Im Juni 2020 ließ der spanische Kunsthändler Cristian López Márquez verlautbaren, er wüsste, wo sich Frida Kahlos verschollenes Meisterwerk Der verwundete Tisch befände, da er vom Besitz beauftragt worden sei, einen Käufer zu finden. Das Gemälde, dessen Wert auf 45-55 Millionen USD geschätzt wird, soll sich demnach unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in London befinden. Experten haben jedoch ihre Zweifel an Márquez' Äußerungen.
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Die Geschichte des Gemäldes beginnt vor 80 Jahren, als Frida Kahlo es nach der ersten Scheidung von Diego Rivera ausführte. Das Paar hatte 1929 geheiratet – der Auftakt zu einer Beziehung voller Wut, Gewalt und Untreue, die schließlich nach zwanzig Jahren endete. Nach einer ersten Scheidung im Jahr 1939 erfolgte die auf gegenseitiger Leidenschaft basierende zweite Hochzeit im Dezember 1940. Zwischen den beiden Ehen hatte sich Frida Kahlo in die Arbeit an dem großformatigen Gemälde Der verwundete Tisch gestürzt, mit dem sie Trauer, Schmerz und ihre mexikanische Identität erforschte.

Im Zentrum des Gemäldes hat sich Frida Kahlo mittig an einem Tisch sitzend selbst dargestellt. Flankiert wird sie von einem Skelett, das nach einer Strähne ihres Haares greift, und einer Judas-Figur, die den Arm um sie legt und die auf eine ähnliche Figur verweist, die Rivera neben seiner Leinwand aufgestellt hatte. Direkt neben Kahlo befindet sich eine präkolumbische Nayarit-Figur. Alle drei Figuren waren bereits Teil ihres Gemäldes Vier Einwohner Mexikos von 1938 gewesen. Während an einem Ende des Tisches Kahlos Neffe und Nichte dargestellt sind, steht ihnen auf der anderen Seite Frida Kahlos geliebtes Haustier, das Reh Granizo, gegenüber.
In der hölzernen Tischplatte klaffen blutende Wunden, die auf den Boden und den Saum ihres Kleides tropfen. Eingerahmt wird die Szene von schweren purpurroten Vorhängen, die für eine theatralische Stimmung sorgen, während der Hintergrund von einem düsteren, grauen Himmel und aus dem Boden sprießenden Pflanzen beherrscht wird. Die Bildelemente, ihre Kleidung und die Nayarit-Figur sind Anspielungen auf die Mexicanidad, die Wiederbelebung der traditionellen mexikanischen Identität im Zuge der Mexikanischen Revolution (1919/20), als Gegenbewegung zur spanischen Kolonialherrschaft.

Das Gemälde war erstmals 1940 auf der Internationalen Surrealismus-Ausstellung in Mexiko-Stadt ausgestellt worden, zum letzten Mal 1955 auf einer Ausstellung in Warschau. Anschließend sollte eine Tour durch weitere Länder Osteuropas antreten. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen verschwand es von der Bildfläche. Die Theorien zum Verbleib des Gemäldes reichen von Diebstahl bis Zerstörung.

Überliefert ist das Gemälde durch drei zwischen 1940 und 1944 gemachte Fotografien sowie eine Replik, die das Kunstmuseum Gehrke-Remund in Baden-Baden, welches über die einzige derartige Lizenz des Banco de México Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust verfügt, in Auftrag gegeben hatte.
Immer wieder hat es in den vergangenen 65 Jahren Gerüchte zum Verbleib des Gemäldes gegeben. Erst im Juni 2019 war ein Mann in Mexiko verhaftet worden, der das Gemälde angeblich im Austausch für ein Anwesen in Acapulco an einen Sammler in London hatte verkaufen wollen. Allerdings konnte keine Spur entdeckt werden, die tatsächlich zum Gemälde führte.

Doch nun, ein Jahr später, sagt der spanische Kunsthändler Cristian López Márquez, Der verwundete Tisch befände sich in London und er würde es jedem persönlich zeigen, der bereit ist, 45 Millionen USD an den Eigentümer zu zahlen. Experten bezweifeln jedoch die Authentizität des von Márquez angebotenen Gemäldes und so lange es keiner von ihnen unter die Lupe nehmen und die Echtheit bestätigen kann, wird sich das auch kaum ändern. Und so muss der Verbleib von Frida Kahlos Meisterwerk, sofern es überhaupt noch existiert, weiterhin ein Rätsel bleiben.
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