Geschichte
Die Villa Necchi Campiglio ist eine historische Residenz und ein Museum, das seit 2008 dem Kreis der Case Museo di Milano („Museumshäuser von Mailand“) angehört. Als einer von Mailands verborgenen Schätzen stellt das Haus eine wundervoll vollendetes und luxuriöses Beispiel für die italienische Zwischenkriegsarchitektur dar. Umgeben von einem imposanten Garten, gehören dem Haus auch ein Tennisplatz und Mailands erster beheizter Privatpool an. Errichtet wurde die Villa zwischen 1932 und 1935 vom Mailänder Architekten Piero Portaluppi im Auftrag der lombardischen Industriellenfamilie Necchi Campiglio. Später erfolgten Renovierungen von Tomaso Buzzi. Mit dem Bau der Villa hielt der Rationalismus Einzug in die italienische Architektur.
Die Wahl des Standortes der Villa Necchi Campiglio, die heute eine Art Landhaus inmitten der geschäftigen Mailänder Innenstadt darstellt, war kein Zufall. Im späten 19. Jahrhundert bestand das Gebiet unweit des Stadtzentrums hauptsächlich aus Gärten. Als die Necchi-Schwestern und der Ehemann einer der beiden, Angelo Campiglio, aus Pavia nach Mailand zogen, suchten sie nach einem Anwesen, in dem sie ihren gleichermaßen großen wie auch elitären Freundeskreis empfangen konnten. Gigina (1901-2001) und Nidda Necchi (1900-1993) hatten das Vermögen ihres Bruders, dem die bekannte Nähmaschinen-Firma Necchi gehört hatte) und die Eisengießerei ihres Vaters geerbt. Nach seiner Hochzeit mit Gigina hatte Angelo Campiglio (1891-1984) angefangen, in der Gießerei zu arbeiten.
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Um 1930 war das Grundstück gekauft und die Pläne für das künftige Haus wurden Piero Portaluppi, einem der berühmtesten italienischen Architekten jener Zeit, anvertraut. Umgesetzt wurden Portaluppis Pläne wurden zwischen 1932 und 1935 von der Firma Gondola. Portaluppis Auftrag lautete, die Villa als ein Gesamtkunstwerk zu kreieren, das sowohl den Lifestyle der Mailänder Highsociety als auch die modernen Trends der Epoche (italiensicher Rationalismus, faschistische Architektur und Art déco) widerspiegeln sollte.
Alle Details der Villa wurden von Portaluppi persönlich entworfen, von den Türgriffen bis zu den Fensterrahmen. Das Haus sollte sowohl elegant als auch praktisch sein, mit einem modernen Stil und einer ebensolchen Ausstattung: Schiebetüren, elektrische Rolläden, ein Personen- und ein Speiseaufzug sowie eine teuere Gegensprechanlage für das Hauspersonal.
Während des Zweiten Weltkriegs floh die Familie nach Barasso bei Varese. Das Haus wurde konfisziert und zur Residenz und zum Hauptquartier des faschistischen Staatsmannes Alessandro Pavolini. Nach dem Zusammenbruch der Italienischen Sozialrepublik, ein norditalienischer Satellitenstaat unter deutscher Militärprotektion, ging das Haus zunächst an die Engländer, bevor es in das Domizil des niederländischen Konsuls umfunktioniert wurde. In den frühen 1950er Jahren kehrte die Familie Necchi Campiglio nach Mailand zurück und bemühte sich um die Rückgabe ihres einstigen Wohnsitzes.
Während der Instandsetzung des Hauses, entschieden seine Besitzer, den Einrichtungsstil so zu verändern, dass er mehr den italienischen Palazzi des 18. Jahrhunderts entsprach. Der Architekt Tomaso Buzzi (bekannt für seinen Konzeption der Villa Volpi) erhielt den Auftrag, die Fassade neu zu gestalten und einigen Räumen ein weicheres und ornamentaleres Dekor zu verleihen, als jenes, das von Portaluppi geschaffen worden war.
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1984 starb Angelo Campiglio. 1993 folgte Nedda Necchi und 2001 schließlich deren Schwester Gigina. Da es keine Nachkommen gab, erbte der Fondo Ambiente Italiano (FAI), dessen Aufgaben die Denkmalpflege und der Umweltschutz sind, die Villa, die anschließend unter der Leitung von Architekt Angelo Castellini renoviert wurde. Das Projekt nahm drei Jahre in Anspruch und kostete 6 Millionen Euro. Im Mai 2008 wurde das Haus schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich.
Status

