indischen Kultur inspiriert, die er mit Anklängen an den Kubismus, leuchtenden Farben und dynamischen Formen modern interpretierte. Im März 2025 wurde sein Werk Untitled (Gram Yatra) (1954) bei Christie’s in New York für 13,7 Millionen US-Dollar versteigert, was M. F. Husain zum aktuell teuersten indischen Künstler auf dem Auktionsmarkt macht.
3. Sayed Haider Raza (1922-2016)
Ein weiteres Gründungsmitglied der PAG war Sayed Haider Raza, der seine Leidenschaft für die Kunst im Alter von 12 Jahren entdeckte. Nach einer entsprechenden Ausbildung in Indien, ging er, mit einem Stipendium ausgestattet, 1950 nach Paris. In Frankreich sollte er den Großteil seines Lebens verbringen. Hatte Raza sich zunächst auf Landschaften konzentriert, erfolgte in den 1970er Jahren ein Wandel in Richtung geometrischer Abstraktion, die von seiner indischen Heimat inspiriert war. Im Zentrum dieser Arbeiten, stand das Bindu, jener Punkt der hinduistischen Lehre, der den Beginn der Schöpfung symbolisiert. Im Alter von fast 90 Jahren kehrte Raza nach Indien zurück, wo er 2016 in Neu-Delhi starb.
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Razas Rekordwerk auf dem Auktionsmarkt, Kallisté (1959), stammt aus einer Phase, in der er viel durch Europa reiste und seine Landschaftsmalerei der Hinwendung zur Abstraktion weichen musste. Verkauft wurde das Gemälde 2024 bei Sotheby’s New York für 5,6 Millionen US-Dollar.
4. Francis Newton Souza (1924-2002)

Mit Francis Newton Souza haben wir es mit einem weiteren Gründungsmitglied der PAG zu tun. Souza wuchs in Goa und Bombay auf, wo er an der Sir J. J. School of Art studierte. 1949 ging er nach London und konnte dort erste Erfolge als Künstler feiern. In den 1960er Jahren zog es ihn nach New York, wo er – sowie in Indien – bis zu seinem Tod lebte. Wiederkehrende Themen in Souzas Schaffen sind christlich-religiöse Themen, Akte und Figuren mit verzerrten Zügen, die er mit kräftigen Pinselstrichen, kräftigen Farben und oftmals schwarz umrandeten Flächen auf die Leinwand brachte. Dabei orientierte er sich sowohl an indischen Traditionen, als auch am westlichen Expressionismus und Primitivismus.
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2008 wurde sein Gemälde Birth (1955) mit den erzielten 2,5 Millionen US-Dollar zum bis dato teuersten Werk eines indischen Künstlers auf dem Auktionsmarkt. Souzas aktueller Rekord wurde im vergangenen Jahr bei Christie’s New York aufgestellt, als The Lovers (1960) für 4,9 Millionen US-Dollar einen neuen Besitzer fand.
5. Vasudeo S. Gaitonde (ca. 1924-2001)

2013 ging der Titel des bislang teuersten indischen Künstlers der Auktionsgeschichte an Vasudeo S. Gaitonde, als dessen Untitled (1979) bei Christie’s erster Auktion in Indien für 3,8 Millionen US-Dollar versteigert wurde – eine verdiente Würdigung jenes Künstlers, der bei seinem Tod 2001 weitgehend in Vergessenheit geraten war. Geboren um 1924, absolvierte Gaitonde ein Studium an der Sir J. J. School of Art und wurde 1950 in die PAG aufgenommen. Bereits in den 1950er Jahren begann sein internationaler Durchbruch, während die 1970er Jahre den Höhepunkt seines Schaffens in der gegenstandslosen Kunst, deren Pionier er in Indien war, markierten. Nach einem Unfall im Jahr 1984 sah sich Gaitonde gezwungen, sein künstlerisches Schaffen stark einzuschränken, 1998 verkündete er seinen Rückzug in den Ruhestand.
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Seinen eigenen Rekord von 2013 konnte Vasudeo S. Gaitonde in den darauffolgenden Jahren mehrfach überbieten. Der aktuelle Höchstpreis für eines seiner Werke wurde 2021 bei SaffronArt in Neu-Delhi für Untitled (1961) erzielt, für das für 5,5 Millionen US-Dollar gezahlt wurden.
6. Tyeb Mehta (1925-2009)

