Kaum ist die Classic Week erfolgreich beendet, wendet sich das Wiener Dorotheum seinem nächsten Großereignis in diesem Auktionsherbst zu: Die Contemporary Week, während der vom 24. bis 30. November Werke der Klassischen Moderne und von zeitgenössischen Künstlern ersteigert werden dürfen.

Die Katalog der Klassischen Moderne, dessen Lose am 24. November ab 16 Uhr zum Aufruf kommen, wird von Chaim Soutines La Femme en rouge au fond bleu ("Dame in Rot mit blauem Hintergrund“) angeführt, das mit einem siebenstelligen Schätzpreis angeboten wird. Das um 1928 entstandene Bildnis ist ein schönes Bespiel für die psychologische Porträtmalerei, die der Expressionist Soutine in jener Dekade perfektionierte: Während die Dargestellte selbst ruhig wiedergegeben ist, wird ihre aufgewühlten Emotionen durch den unruhigen und mit dicken Pinselstrichen aufgetragenen Hintergrund verdeutlicht.

Wie Chaim Soutine entstammte auch Marc Chagall einer weißrussisch-jüdischen Familie und ging, um Künstler zu werden, nach Paris. 1964 malte er die Gouache Les Paysans ("Die Bauern"), die von seiner Jugend im ländlichen Weißrussland inspiriert war. Chagall nahm immer wieder Bezug auf die Erfahrungen und Eindrücke, die er in seiner Heimat gesammelt hatte.

Die italienische Stadt und Piazza sind wiederkehrende Motive in Giorgio de Chiricos Œuvre. In den späten 1940er Jahren griff er zudem mit dem vorliegenden Piazza d’Italia seine bedeutende metaphysische Ariadne-Serie von 1912/13 auf. Eines dieser Gemälde stellte gerade erst einen neuen Auktionsrekord für den Künstler auf.

Ein weiteres Highlight der Offerte stellt eine frühe Arbeit von Gustav Klimt von 1886 dar. Der damals erst 24-jährige Maler hatte gemeinsam mit seinem Bruder Ernst und dem Kollegen Franz Matsch den Auftrag zur Gestaltung der Decken der Stiegenhäuser im neuen Burgtheater erhalten. Für das südliche Stiegenhaus entwarf Klimt eine Darstellung des von zwei Dienerinnen begleiteten Dionysos.

Auch Oskar Kokoschkas Temperagemälde Amor und Psyche war ursprünglich als Teil eines Deckengemäldes gedacht gewesen, das der österreichische Maler 1955 für ein Privathaus in London entwarf. Das Bild diente stattdessen als Vorlage für einen Wandteppich, der über dem Schreibtisch Kokoschkas hing.

Ebenfalls hervorzuheben ist ein Frühwerk von Alfons Walde, in dem der junge Maler in naiv-abstrahierender Manier ein Motiv aus Kitzbühel, das ihm Wohnort und Hauptinspirationsquelle war, in Öl und Tempera festhielt.
Nicht nur der Katalog der Klassischen Moderne glänzt mit hochrangigen Namen – die Offerte mit Zeitgenössischer Kunst, die am 25. und 26. November jeweils ab 16 Uhr zum Aufruf kommt, kann da in jeder Hinsicht mithalten.

Fangen wir hier sozusagen oben an, nämlich mit Günther Ueckers Nagelskulptur Kopf von 1955. Die Büste stellt Ueckers Schwester Rotraut dar, die ihrem Bruder in jenem Jahr aus der DDR in die Bundesrepublik gefolgt war.

1952 begann Arnulf Rainer damit, eigene Werke, die von anderen oder Fotografien zu übermalen. Dieser Prozess fand und findet mitunter in mehreren Etappen statt, die zur Vervollkommnung des jeweiligen Werkes führen sollen. Wie die Datierung des vorliegenden Gemäldes verrät, nahm sich Rainer seiner 1966, 1973 und 1975 an.

Auch Lucio Fonatana ist unter den zeitgenössischen Meistern wieder anzutreffen, u. a. mit einem seiner die Zweidimensionalität der Leinwand durchbrechenden Concetto Spaziale-Werken.

Für ihre Projekte führten Christo und Jeanne-Claude immer eine Vielzahl vorbereitender Studien aus, die heute auf dem Auktionsmarkt sehr begehrt sind, sind sie doch die einzigen von Hand der Künstler angefertigten Zeugen ihrer vergänglichen Werke. Die vorliegende Studie von Christo war Teil des The Umbrellas-Projekts, das in Japan und den USA zusehen gewesen war.

In seinem Spätwerk wagte es Pop Art-Ikone Roy Lichtenstein etwas freizügiger zu sein. Tatsächlich wandte er sich mit der Nudes-Serie zum ersten Mal dem Thema "Akt" zu. Seinem an Comics angelehnten Stil blieb er aber treu.

Auch ein Meister der Kinetischen Kunst ist in der Auktion vertreten: Der im vergangenen Jahr in Paris verstorbene venezolanische Künstler Carlos Cruz-Diez. Die 2007 entstandene Arbeit Physichromie 1498, die den Blick des Betrachters zu erwidern scheint, ist Teil der Werkreihe der Physichromien, denen sich Cruz-Diez erstmals 1959 zugewandt hatte.
Ergänzt werden die Kunstauktionen durch die Versteigerung von Armband- und Taschenuhren (27. November, 13 Uhr) und Juwelen 30. November, 16 Uhr). Die Auktionen finden im Palais Dorotheum in Wien statt. Dort können alle Lose der Contemporary Week ab dem 19. November besichtigt werden.



