Eine Pokémon-Karte lässt sich teurer verkaufen als ein Möbelstück des 18. Jahrhunderts [...] diese Pokémon-Karten könnten die Antiquitäten von morgen sein!
Das Pokémon-Phänomen nahm seinen Anfang in den Vereinigten Staaten, vor allem durch Influencer und Youtuber wie Logan Paul. Als Käufer der teuersten jemals privat verkauften Karte der Welt (5.275.000 USD) ist Paul auch dafür bekannt, mit einer Pokémon-Karte um den Hals Boxkämpfe zu bestreiten. Der französische Rapper Lorenzo, der auf TikTok über Pokémon-Karten singt, verkaufte im Mai 2021 seine Kartensammlung für beeindruckende 305.793 Euro auf eBay.
Hören Sie auch: Barnebys' Podcast #37: Inside the Pokémon Card Craze

Wie es bei jedem Investitionsobjekt der Fall ist, bekommt man es nicht nur mit Fälschungen zu tun, sondern muss sich auch für die schwierige Navigation auf dem Markt wappnen. Auch Léonard Pomez, ein Experte bei Ivoire Troyes, Frankreichs führendem Auktionshaus auf dem Gebiet, bemerkt den Boom der Pokémon-Karten auf dem Auktionsmarkt. Seit der Pandemie konnte Ivoire Troyes hervorragende Ergebnisse verzeichnen, darunter auch den neuen Auktionsrekord für Frankreich, den das Haus im Juni 2021 erzielte, indem es eine Dracaufeu-Karte, die zuvor auf 2.500 Euro geschätzt worden war, für 12.000 Euro verkaufte. Für den Auktionator ist dieser Markt im Aufwind und wird eine ganz neue Generation der Bieter hervorbringen. "Eine Pokémon-Karte lässt sich teurer verkaufen als ein Möbelstück des 18. Jahrhunderts [...] diese Pokémon-Karten könnten die Antiquitäten von morgen sein!" sagt Pomez.
Wer sind die Käufer?
Nostalgiker oder Investoren? 90er-Jahre-Enthusiasten im Alter zwischen 35 und 55 mit einer gewissen Kaufkraft erkennen in den Pokémon-Karten eine Möglichkeit zum Investieren, Sammeln oder einfach Dekorieren. Wie Pomez uns erklärte, ist es für die Käufer nicht ungewöhnlich, die Karten zusammen mit anderen Objekten aus Japan, beispielsweise Dragon Ball Z-Figuren, in Vitrinen auszustellen.
Lesen Sie auch: Baseballkarten-Boom: Ein aufstrebendes Sammelgebiet

Insgesamt betrachtet, verfügen die Pokémon-Karten über einen internationalen Markt und werden überall gehandelt. Die unglaublichsten Preise werden jedoch in den Vereinigten Staaten und Japan erzielt.
Die Dreifaltigkeit der Pokémon-Karten
Wie bei allen Kategorien von Objekten, die auf einer Auktion verkauft werden, ist Fachwissen von entscheidender Bedeutung. Was ist also zu beachten? Diese drei Regeln auf jeden Fall:
1. Der Zustand
Ideal ist der neuwertige Zustand ("mint"): Karten, die aus der versiegelten Kartenverpackung vorsichtig entnommen und genauso vorsichtig in einen Ordner überführt wurden. Bewertet wird der Zustand der Karten von darauf spezialisierten Unternehmen wie PCA in Frankreich und PSA in den Vereinigten Staaten. Diese Unternehmen bewerten die Karten anhand des Zustands der Oberfläche, der Ränder und Ecken. Jeder noch so kleine Kratzer, weißer Punkt, Fleck oder Unregelmäßigkeit wird den Wert einer Karte verringern.

2. Die Edition
Sobald eine Karte den Auktionsmarkt erreicht, prüfen die Experten ihre Edition. Die ersten Karten im Oktober 1996 in Japan veröffentlich und ab 1998 international. Das Pokémon-Sammelkartenspiel wurde in Japan zunächst von Media Factory vertrieben und in den USA von Wizards of the Coast. 2003 gingen die Rechte an The Pokémon Company über. Da die erste Auflage die seltenste ist, ist sie natürlich auch die gefragteste.
3. Seltenheit
Wie bei jedem Sammlerstück bildet auch bei den Pokémon-Karten die Seltenheit das Herz einer Bewertung. Aber was ist ein erstrebenswerter Seltenheitswert bei Pokémon-Karten? Oftmals sind Karten, die in einem Turnier gespielt wurden, begehrter. In manchen Fällen wird sogar der Name des Gewinners auf die Karte gedruckt. Wichtig sind natürlich auch die Höhe der Auflage oder auch der Illustrator der Karte (die von Logan Paul gekaufte Pikachu-Karte war von Atsuko Nishida, der Schöpferin von Pikachu, selbst illustriert worden). Auch das Design spielt eine wichtige Rolle.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
Im Fall der Shadowless Holographic First Edition Charizard von 1999 beispielsweise weist der Stempel einen Druckfehler auf, was sie zu einer der teuersten Karten der Welt macht. Bei Pokémon hilft das Graduierungssystem, die Dinge klarer zu sehen: Karten mit einem Kreis oder einer Raute beispielsweise sind nicht viel wert, während ein Stern neben dem Namen der Kreatur einen höheren Wert hat. Pomez erklärt, dass von einem Spiel mit 102 Karten 16 Karten über einen Stern und einen holografischen Hintergrund verfügen. Wenn sich diese Karten in einem guten Zustand befinden, lohnt es sich, sie schätzen zu lassen. Beispielsweise verkaufte Ivoire Troyes im Juni 2021 6 Erstausgabekarten mit der Bewertung PSA 9/10 und 10/10 für 51.000 Euro.
Besitzen Sie eine Armbanduhr, deren Wert Sie gerne ermitteln lassen möchten? Nutzen Sie dafür den Online-Schätzungsservice ValueMyStuff!

Wie erkennt man Fälschungen?
Pomez verriet uns auch einige Details, auf die seine Experten achten, um nicht auf Fälschungen hereinzufallen. Beispielsweise haben authentische Modelle im Gegensatz zu Fälschungen eine dünne graue Linie am Kartenrand. Und man sollte immer auch auf die Rückseite achten. Oftmals geben sich Fälscher bei der Vorderseite mehr Mühe. Man muss ingesamt auf die Qualität des Drucks und der Farben zu achten, insbesondere auf die Blautöne und die Beschriftung. Schließlich sind Gewicht und Festigkeit aufschlussreich, da gefälschte Karten oft leichter und flexibler sind.










