Die Schreibmaschine ist neben dem Verbrennungsmotor, dem Film, dem Phonographen und dem Telefon eine der bedeutendsten Erfindungen des späten 19. Jahrhunderts. Obwohl es bereits im 18. Jahrhundert Experimente in Richtung Schreibmaschine gab, wurde die erste tatsächlich nutzbare Schreibmaschine erst im Juni 1868 von Christopher Latham Sholes, Carlos Gildden und Samuel Soule zum Patent angemeldet. Diese frühe Schreibmaschine lässt sich am besten als Holzgehäuse mit Klaviertasten beschreiben. Der Waffenhersteller Remington Arms Company aus New York, der nach dem Bürgerkrieg neue Betätigungsfelder suchte, nahm sich des Sholes-Prototyps an und verbesserte ihn, indem er die hölzerne Maschine in eine aus Gusseisen verwandelte.

Diese neue Maschine war wunderschön gefertigt und – typisch für die hochviktorianische Ära – mit aufgemalten Blumensträußen verziert und glich damit so mancher Nähmaschine oder Spieluhr jener Zeit. Die Produktion der Sholes & Glidden-Schreibmaschine begann 1873. Zwar konnte sie zunächst nur Großbuchstaben tippen, doch wurde bereits die QWERTY-Tastatur eingeführt, also der Industriestandard, den Tastaturen für den englischen Sprachraum auch heute noch verwenden. Wie es dazu kam, wird noch immer diskutiert. Eine Theorie besagt, dass es möglich sein sollte, das englische Wort für Schreibmaschine, typewriter, mit den Tasten der obersten Reihe zu tippen; möglicherweise eine clevere Marketingstrategie bei der Vorführung der Schreibmaschine vor potenziellen Kunden. Eine andere Vermutung ist, dass Sholes diese Verteilung der Buchstaben wählte, um mechanische Staus zu vermeiden. Die Belegung von zwei nebeneinanderliegenden Tasten für die häufig verwendeten Buchstaben E und R spricht allerdings gegen diese Theorie.

Die Schreibmaschine von Sholes & Glidden kostete 125 US-Dollar, eine enorme Summe, die ihre wenig begeisterte Aufnahme erklären könnte: Im ersten Jahr wurden nur 1000 Stück verkauft. Auch empfanden die Empfänger der getippten Nachrichten die Großbuchstaben als unpersönlich, ja sogar beleidigend. 1878 wurde das Problem gelöst, als die Remington 2 auf den Markt kam, die mit der Kleinschreibung der Buchstaben ausgestattet war – ein Wendepunkt für die revolutionäre Maschine. Mitte der 1890er Jahre gab es in Europa und Amerika dann auch bereits bis zu 60 Schreibmaschinenhersteller. 1881 wurde die erste Schreibmaschinenklasse an der YWCA (Young Women’s Christian Association) gegründet, was ein wichtiger Schritt für die Emanzipation der Frau war. Heute sind die Sholes & Glidden-Schreibmaschinen von Remington nicht nur wegen ihrer Seltenheit, sondern auch aufgrund ihrer historischen Bedeutung äußerst begehrt. 2019 wurde eine restaurierte Remington 1 bei Auction Team Breker in Köln für 35.000 Euro versteigert. Eine weiteres Exemplar, bei dem das Farbband und eine Typenträgerführung fehlte, wechselte für 29.000 Euro den Besitzer. Der Schätzpreis hatte bei 15.000-25.000 Euro gelegen.
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Für Sammler sind ihre Schreibmaschinen von großer Bedeutung. Zu den bemerkenswertesten Enthusiasten gehört Schauspieler Tom Hanks, der über 250 Schreibmaschinen besitzt – und zwar nicht nur, um sie anzusehen, er benutzt sie auch. Hanks ist zu einem Kenner geworden, der sich von der soliden Mechanik, dem taktile Erlebnis und dem evokativen „Klack“ des Tastendrucks hat bezaubern lassen. In California Typewriter, einem berührenden Dokumentarfilm von 2017, wird Hanks ganz lyrisch und schwärmt vom Klangunterschied zwischen einer zuverlässigen Smith Corona („weich gedämpft“) und einer Olympia („knackig solide“). Schon die Namen dieser alten Schreibmaschinen sind wie Poesie und die Markennamen rollen einem von der Zunge: Smith Corona Sterling, Skywriter, Clipper, Galaxy oder auch Super Silent.