Tyeb Mehta war der erste zeitgenössische indische Künstler, dessen Werke auf dem Auktionsmarkt für mehr als 1 Million Dollar verkauft wurden und maßgeblich zum großen Aufschwung beitrugen, die die indische Moderne seit den 1990er Jahren erlebt – angefangen mit seinem Triptychon Celebration (1995), das 2002 bei Christie’s 317.500 US-Dollar erzielen konnte. Mehtas Werke, die von kontrastierenden Farben, fragmentierten Figuren und akzentuierenden Linien gekennzeichnet sind, widerspiegeln die Erfahrung des Künstlers mit entfesselter Gewalt, deren Zeuge er während der indischen Teilung 1947 wurde. Einfluss hatten auch seine Aufenthalte in London und New York.
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Ein wiederkehrendes Motiv in Mehtas Schaffen ist der Stier in Anlehnung an den hinduistischen Dämon Mahishasura. Auch in seinem aktuellen Rekordwerk steht ein Stier im Mittelpunkt: Trussed Bull (1956) wurde im April dieses Jahres für 7,2 Millionen US-Dollar bei SaffronArt in Mumbai versteigert.
7. Akbar Padamsee (1928-2020)
Akbar Padamsee zählt zu den faszinierendsten und vielfältigsten Künstlern, die die indische Moderne maßgeblich prägten. Er probierte nicht nur verschiedene Techniken der Malerei und der Druckgrafik aus, sondern war Fotokünstler, Filmemacher und sogar ein Pionier der Computerkunst. Erste Schritte als Künstler machte er an der Sir JJ School of Art und in der PAG, anschließend reiste er gemeinsam mit Sayed Haider Raza nach Paris, wo ihn vor allem der Fauvismus beeinflusste. Padamsee beschäftigte sich mit dem menschlichen Körper genauso wie mit Architekturformen und Landschaften, die er in Linie und Form auslotete.
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Die Versteigerung seines bislang teuersten Werks fand noch zu seinen Lebzeiten statt, als Greek Landscape (1960) aus seiner grauen Phase 2016 bei SaffronArt in Neu Delhi 2,9 Millionen US-Dollar erzielte.
8. Bhupen Khakhar (1934-2003)

Als einziger Künstler dieser Liste war Bhupen Khakhar Autodidakt. Er absolvierte ein Wirtschaftsstudium und arbeitete als Buchhalter, während er seiner künstlerischen Neigung in seiner Freizeit nachging. 1958 schloss er sich der Baroda Group an, einem Zusammenschluss von Künstlern an der Fakultät der Schönen Künste der Maharaja Sayajirao University of Baroda. Khakhar schuf Collagen und Ölgemälde, in denen er Alltägliches sowie Homosexualität – er selbst lebte offen homosexuell – thematisierte. Oft verglichen mit David Hockney, gilt Khakhar als Pionier der Pop Art in Indien. Seine Werke werden in Indien seit den 1960er Jahren, international seit den 1980er Jahren in Einzelausstellungen präsentiert.
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Bhupen Khakhar teuerstes Werk auf dem Auktionsmarkt, Two Men in Benares (1982), in dem er sich selbst als weißhaarigen Mann darstellte, wurde 2019 bei Sotheby’s in London für 2,54 Millionen US-Dollar versteigert.
9. Arpita Singh (*1937)

Auf den ersten Blick wirken sie naiv, doch zeichnen sich die farbenfrohen Bilder von Arpita Singh durch eine starke Art des Geschichtenerzählens auf mehreren Ebenen aus. Singh erschafft aus persönlichen, sozialen und politischen Ereignissen ein feines Gewebe mit der indischen Frau im Mittelpunkt. Beeinflusst wurde Singh durch ihre Arbeitsstelle an einer staatlichen Institution für den Erhalt indischer Textiltraditionen, die sie nach ihrem Kunststudium am Delhi Polytechnic (1954-59) annahm. Bereits während des Studiums waren es die deutschen Expressionisten, allen voran Paul Klee, die sie inspirierten. Arpita Singhs Arbeiten, für die sie bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, werden in aller Welt ausgestellt.
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Singhs aktueller Auktionsrekord stammt aus dem Jahr 2023, als im Auktionshaus Pundole’s in Mumbai ihr Gemälde Watching für 1,3 Millionen US-Dollar versteigert wurde.
10. Nasreen Mohamedi (1937-1990)
In einer Zeit, in der der figurativen Malerei der Vorzug gegeben wurde, beharrte Nasreen Mohamedi auf ihren minimalistischen Kompostionen aus Punkten und Strichen. Aufgewachsen in Karatschi (heute Pakistan) und Mumbai, studierte Mohamedi Kunst in London und Paris. Nach ihrer Rückkehr nach Indien, wurde sie Teil der dortigen Kunstszene, wobei V. S. Gaitonde und Tyeb Mehta ihre Mentoren wurden. Inspiration fand sie auch bei Künstlern wie Wassily Kandinsky und Kasimir Malewitsch sowie auf den zahlreichen Reisen, die sie unternahm. War es Mohamedi auch möglich, weiterhin zu malen und zu fotografieren, so machten sich die Folgen ihrer Erkrankung an Chorea Huntington zunehmend bemerkbar und führten schließlich zu ihrem Tod im Alter von nur 53 Jahren.
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Nasreen Mohamadis aktueller Auktionsrekord wurde im vergangenen Jahr bei Pundole’s in Mumbai aufgestellt, wo Untitled, das aus dem Besitz ihrer Familie stammte, für 1,3 Millionen US-Dollar versteigert wurde.
11. Manjit Bawa (1941-2008)

