Mit Geschwindigkeiten von bis zu 370 km/h (290 km/h in Kurven) und Fahrern, die aufgrund der G-Kräfte bei jedem Rennen 3-4 Kilogramm an Körpergewicht verlieren (als Alternative zu Low Carb oder FdH allerdings nicht zu empfehlen), mag die heutige Formel 1 wie der ultimative Sport für Draufgänger und Waghalsige erscheinen. Doch gab es eine Zeit, in der der Rennsport noch extremer war: Da es kaum Sicherheitsvorschriften gab, gingen die Autos nicht selten in Flammen auf und es gab erschütternde Zwischenfälle, bei denen Fahrer sogar ums Leben kamen. Das waren die 1960/70er Jahre, auch bekannt als die „goldenen Jahre der Formel 1“. Es ist verlockend, in Klischees über die Vergangenheit zu verfallen, doch die Formel 1 war früher tatsächlich der Stoff, aus dem Legenden gemacht wurden.
Auf den Rennstrecken waren Ikonen wie Lorenzo Bandini, James Hunt, Emerson Fittipaldi und Niki Lauda unterwegs. Auf der anderen Seite der Fotoapparate, die die Fahrer in ihrem Element einfingen, befand sich eine Reihe von Fotojournalisten, die ihnen von Grand Prix zu Grand Prix folgten. Lernen Sie nun einige dieser Fotografen kennen, die die radikalsten Jahre der Formel 1 dokumentiert haben, mit beeindruckenden Action-Aufnahmen, aber auch intimeren Momenten.
Bernard Cahier

Bernard Cahier, geboren im Jahr 1927 in Marseille, war ein Fotograf und Journalist, den viele als den Prototyp des Formel-1-Fotografen bezeichnen. Nachdem er sich bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs dem Widerstand in der Bretagne angeschlossen hatte, zog er 1952 nach Paris und besuchte im selben Jahr sein erstes Grand-Prix-Rennen. Nach diesem Event bekam er seinen ersten Job als Berichterstatter über die Formel 1 für L’Action Automobile beim Verlag LV Roussel. Es dauerte nicht lange, bis er dem engeren Kreis von F1-Fahrern und -Managern angehörte, von denen er außerdem Aufträge erhielt. Dies führte dazu, dass er bis in die 1980er Jahre eine der Schlüsselfiguren des Formel-1-Rennsports war.
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Der Höhepunkt seiner Karriere waren die 1960er Jahre, als er mit den Fahrern Juan Manuel Fangio und Stirling Moss eng befreundet war. 1966 arbeitete er zusammen mit Regisseur John Frankenheimer an der Produktion eines Films namens Grand Prix. Wenn er keinen Fotos machte, saß er am Steuer seines eigenen Wagens, mit dem er 1967 in der GT-Klasse Siege einfuhr. Im Laufe seines Lebens wurde er selbst zu einer F1-Berühmtheit, dessen mittlerweile von seinem Sohn Paul-Henri weitergeführtes Archiv 23.000 Fotos der Formel-1-Geschichte umfasst.
Rainer W. Schlegelmilch

Rainer W. Schlegelmilch, geboren 1941 in Suhl, ist der wohl bekannteste Fotograf der Formel 1. Im Rahmen seiner Abschlussprüfung an der Bayerischen Staatsschule für Photographie begann er 1962 damit, Rennfahrer zu porträtieren. Kurz darauf nahm er an seinem ersten Grand Prix in Belgien teil, was ihn zu einer Karriere in der Rennsportfotografie anspornte. 1964 eröffnete er sein Studio und fotografierte bis 1970 in Schwarz-Weiß. Als er schließlich auf Farbfotografie umstieg, erschienen immer mehr seiner Aufnahmen in den berühmtesten Sportzeitschriften.
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Im Laufe seiner Karriere machte er rund 500.000 Fotos und wurde vor allem für seine „Zoom-Aufnahmen“ berühmt: Langzeitaufnahmen von Autos, meist während der Trainingsfahrten gemacht, mit dem Helm des Rennfahrers im Fokus und dem dahin rasenden Auto als Hintergrund. Schlegelmilch genoss auf den Rennstrecken ein so hohes Ansehen, dass sich darauf so manche lebenslange Freundschaft entwickelte, wie beispielsweise mit Jochen Rindt, Juan Manuel Fangio und Jacky Ickx. 2011 wurde er in Monza mit einem lebenslangen Pressefotografenausweis geehrt. Bis heute hat Schlegelmilch schätzungsweise rund 600 Grand Prix fotografiert.
Don Coles

