Nachdem jahrhundertelang die niederländische, spanische und französische Malerei dominiert hatte, erlebte die italienische Malerei im 20. Jahrhundert ihre ganz persönliche Renaissance: Sie modernisierte sich und zeichnete sich vor allem durch ihre große Diversität aus, die einige der wichtigsten Bewegungen der modernen Kunst hervorbrachte, darunter Futurismus, Arte Povera oder die metaphysische Malerei.
Der Katalog zur kommenden Auktion von Cambi Casa d'Aste umfasst einige dieser innovativen Künstler, die für die Entwicklung der italienischen Kunstszene entscheidend waren. Dadurch haben wir nun die Gelegenheit, uns einige dieser großen Strömungen des vergangenen Jahrhunderts einmal genauer anzusehen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Mailand zum Schmelztiegel des Futurismus, einer künstlerischen Bewegung, die die Dynamik und Spannung des modernen Lebens feierte. Begründet wurde der Futurismus, der auch Literatur, Tanz und Musik berührte, 1909 vom Schriftsteller und Aktivisten Filippo Tommaso Marinetti. Einen bedeutenden Einfluss auf den Futurismus hatten der Divisionismus des vorangegangenen Jahrhunderts und der Kubismus.
Dies wird auch am Beispiel Enrico Prampolini deutlich, ein Künstler mit revolutionären Ideen, der bis in die 1920er Jahre hinein zur Verbreitung des Futurismus in Italien beitrug. Um die Dynamik der Strömung in den Dienst der Dekompartimentierung von Disziplinen zu stellen, veröffentlichte er mehrere Manifeste, interessierte sich für die darstellenden Künste und entwickelt die Idee einer Show, die als abstrakte Bühne konzipiert ist, in der menschliche Repräsentation und Handeln ausgeschlossen sind.

Die metaphysische Malerei ist eine Kunstbewegung, die 1917 von Carlo Carrà und Giorgio de Chirico als Gegenbewegung zum Futurismus ins Leben gerufen wurde. Diese Strömung zielt darauf ab, das darzustellen, was es jenseits der physischen Erscheinung der Realität und jenseits der Erfahrung der Sinne gibt, insbesondere dank traumhafter Themen und rätselhafter Atmosphären, aber immer mit konventionellen Techniken.

Zu den Gründern gesellten sich Anfang der 1920er Jahre Maler wie Alberto Savinio, Filippo De Pisis oder Giorgio Morandi hinzu. Letzterer, der Carrà und Giorgio de Chirico 1919 kennenlernte, trat kurz in die metaphysische Schule ein und nahm um die Wende der 1920er Jahre an den Gruppenausstellungen teil. Morandi ist vor allem für seine Stillleben bekannt, die sorgfältig geordnete Objekte auf einem Tisch darstellen, die erst von Leinwand zu Leinwand identifizierbar sind.
Auf den ersten Blick mögen seine Werke verschwommen erscheinen, aber bei genauerem Hinsehen erkennt man eine überraschende Formel der Farbgebung mit einer besonderen Note. Es dauerte jedoch nicht lange, und Morandi schloss sich der 1922 gegründeten Novecento-Bewegung an und nahm an deren Ausstellungen in Mailand teil.

Das Novecento entstand in der Zwischenkriegszeit und zeichnete sich durch eine Rückkehr zur klassischen und akademischen Malerei aus. Für seine Vertreter waren Verweise auf die Antike, die Reinheit der Formen und die Harmonie der Komposition von höchster Bedeutung: "Wir wollen reine italienische Kunst, inspiriert von reinen Quellen, frei von allen wichtigen 'Ismen', die sie verzerren."
Das Novecento kann also als Ablehnung der avantgardistischen Moderne und damit als Versuch betrachtet werden, sich mit der historischen Malerei zu verbinden. Neben Giorgio de Chirico, der der metaphysischen Malerei den Rücken gekehrt hatte, Fortunato Depero und Mario Sironi hatte sich vor allem Ubaldo Oppi am leidenschaftlichsten dem Novecento verschrieben (manche betrachten ihn als einen der Begründer der Bewegung). Nach weniger als drei Jahren nach Gründung der Bewegung widmete sich Oppi fast ausschließlich religiösen Themen und wurde Freskenmaler, eine Disziplin, die ihn mit den großen Malern der Kunstgeschichte verband. Das Novecento verschwand 1943 wieder von der Bildfläche.

Von 1946 bis 1950 eroberte die Fronte Nuovo delle Arti als Teil des Postkubismus die venezianische Kunstszene. Die Bewegung wurde im Oktober 1946 durch ein von Giuseppe Marchiori veröffentlichten Manifest gegründet und hatte zum Ziel "Carrachirico" (als Carrà und Chirico bzw. die metaphysische Malerei), aber auch das Novecento zu bekämpfen. Zu dieser "neuen Front" im Spiegel der künstlerischen Entwicklung auf europäischer Ebene gesellte sich insbesondere Giuseppe Santomaso, einer der Gründer der berühmten Gruppo degli Otto ("Gruppe der Acht").
Santomasos Arbeiten basieren auf der Balance von Farben und Formen und überlassen nichts dem Zufall. Mit einer starken Bindung an die künstlerische Vergangenheit Venedigs ging der Künstler über das internationale Informel hinaus, hat das traditionelle Konzept der Malerei jedoch beibehalten.

Das 1948 von Atanasio Soldati in Mailand gegründete Movimento per l'arte concreta war eine künstlerische Bewegung zur Förderung nichtfigurativer Kunst, insbesondere einer Art geometrischer Abstraktion. Der Name der Strömung griff das Konzept des in den 1930er Jahren bereits von Kandinsky und Van Doesburg eingeführten Begriffs "konkret" auf. Die klaren, linearen Formen lassen auf ein Interesse am Futurismus schließen. Das Movimento per l'arte concreta löste sich 1958 nach zehnjährigem Bestehen auf.

In den 1960er Jahren eroberte die Arte Povera Turin, Mailand, Rom, Genf, Venedig und Neapel. Die Vertreter dieser Bewegung fordern eine Rückkehr zu "schlechten" Materialien, zu einfachen und alltäglichen Dingen. Mit schlichten Produkten wie Sand, Holz, Erde oder abgenutzter Kleidung prangern Künstler die Konsumgesellschaft und den kommerziellen Aspekt der Kultur an.
Alighiero Boetti war einer der repräsentativsten bildenden Künstler dieser Bewegung und hat sich vor allem durch seine Serie gestickter Weltkarten mit dem Titel Mappa hervorgetan. Boetti interessierte sich für das Verhältnis von Zufall und Ordnung, für die verschiedenen Klassifikationssysteme, aber auch für nicht-westliche kulturelle Traditionen und Praktiken, die von seinen Reisen nach Afghanistan und Pakistan, wo er seine Werke von ortsansässigen Frauen ausführen ließ, beeinflusst wurden.
Am 18. Dezember präsentiert Cambi Casa d'Aste für seine Auktion mit Moderner und Zeitgenössischer Kunst einen 110 Lose umfassenden Katalog mit den bedeutendsten Vertretern der italienischen Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Alle weiteren Informationen zu diesem Event finden Sie auf der Website des Auktionshauses.
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