Am frühen Morgen des 22. August 1911 betraten zwei Künstler, der Maler Louis Béroud und der Graveur Frédéric Laguillermie, die Säle des Louvre, wo sie Reproduktionen der großen Meisterwerke anfertigen sollten. Angekommen bei den Werken Leonardo da Vincis, machten sie eine überraschende Entdeckung: Die Stelle an der Wand, an der eigentlich die Mona Lisa hängen sollte, war leer.

Alarmiert von den den beiden Künstlern, machten sich die Wachleute auf die Suche nach dem Gemälde und hofften, es im Atelier von Braun & Cie, dem offiziellen Fotografen des Museums, zu finden. Als alle Nachforschungen ergebnislos blieben, ließ sich die Wahrheit nicht länger verleugnen: die Mona Lisa war tatsächlich gestohlen worden.
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Der italienische Renaissancerahmen und die schützende Glasscheibe wurden schnell in einem kleinen Treppenhaus gefunden, das zum Visconti-Hof führt. Die auf Rahmen und Scheibe sichergestellten Fingerabdrücke wurden mit denen der 257 Museumsmitarbeiter verglichen, jedoch ohne Ergebnis. Der damalige Direktor des Louvre, Théophile Homolle, sah sich daraufhin zum Rücktritt gezwungen.
Die allgemeine Inkompetenz der Polizei führte zu Spott und Kritik seitens der Presse und der Öffentlichkeit. Der zuständige Untersuchungsrichter, Joseph-Marie Drioux, hielt es sogar für möglich, dass der deutsche Kaiser Wilhelm II. der Drahtzieher hinter dem Diebstahl war.
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Ebenfalls unter Verdacht gerieten Pablo Picasso und der Schriftsteller Guillaume Apollinaire, da beide mit Géry Pieret in Verbindung standen, einem Kriminellen, der 1907 Statuetten und phönizische Masken aus dem Louvre gestohlen hatte. Pieret hatte Picasso einen Teil des Diebesguts verkauft und war zu jenem Zeitpunkt der Sekretär Apollinaires gewesen, der nun wegen Unterbringung eines Verbrechers verhaftet wurde und vom 8. bis zum 12. September im Gefängnis saß. Pieret hatte den Verdacht selbst auf sich gelenkt, als er am 28. August 1911 die Tageszeitung Paris-Journal kontaktierte, fälschlicherweise behauptete, die Mona Lisa gestohlen zu haben und 150.000 Francs Lösegeld forderte.
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Die Gesellschaft der Freunde des Louvre setzte eine Belohnung in Höhe von 25.000 Francs für die Wiederbeschaffung der Mona Lisa aus, die Zeitschrift L’Illustration sogar 40.000 Francs. Die Mona Lisa wurde weltberühmt, blieb jedoch weiterhin verschwunden.
Tatsächlich befand sich das Gemälde noch immer in Paris, nur wenige Schritte vom Louvre entfernt. Wo genau? In der Wohnung des italienischen Glasers Vincenzo Peruggia, der dem Museum bestens bekannt war, seit er einige Monate zuvor die Mona Lisa mit einer neuen Glasscheibe ausgestattet hatte. Mit den Örtlichkeiten vertraut, hatte Peruggia den Louvre am 21. August 1911 kurz vor der Schließung betreten und das Gemälde diskret entwendet. Zwei Jahre lang bewahrte er die Mona Lisa im doppelten Boden einer Holztruhe unter seinem Bett auf.
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Dann beschloss er, das Gemälde in Italien weiterzuverkaufen, wodurch seine Tat aufflog. Der Florentiner Antiquitätenhändler Alfredo Geri, der eine Anzeige für den Ankauf von Kunstwerken veröffentlicht hatte, wurde am 10. Dezember 1913 von Peruggia kontaktiert, doch er wurde sofort misstrauisch. In Begleitung von Giovanni Poggi, dem damaligen Direktor der Uffizien, erkannte er die Echtheit des Gemäldes und kontaktierte die Pariser Polizei, die Peruggia festnahm. Der italienische Glaser wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt.
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Nach einer Tournee durch Italien wurde die Mona Lisa schließlich am 4. Januar 1914 in den Louvre zurückgebracht, wo sie seither verstärkt bewacht wird.
Bis heute sind die Beweggründe von Vincenzo Peruggia unklar und es gibt viele Theorien dazu. Während des Prozesses sprachen seine Anwälte von einem patriotischen Akt und behaupteten, Peruggia wolle die Mona Lisa als Rache für die von Napoleon Bonaparte während seiner Feldzüge begangenen Diebstähle in sein Heimatland zurückbringen – eine Version, leicht abgeändert, 1931 in dem Film Der Raub der Mona Lisa aufgegriffen wurde. Andere behaupten, Peruggia hätte im Auftrag des argentinischen Betrügers Eduardo Valfierno gehandelt. Valfierno hatte den französischen Kunstfälscher Yves Chaudron 1910 mit der Anfertigung von sechs Kopien der Mona Lisa beauftragt, die er vor allem amerikanischen Kunden als Original verkaufen wollte, wofür die echte Mona Lisa natürlich aus dem Louvre verschwinden musste. Und dann gibt es noch die romantische Theorie, nach der die Mona Lisa einer jungen Frau ähnelte, in die Peruggia in seiner Jugend geliebt hatte, die jedoch bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen war.
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Neben ihrem geheimnisvollen Lächeln und dem Rätsel um die wahre Identität der Dargestellten, war es ihr aufsehenerregender Diebstahl, der die Mona Lisa zu einer Ikone und zum meistbesuchten Kunstwerk der Welt gemacht hat.