Es heißt, dass mehr gefälschte als echte Werke von Manjit Bawa auf dem Auktionsmarkt zu finden sind, was – wenn man denn etwas Positives an diesem Umstand finden möchte – für die Beliebtheit des Künstlers spricht. Nach seinem Kunststudium am College of Art in Neu-Delhi ging Bawa nach London, wo er sieben Jahre lang als Siebdrucker arbeitete. Seine Suche nach Motiven führten ihn zur hinduistischen Mythologie, deren Figuren er in leuchtenden Farben vor oft monochromen Hintergründen in seinem markanten Stil interpretiert, wobei seine Erfahrung im grafischen Bereich zum Tragen kommen.
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2022 knackte ein Gemälde Bawas bei Christie's New York erstmals die Millionenmarke bei einer internationalen Auktion. Eineinhalb Jahre später wurde Untitled (Shiva) (1995) bei Sotheby's London für 2,3 Millionen US-Dollar versteigert. Der aktuelle Rekord des Künstlers wurde 2023 im indischen Onlineauktionshaus AstaGuru erzielt, als Untitled (Krishna) (1992) für 3,01 Millionen US-Dollar unter den Hammer kam.
12. Anish Kapoor (*1954)

Manchmal als als indisch-britischer Künstler, britischer Künstler indischer Herkunft oder auch indischer Künstler bezeichnet, zählt der in Mumbai geborene Anish Kapoor zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart. Seit seinem Studium, u.a. am Chelsea College of Art and Design, lebt und arbeitet Kapoor in London. Kapoors Arbeiten sind in aller Welt zu finden, am bekanntesten ist jedoch sein verspiegeltes Cloud Gate (2006; auch „The Bean“ genannt) im Millennium Park in Chicago. Auch die ein oder andere Kontroverse zeichnet seinen Weg, darunter die Mixed Media-Skulptur Dirty Corner von 2011 oder auch jene Episode, in der er sich 2016 die exklusiven künstlerischen Nutzungsrechte an dem Farbpigment Vantablack sicherte.
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Der höchste Preis, der bislang auf dem Auktionsmarkt mit einem Werk Kapoors erzielt wurde, wurde 2008 bei Sotheby’s in London gezahlt, als die Alabasterskulptur Untitled (2003) für 3,9 Millionen US-Dollar einen neuen Besitzer fand.
12. Subodh Gupta (*1964)

Im Mittelpunkt des Schaffens des zeitgenössischen Künstlers Subodh Gupta stehen die typischen Klischees seines Heimatlandes, die er er in sowohl in Skulptur, Malerei und Fotografie, als auch Videokunst und Installationen aufgreift, wobei seine Schöpfungen aus Edelstahlgeschirr zu seinen bekanntesten Werke zählen (u.a. Very Hungry God, People Tree und Spill) und international ausgestellt werden. Gleiches gilt auch für Arbeiten wie Et tu, Duchamp?, eine Bronze, mit der er Marcel Duchamps Interpretation der Mona Lisa aufgriff, und das Monumentalwerk Gandhi's Three Monkeys.
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Auf dem Auktionsmarkt ist es ein Ölgemälde, das den aktuellen Rekord für ein Werk Subodh Guptas hält: 2008 wurde Saat Samundar Paar (2003; „Über die sieben Meere“) bei Christie’s in Hongkong für 1,2 Millionen US-Dollar verkauft. Subodh Gupta zählt zu den zehn erfolgreichsten lebenden Künstlern aus Asien.
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