Diese Auktion ist ein absolutes Muss für Sammler historischer Taschenuhren. Am 19. Oktober kommen bei Cortrie in Hamburg knapp 200 Uhren zum Aufruf, darunter eine faszinierender Auswahl an historischen Taschenuhren, die mit feinster Emaillemalerei, ihrem historischen Kontext, ausgefeilten Mechanismen oder durch ihre Seltenheit begeistern.

In vielerlei Hinsicht interessant ist eine große Goldemailletaschenuhr, die um 1810 in der Schweiz angefertigt wurde. Schauseitig begeistert sie mit ihrer polychromen Emaillemalerei, die von den drei Automaten des Anglers an der Mühle sowie zwei Jacquemarts (Glockenschlägern) zum Leben erweckt wird. In die goldene Rückseite wurde die Widmung "To the Mashrak-el-Azkar - In Memoriam Julius A. de Lagnel 1827-1912" eingraviert. Julius Adolphe de Lagnel war ein Brigadegeneral der Konföderierten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Mashrak-el-Azkar bezeichnet den ersten Tempel der Bahai in den USA. Das Bahaitum ist eine im 19. Jahrhundert im damaligen Persien entstandene Religion, die heute weltweit rund 8 Millionen Anhänger hat.
Eine weitere mit Jacquemarts ausgestattete Uhr der Auktion wurde etwa zur gleichen Zeit ebenfalls in der Schweiz geschaffen. Das Besondere dieses Figurenautomaten ist, dass es sich vermutlich um das einzig bekannte Exemplar mit einer koaxial übereinander liegender Anordnung von Glocke und Zifferblatt handelt.

Etwa ein halbes Jahrhundert älter ist ein Ensemble mit einer Kutschenuhr und einer Carteluhr, die von Etienne Le Noir (1699-1778) in Paris hergestellt wurden. Le Noir war seit 1717 Uhrmachermeister und später königlicher Hofuhrmacher unter Ludwig XV.

Aus der selben Epoche stammt eine sehr frühe englische Doppelgehäuse-Spindeluhr aus Gold mit Emaillemalerei en grisaille, die der Antike entlehnte Motive darstellt.

Ebenfalls auf die Antike wurde bei der Motivwahl für zwei alte französischen Dosen- bzw. Halsuhren mit polychromer Emaillemalerei zurückgegriffen. Eine extrem seltene und museale Uhr der Schule von Blois zeigt u.a. das Urteil des Paris und wurde um 1640/50 von François Laurier geschaffen. Die andere Uhr zeigt Szenen aus dem Leben des Marcus Antonius und der Kleopatra, worauf die Lupenmalerei mit einer Dame hindeutet, die eine Schlange an ihren entblössten Busen hält.

Von großer Seltenheit sind auch die folgenden drei Uhren, die mit ihren außergewöhnlichen Zusatzfunktionen begeistern. Und die Rede ist nicht von einer Datumsanzeige. Bei einer dieser Kostbarkeiten handelt es sich um eine vermutlich um 1840 in Genf hergestellte Uhr-Schnupftabakdose aus Gold mit Emailledeckel und Diamantbesatz. Die Erweiterung um ein Musikwerk ist bei einem Piguet & Capt – Jean-Georges Rémond & Co. zugeschriebenen Exemplar von ca. 1810 gegeben.

Eine um 1850 ausgeführte Rarität von Czapek & Cie, bis 1845 Teil von Patek, Czapek & Cie, stellt eine Taschenuhr mit eingebautem Lorgnon zum Ausklappen dar. Uhren mit solchen eingebauten "Gadgets" wurden damals sowohl von Czapek & Cie als auch von Patek & Cie hergestellt, gehörten jedoch zu den seltenen Stücken.

Rund 100 Jahre trennen diese beiden Uhren. Dabei handelt es sich zum einen um ein extrem seltenes Taschenchronometer mit Duplexhemmung und 1/8-Repetition, das 1818 von Henry French in London hergestellt wurde. Die andere Uhr ist ein bedeutender Halbsekunden-Beobachtungschronometer von A. Lange & Söhne, das 1914 an das Kaiserlich und Königliche Hydrografische Amt in Pola geliefert wurde.

Eine bei Sammlern begehrte Variante der Automatenuhr, bei der der Automat eine pikante Aufgabe zu erfüllen hatte, ist die erotische Taschenuhr. Uhren dieser Art wurden ab dem späten 17. Jahrhundert hergestellt. Aufgrund ihres brisanten Dekors waren die Automaten, wie bei dem vorliegenden Modell von etwa 1910, nicht selten unter einem zusätzlichen Sprungdeckel verborgen.
Alle vorgestellten Uhren werden am 19. Oktober ab 16:30 Uhr im Auktionshaus Cortrie in der Süderstrasse 282 in Hamburg versteigert. Eine Vorbesichtigung ist dort vor der Auktion von 13-16 Uhr möglich.
Entdecken Sie den gesamten Katalog gleich hier bei Barnebys!



