[Ich habe] das Gute, das Schlechte und das Hässliche [gesehen] – und schließlich gelernt, den Unterschied zu erkennen.
Auch wenn mir diese Ehre damals noch nicht wirklich bewusste war, hatte ich doch das große Privileg, einige Jahre bei einem der großen internationalen Auktionshäuser arbeiten zu dürfen. Während meiner Zeit bei Sotheby’s in der Londoner Bond Street habe ich einige bedeutende chinesische Kunstwerke und Porzellane unter die Lupe nehmen dürfen. Stücke, die nicht nur Museumsqualität besaßen, sondern auch aus dem ehemaligen Besitz von Kaisern stammten und von Königen und Königinnen geschätzt worden waren. Ich durfte über diese Dinge mit weltweit angesehen Experten diskutieren und die schiere Menge an Objekten, die zur Begutachtung durch die Türen kamen, hat dafür gesorgt, dass ich das Gute, das Schlechte und das Hässliche sah – und ich schließlich lernte, den Unterschied zu erkennen.
Diese außergewöhnliche Ausbildung hatte nur einen negativen Aspekt und das war die Aneignung eines ziemlich teueren Geschmacks auf persönlicher Ebene. Anfang der 2000er Jahre galt es im Auktionshaus als zu teuer, Dinge im Wert von weniger als 1.000 GBP zu bearbeiten, eine Summe, die immerhin ungefähr der Monatsmiete für ein Zimmer in Pendlerentfernung von London entspricht.
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Nach Einger Auszeit, um eine Familie zu Gründen, bin ich 2007 als Freiberuflerin im Bereich Beratung und Handel wieder in den Beruf eingestiegen. Der Grat zwischen Sammeln und Handeln ist oft sehr schmal und ich habe das Glück, mit jemandem verheiratet zu sein, der Verständnis dafür hat. Am Anfang war es seltsam, plötzlich als Käufer auf der anderen Seite des Podiums zu stehen und man macht sich oft Sorgen, für etwas zu viel zu bezahlen, oder kommt sich dumm vor, wenn man nicht hoch genug geboten hat.
Der Auktionsmarkt verändert sich ständig und da mittlerweile immer mehr Verkäufe online stattfinden, kann das Erlebnis überwältigend sein. Hier mit meine Ratschläge an alle, die mit dem Sammeln von chinesischem Porzellan beginnen wollen.
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Entdecken Sie historische Sammlungen
Schulen Sie ihr Auge, indem Sie gute Museen besuchen. In Großbritannien verfügt das British Museum über wunderschöne Sammlungen und beherbergt auch die Sir Percival David Foundation. Schauen Sie sich die Sammlungen genau an, vor allem die Objekte, die Sie am meisten ansprechen. Auch das Victoria and Albert Museum hat eine ausgezeichnete Sammlung. Auf regionaler Ebene sind noch das Ashmolean Museum in Oxford, das Fitzwilliam in Cambridge und das Asian Art Museum in Bath zu nennen.
Nehmen Sie die Dinge in die Hand
Auch Besuche der Ausstellungen großer Auktionshäuser wie Sotheby’s, Christie’s und Bonhams sind lohnenswert. Oft können Sie bei diesen Gelegenheiten darum bitten, Objekte einmal in die Hand nehmen zu dürfen. Das ist wichtig, um ein Gespür für das Gewicht eines Gegenstandes zu bekommen. Werfen Sie auch einen Blick auf Details wie die unglasierten Fußpartien eines Porzellanobjekts oder die Politur der Glasur.

Stellen Sie sich Fragen bezüglich Handarbeit und Authentizität. Wurde das Dekor wirklich von Hand gemalt? Erfolgte die Politur vielleicht maschinell? Sehen die Abnutzungen realistisch aus oder wurden sie gefälscht? Um nicht den Überblick zu verlieren, sollten Sie diese Kriterien zunächst vor allem auf die Objekte anwenden, für die Sie sich am meisten interessieren. Experten können Ihnen dabei helfen, die entsprechende Literatur zu finden. Bücher dieser Art sind oft Teil der speziellen Auktionen. Lernen Sie die Spezialisten der Auktionshäuser kennen und zögern Sie nicht, diesen auch Fragen zu stellen. Die meisten geben ihr Wissen gerne weiter.
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Nichts überstürzen
Ein Fehler, den ich früh gemacht habe, war, den ganzen Weg in ein weit entferntes regionales Auktionshaus auf mich zu nehmen, in der Hoffnung, dort ein Schnäppchen zu machen. Da ich dann schonmal da war, hielt ich es für Zeitverschwendung, dann nichts zu kaufen. Am Ende hatte ich ein Stück erstanden, dass mir nicht besonders gut gefiel und auch kein Schnäppchen war. Das soll nicht heißen, dass es sich nicht lohnen kann, einen weiteren Weg auf sich zu nehmen, denn schließlich ist auch immer ein wenig Glück mit im Spiel. Im Zeitalter der Onlineauktionen ist eine solche Überlegung oftmals ohnehin obsolet.
Auktionshaus oder Händler?
Natürlich bieten Auktionen nicht die einzige Möglichkeit, chinesisches Porzellan zu kaufen. Es gibt viele ausgezeichnete Händler und ein Händler hat meist auch mehr Zeit und lässt mit sich feilschen. Scheuen Sie sich nicht, einen Händler nach seinen Referenzen zu fragen und was ihn zu einem Experten macht. Vertrauen ist nunmal die wichtigste Basis und ein Experte ist nur so gut wie seine Ausbildung. Ihnen zu helfen, ist auch in seinem Interesse, das darin besteht, langfristige Beziehungen zu seinen Kunden und Sammlern aufzubauen.
Besuchen Sie namhafte Messen
Auch seriöse Antiquitätenmessen, die über ein gutes Prüfsystem verfügen, sind eine ausgezeichnete Gelegenheit, gute Stücke zu erwerben. Händler, die an diesen Messen, z.B. die BADA-Messen in Großbritannien oder Haughton International in den USA, teilnehmen, müssen ihre Ausstellungsstücke einem ausgewiesenen Experten vorlegen, der sie auf ihre Authentizität überprüft. Zudem bieten Messen die Möglichkeit, Kontakte aufzunehmen und Objekte vergleichen zu können.