Aufgrund seines Status’ und seiner unabhängigen Errichtung durch eine einzelne Familie hebt sich die Villa Necchi Campiglio von den anderen Case Museo di Milano, wie dem Poldi Pezzoli Museum, dem Bagatti Valsecchi Museum und dem Boschi Di Stefano Museum (ein weiterer Entwurf Portaluppis) ab.
Die Villa steht im historischen Stadtteil Monforte, nur wenige Gehminuten von Mailänder Dom entfernt, und beherrscht eine als „Block der Stille“ bezeichnete Nachbarschaft, die bekannt ist für ihre vielen aristokratischen Residenzen. Die Villa selbst steht nahe an der Straße, doch schirmen hohe Mauern Bewohner und Gäste von deren Lärm ab und sorgen für Ruhe und Privatsphäre. Am Eingangstor steht ein kleines Gebäude, das die Wohnung des Portiers und die Garage beherbergt und das mit der Villa durch eine unterirdische Passage verbunden ist.
Mit seinem Tennisplatz und Swimmingpool verfügt das Haus über Annehmlichkeiten, wie sie sonst nur auf Landsitzen zu finden sind. Heute befinden sich ein Café und ein weiterer, mit einer Glaskuppel überdachter Tennisplatz im Garten. Letzterer war eine Spende von Giorgio Armani im Jahr 2015.

Die Außengestaltung des Gebäudes ist typisch für den strengen Stil des aufkommenden Rationalismus, wobei jedes Stockwerk mit einem anderen Material (Granit oder Marmor) und einer anderen Farbe verkleidet wurde, während das Interieur den Elementen des Art déco charakterisiert ist. Die Eingangstür aus Glas und Eisen führt direkt ins Atrium.
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Darauf ausgelegt, Besucher zu empfangen, sah die Villa Necchi Campiglio zu ihren Hochzeiten viele Illustre Gäste über ihre Schwelle schreiten, darunter Prinzessin Marie-Gabrielle von Savoyen, die Viscontis und das Königspaar von Spanien.
Untergeschoss

Im Untergeschoss waren hauptsächlich Wirtschafts- und Personalräume untergebracht, aber auch ein Billardzimmer. In einem der Räume befindet sich heute eine ständige Fotoausstellung zur Geschichte der Villa.
Mezzanin

Der Haupteingang führt direkt in das mit Walnuss- und Palisander ausgekleidete Atrium, dessen Aufgabe darin besteht, mit Pracht und Opulenz zu beeindrucken. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die elegant gekleideten Gäste der Necchi Campiglios darin vorzustellen. Auf der linken Seite befindet sich die Bibliothek, die mit ihrer stuckverzierten Decke und den eingebauten Bücherregalen aus Palisander ein viel intimeres Flair verbreitet. Spieltische von Gulemigo Ulrich legen jedoch nahe, dass die Gäste hier noch etwas anderes als stille Reflexion erleben konnten. Gegenüber der Bibliothek befindet sich jener Ort des Hauses, der für Instagram wie geschaffen ist: die verglaste Veranda, die mit ihren hohen Fenstern einen wunderschönen Ausblick in den Garten gewährt und über einen Boden aus grünem Marmor verfügt.
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Das von Tomaso Buzzi neugestaltete Wohnzimmer ist mit seinem reichen und ornamentalen Stil vom 18. Jahrhundert inspiriert. Auf der rechten Seite des Atriums kommt man in den Rauchsalon, der ebenfalls von Buzzi neugestaltet wurde und von einem großen Kamin im Stil der Renaissance akzentuiert wird. Dem Rauchsalon angeschlossen ist das Esszimmer mit seinen mit Pergament verkleideten Wänden und der mit astrologischen Motiven dekorierten Stuckdecke. Auch hier findet man Buzzi Touch, denn an den Wänden hängen flämische Tapisserien aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Vom Atrium aus gelangt man rechter Hand auch in der Arbeitszimmer von Angelo Campiglio, das von einem mechanischen Schreibtisch des toskanischen Möbeltischlers Giovanni Socci dominiert wird.
Erste Etage