Der 1930 geborene Don Coles war ein sehr aktiver Sportfotograf mit Schwerpunkt Formel 1. Er verfügte über einen privilegierten Zugang zu den Boxengassen und Bereichen für die Fahrern, was es ihm ermöglichte, unverfälschte Aufnahmen von Fahrern und Teams zu machen. Viele seiner Bilder wurden in führenden Motorsport-Magazinen veröffentlicht und sind Teil entsprechender Fototheken.
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Coles wurde Anfang der 1950er Jahren in Goodwood vom Journalisten Tommy Wisdom in die Welt des Motorsports eingeführt und erhielt in den 1970er Jahren die Fotografenakkreditierung der RACSMA, die von 1972 bis 1988 über den britischen Grand Prix berichtete. 1972 war dann auch das Jahr, in dem Coles an seinem ersten Grand Prix teilnahm, bei dem Emerson Fittipaldi in seinem Lotus 72D der Konkurrenz davonfuhr und seine erste Meisterschaft gewann. Die Bilder von diesem Rennen markierten den Beginn von Don Coles erfolgreicher Karriere, in der er Tausende Bilder der größten Legenden des Sports machte, darunter Ayrton Senna, Tom Pryce, James Hunt, John Watson, Stirling Moss und Jackie Stewart, um nur einige zu nennen.
Anwar Hussein

Der britische Fotograf Anwar Hussein wurde 1938 im damaligen Tanganjika geboren, das heute Teil von Tansania ist. Eigentlich kein F1-Fotograf, machte sich Hussein als dienstältester Fotograf, der über die Queen und die königliche Familie berichtete, einen Namen. Sein Stil, der die Royals in zwanglosen Momenten und intimen Schnappschüssen präsentierte, hinterließ jedoch auch in der Formel 1 Spuren.
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Sein Archiv aus den 1970er Jahren umfasst eine reiche Sammlung von Fotografien der größten Namen jener Zeit – Niki Lauda, James Hunt und Emerson Fittipaldi sind in ungezwungenen Momenten zu sehen, wie sie Autogramme geben oder sich vom Wahnsinn eines Rennens erholen.

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In den 1960er und 1970er Jahren spielten sich auf den Rennstrecken die verrücktesten Szenen ab. So passierte es, dass im letzten Rennen der Weltmeisterschaft von 1964 in Mexiko Lorenzo Bandini ins Heck von Graham Hills Wagen fuhr und sich drehte, während Jim Clarks Motor ausfiel. Gewinner wurde John Surtees in seinem Ferrari. Das Publikum stürmte daraufhin die Rennstrecke – während das Rennen noch lief. Doch gab es auch viele düstere Momente: Allein 1968 verlor der Rennsport vier Fahrer. Selbst wenn die wenigen Sicherheitsvorkehrungen eingehalten wurden, fielen die Autos oft aus oder gingen in Flammen auf. Das musste 1976 auch Niki Lauda erleben, der in seinem brennenden Rennauto fast sein Leben verlor.
Es gibt viele Anekdoten aus dem Goldenen Zeitalter der Formel 1 und die Fahrer, die die 1970er Jahren erlebten, wurden legendär. Ebenso die Fotografien, die sie auf ihrer riskanten Reise begleiteten.