Haben Sie keine Angst vor Unvollkommenheit
Bei chinesischer Keramik, vor allem beim kaiserlichen Porzellan, hat der Zustand eines Stücks großen Einfluss auf dessen Wert. Wenn Sie mit einem Haarriss oder einer winzigen Abplatzung leben können, habe ich gute Nachrichten für Sie: Durch solche minimalen Beschädigungen kann sich der Wert eines Stücks um bis zu 90% reduzieren. Aus diesem Grund gibt es jede Menge unvollkommener Objekte, die nur darauf warten, gekauft zu werden. Ihrer Schönheit und der dahintersteckenden Handwerkskunst tun solche Kleinigkeiten schließlich keinen Abbruch.
Manchmal kann sich eine gute Restaurierung lohnen oder man stellt das Objekt einfach so hin, dass man die Beschädigung gar nicht sieht. Wenn Sie Ihre Sammlung dann Ihren Freunden zeigen, behalten Sie dieses Geheimnis einfach für sich. Jedoch ist es ratsam, stets einen Zustandsbericht anzufordern, bevor Sie ein Gebot abgeben oder etwas bei einem Händler kaufen.
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Vergleichen Sie ältere und jüngere Versionen
Eine weitere Möglichkeit, eine günstigere Version von etwas zu kaufen, das Ihnen gefällt, besteht darin, eine jüngerer Version zu erwerben. Moderne Fälschungen natürlich ausgenommen.

In China wurden Schätze der Vergangenheit immer wieder neu aufgelegt. Zum Beispiel wurde die Sancai-Keramik der Tang-Dynastie (618-907) sowohl in der Ming- (1368-1644) als auch in der Qing-Dynastie (1644-1912) nachgeahmt. Auch die blau-weißen Stücke der Ming-Dynastie wurden in der Qing-Dynastie reproduziert.
Ein weiteres Beispiel sind die monochromen Objekte der Song-Dynastie (960-1279), die ich besonders schätze. Leider liegen echte Stücke der Song-Dynastie oft außerhalb meiner Preisklasse. Exemplare aus dem 18./19. Jahrhundert sind eine gute Alternative, da sie genauso elegant sein können. Im Gegensatz zu modernen Fälschungen wurden diese Stücke nicht geschaffen, um Käufer bewusst hinter Licht zu führen, selbst wenn sie mit einer älteren kaiserlichen Marke gekennzeichnet wurden. Vielmehr brachte ihre Herstellung die Ehrfurcht vor einer bestimmten Zeit oder einem bestimmten Kaiser zum Ausdruck.
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Hüten Sie sich vor modernen Fälschungen
Moderne Fälschungen sind ein echtes Ärgernis, die nur zu dem Zweck hergestellt wurden, um Käufer bewusst zu täuschen. Seriöse Auktionshäuser und Händler bieten eine Garantie an, durch die Sie Ihr Geld zurückbekommen, sollte sich ein Stück nachträglich als Fälschung erweisen. Um solche Fallgruben zu vermeiden, ist es am Anfang des Sammlerdaseins wenig ratsam, online zu kaufen. Sofern Sie den beteiligten Sachverständigen nicht trauen und keinen Zustandsbericht erhalten, heißt es, Hände weg!
Sobald Sie in dem von Ihnen gewählten Sammelgebiet jedoch sicherer geworden sind, können Sie Ihre Komfortzone verlassen und auch bei weniger bekannten Händlern und Auktionshäusern nach Schnäppchen Ausschau halten. Im Onlinezeitalter passieren solche „Wunder“ jedoch immer seltener. Freude macht eine solche Schatzsuche aber auf jeden Fall.
Kaufen Sie was Ihnen gefällt
Die wichtigste Regel beim Sammeln ist jedoch, dass man vor allem nur das kaufen sollte, was einem auf wirklich gefällt. Kaufen Sie etwas nicht nur deswegen, weil Sie es für ein Schnäppchen halten. Möglicherweise verändert oder erweitert sich Ihr Geschmack im Laufe der Zeit. Falls Sie sich dann von einem Stück aus Ihrer Anfangszeit trennen möchten, ist es wahrscheinlicher, dass es auch jemand anderem gefällt, wenn es zuvor Sie bereits betört hat. Am Ende kann die breite Palette des chinesischen Porzellans aber auf jeden Fall jeden Geschmack bedienen. Fangen Sie einfach an!