Und dann gibt es da auch noch den Reiz einer interessanten Provenienz. Um den ersten Entwurf des James Bond-Romans Casino Royale zu feiern, gönnte sich Ian Fleming 1952 eine vergoldete Royal Quiet Deluxe Portable, die er bei einem New Yorker Händler für 174 Dollar kaufte. 1995 wurde eben diese Schreibmaschine bei Christie’s für 89.229 US-Dollar versteigert, damals ein Rekordpreis. Eingeführt worden war die erste Generation der Quiet Deluxe, die auch Ernest Hemingway bevorzugte, 1939 von der Royal Typewriter Company mit Sitz in Hartford, Connecticut. Ende der 1940er Jahre wurde das Modell mehrfach umgestaltet. Die vergoldete Version war nur auf Bestellung erhältlich und konnte auf Kundenwunsch mit einem Etikett mit dem eingravierten Namen des Besitzers ausgestattet werden. Obwohl selten, sind diese vergoldeten Quiets erschwinglicher, wenn sie ohne prominente Provenienz daherkommen. So wurde ein funktionierendes Exemplar in gutem Zustand im Juni 2020 bei Briggs Auctions Inc. für 3.400 US-Dollar verkauft. Wie bei jeder anderen Sammlerstück ist die Provenienz eben der Schlüssel: Die Olympic SM4 de Laxe von Schriftstellerin Daphne du Maurier erzielte 2019 bei Rowley’s Fine Art Auctioneers 5.000 GBP und die Olivetti-Schreibmaschine von Autor Cormac McCarthy wurde 2010 für phänomenale 254.500 US-Dollar verkauft.
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Es gibt jedoch auch Klassiker des Schreibmaschinendesigns, die überraschend erschwinglich sind. 1968 entwarf Ettore Sottsass gemeinsam mit dem britischen Designer Perry King die glamouröse tragbare Schreibmaschine Valentine, die 1970 mit dem Compasso d’Oro ausgezeichnet wurde und mit rotem, grünem, blauen oder weißen Gehäuse erhältlich war, wobei Rot am beliebtesten war. Die leuchtenden Farben waren innovativ und ein Gegenmittel zur Plackerei des Büroalltags, denn die Valentine war das iPad ihrer Zeit und dieser weit voraus. Das leichte und einfach zu tragende Gehäuse diente auch als Arbeitsfläche, die orangefarbenen Rollkappen waren von den Brustwarzen der Aktbilder von Tom Wesselmann inspiriert. Für Sottsass waren Form und Funktion nicht genug. Design sollte „sinnlich und aufregend“ und ein „begehrenswertes Konsumprodukt“ sein.
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1970 wurden Elizabeth Taylor und Richard Burton am Flughafen London Heathrow mit einer Valentine im Gepäck fotografiert, was das glamouröse Image der Schreibmaschine unterstrich, welches durch eine unternehmungslustige Marketingkampagne unter der Regie des Designers veranschaulicht wurde. Sottsass wollte seine Schreibmaschine als ein billiges Objekt, ja beinahe als Wegwerfprodukt bewerben, als „ein unprätentiöses Spielzeug …um an stillen Sonntagen auf dem Land Hobbydichtern Gesellschaft zu leisten oder als buntes Objekt auf dem Tisch in einer Einzimmerwohnung einen Hochgenuss zu bieten“. Der italienische Hersteller Olivetti hatte jedoch andere Pläne und das fertige Ergebnis wurde teuer verkauft, was den mangelnden kommerziellen Erfolg erklärt. Valentine-Schreibmaschinen werden regelmäßig bei Auktionen angeboten und erzielen trotz ihres kultigen Sammlerwerts nicht selten Preise von unter 100 US-Dollar – wobei Onlinehändler wesentlich mehr verlangen können.

Für Designliebhaber stellte Olivetti noch weitere auffällige Schreibmaschinen her. Die Graphika (1957-59) verfügte über ein kurviges italienisches Design und wurde nur in einer Farbe angeboten, ein subtiles Pistaziengrün. Wählen konnte man jedoch ab 1958 zwischen zwei verschiedenen Schriftarten: Reiner, die vom ungarischen Grafikdesigner Imre Reiner entworfen wurde, und Cassandre von Adolphe Jean-Marie Mouron. Ein weiterer Klassiker von Olivetti, die Lettera 22, wurde in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen. Diese 1949 von Marcello Nizzoli entworfene Schreibmaschine war kompakt und tragbar, mit besonders ansprechenden ergonomischen Rundungen.
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Eine bedeutende Entwicklung war die Selectric-Schreibmaschine von IBM, die 1961 eingeführt wurde und über einen rotierenden „Golfball“ verfügte, der sich in die entsprechende Position drehte, bevor er mit dem gewählten Buchstaben das Papier traf. Der Ball war austauschbar, sodass man zwischen verschiedenen Schriftarten wählen konnte. In den 1980er Jahren dominierte die Selectric den Markt und wurde zu einem festen Bestandteil des Bürolebens. Doch waren die Tage der Schreibmaschine bereits gezählt. Durch die Entwicklung des Mikrochips wurden Schreibmaschinen unweigerlich durch Textverarbeitungsprogramme und dann durch den Personal Computer ersetzt.

Das indische Unternehmen Godrej and Boyce, der letzte Schreibmaschinenhersteller der Welt, schloss 2011 endgültig seine Pforten. Doch ist die Geschichte der Schreibmaschine damit noch nicht zu Ende, denn ihre mechanische Beständigkeit übt einen anhaltenden Reiz auf die heutige Wegwerfgesellschaft aus. Der „Auferstehung der Schreibmaschinen“ ist in vollem Gange: eine blühende Subkultur, die sich zum gedruckten Wort hingezogen fühlt und sich damit bewusst von digitalen Daten und unserem unmenschlichen Leben im Internet abwendet. Für Enthusiasten wäre ein Leben ohne Schreibmaschine geradezu unerträglich, womit sie das Analoge am Leben halten. Es lebe die Schreibmaschinenrevolution!
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