Eine große Marmortreppe, die von Balustrade im griechischen Stil begleitet wird führt vom Atrium aus in den ersten Stock. Hier befinden sich auf jeder Seite eines Korridors mit Tonnengewölbe zwei symmetrisch angeordnete Mastersuiten. Ganze Wände einnehmende Einbauschränke zeugen von der Leidenschaft der Necchi-Schwestern für Mode. Ganz erstaunlich ist die Sammlung maßgeschneiderter Modelle von Gucci, Dior und Hermès.
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Vom zentralen Flur gehen zwei jeweils mit einem Bad ausgestattete Gästezimmer ab. Das kleinere wird auch Prinzenzimmer genannt nach jener Person, die häufig in ihm übernachtete: Prinz Heinrich von Hessen-Kassel. Das zweite, in der Nordwest-Ecke des Gebäudes gelegene Zimmer wird Prinzessinnenzimmer genannt, nach Prinzessin Maria Gabriella von Savoyen. Heute befindet sich dort die Micheli-Sammlung. Neben dem Prinzessinnenzimmer befinden sich eine Garderobe und ein Bügelzimmer, die dem einzigen Diener, der sich, gemäß der damaligen Gepflogenheiten, auf dieser Etage aufhalten durfte.
Sammlungen

Selbst ein signifikantes Kunstwerk, ist die Villa angefüllt mir zahllosen Gemälden, Skulpturen, Möbeln und anderen kostbaren Gegenständen. Die Sammlung wurde größtenteils von der Familie Necchi Campiglio zusammengetragen und teilweise dem FAI überlassen, der sie in der Villa ausstellt. Zu den Spenden an den FAI gehören die Sammlung Claudia Gian Ferrari mit Kunst des frühen 20. Jahrhunderts sowie die Sammlung von Alighiero und Emilietta De Micheli mit Kunst und Kunstobjekten des 18. Jahrhunderts. Das bemerkenswerteste Stück der Sammlung ist die Skulptur L’Amante Morta von Arturo Matini, die am Fuß der großen Treppe aufgestellt wurde.
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Die Sammlung Nedda Necchis mit Kunst des 20. Jahrhunderts (Jean Arp, Gianni Dova, Lucio Fontana, Roberto Crippa, Mario Sironi, René Magritte u.a.) war aufgelöst worden, als sie sich dazu entschlossen hatte, das Institut des mit ihr befreundeten Umberto Veronesi zu unterstützen. Behalten hatte sie allerdings das einzig existierende Werk des Malers Giuseppe Amisani, Il Cardinale Richelieu, das in ihrem Schlafzimmer aufgehängt wurde.
Die Sammlung Claudia Gian Ferrari
Die von der Galeristin und Kunstsammlerin Claudia Gian Ferrari dauerhaft dem FAI überlassene Sammlung umfasst 44 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen italienischer Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, darunter Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Carlo Carrà (Stillleben mit Büchern), Giorgio de Chirico (Oreste e Elettra, Porträt des Alfredo Casella), Filippo de Pisis (Stillleben mit einem Hasen), Arturo Martini (Der tote Liebhaber, Busto di fanciulla), Giorgio Morandi (Stillleben, Zwei Proben), Mario Sironi (Die Schäferfamilie) und Adolfo Wildt (Der reine Narr). Alle Gemälde befinden sich in den Räumen des Mezzanins.
Die Sammlung Alighiero und Emilietta De Micheli

Die Sammlung des Textilindustriellen und Bankiers Alighiero De Micheli (1904-1995) umfasst über 130 Meisterwerke des 18. Jahrhunderts, darunter Gemälde (Canaletto, Tiepolo und Rosalba Carriera), französische Möbel, lombardische Keramik, chinesisches Porzellan und seltene Miniaturen von Jean-Baptiste Isabey. Die Sammlung wird im Prinzessinnenzimmer ausgestellt, kuratiert von Architekten Filippo Perego, was den Geschmack der einstigen Besitzer des Hauses reflektiert.
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Drehort
2009 diente die Villa als Kulisse für den von der Kritik gelobten Film I Am Love von Luca Guadagnino. Der Regisseur sagte, ihn habe die „zurückhaltenden Sensibilität“ der Villa angezogen und bestätigte, dass „sie von der Besessenheit der Mailänder Bourgeoisie bezüglich Perfektion und Details zeuge“.
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Artikel von Noor de Falco









