Im Herzen von Paris, an der Place Vendôme Nr. 7, gibt es kein Schild, keine funkelnde Schaufensterauslage, nur drei diskrete Buchstaben: JAR. Hinter dieser fast unsichtbaren Präsenz verbirgt sich eine der exklusivsten und verehrtesten Juweliermarken der Welt, geleitet vom geheimnisvollen Joel Arthur Rosenthal. Bekannt für seine unvergleichliche Handwerkskunst, innovativen Techniken und die Weigerung, sich traditionellen Werbepraktiken unterzuordnen, fasziniert JAR seit Jahrzehnten Sammler, Trendsetter und Kenner. Ein Schmuckstück von JAR zu besitzen, bedeutet, nicht nur einen Erwerb getätigt zu haben – es ist ein wahres Privileg.
Geboren 1943 in der Bronx, war Rosenthals Weg, einer der gefragtesten Juweliere der Welt zu werden, alles andere als konventionell. Als Harvard-Absolvent in Kunstgeschichte und Philosophie zog er nach Paris, wo er zunächst als Drehbuchautor arbeitete und später ein kleines Textilgeschäft eröffnete, in dem er mit ungewöhnlich gefärbtem Garnen experimentierte. Zu seinen Kunden zählten die Designer von Hermès und Valentino. Während dieser Zeit beauftragte ihn ein Kunde mit der Kreation einer Edelsteinfassung – eine Erfahrung, die den Kurs seiner Karriere verändern sollte.
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Für kurze Zeit arbeitete Rosenthal bei Bulgari in New York und sammelte dort wertvolle Erfahrungen, bevor er 1977 nach Paris zurückkehrte, um gemeinsam mit seinem Lebens- und Geschäftspartner Pierre Jeannet ein eigenes Schmuckatelier zu gründen. Von Beginn an war JAR anders, es gab keine Werbung, keine Massenproduktion und keinen leichten Zugang. Sein Laden an der Place Vendôme hat kein Schaufenster, keine regulären Geschäftszeiten und öffnet seine Pforten nur wenigen Erwählten, darunter Elizabeth Taylor, Elle Macpherson, Barbara Walters und Ann Getty. Um als Kunde überhaupt in Betracht gezogen zu werden, muss man von einem bereits bestehenden Kunden eingeführt werden. Rosenthal selbst bestätigt jeden Käufer und ist dafür bekannt, einen Verkauf abzulehnen, wenn er das Gefühl hat, dass ein Stück einfach nicht zur künftigen Trägerin passt.
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Was JARs Kreationen auszeichnet, ist die meisterhafte Verwendung von Pavé-Fassungen und der Umgang mit den Materialien. Seine Entwürfe kombinieren wertvolle Edelsteine mit unkonventionellen Materialien wie Aluminium, Titan und dunklen Metallen, wodurch Stücke entstehen, die sowohl technisch komplex als auch künstlerisch atemberaubend sind. Seine Einführung von oxidiertem Titan in die hohe Juwelierkunst definierte die Gestaltungsmöglichkeiten neu, indem große und komplexe Stücke federleicht wurden. Eine seiner charakteristischen Techniken ist die Abstufung farbiger Edelsteine, die subtil von einem Farbton zum anderen oder von dezenteren zu lebhaften Tönen übergehen. Er ist stets bemüht, in seinen Kreationen die Sichtbarkeit der Metallfassungen zu minimieren, um so der Brillanz der Steine die Bühne zu überlassen.
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JARs Exklusivität und Mystik steigern die Nachfrage nach seinen Kreationen. Pro Jahr produziert er nur 70 bis 80 Stücke, die von erfahrenen Kunsthandwerkern in der Schweiz und in Frankreich angefertigt werden und von denen jedes einzigartig und oft maßgeschneidert für einen bestimmten Kunden ist. Das alles führt natürlich zu außergewöhnlichen Preisen für seine Kreationen auf dem Auktionsmarkt. 2017 wurde die "Lauch-Brosche" von 1989 bei Sotheby's für 1.515.000 US-Dollar verkauft, was den Schätzpreis in Höhe von 450.000-650.000 US-Dollar deutlich überstieg, während eine "Rubin-Kamelien-Brosche" 2012 bei Christie's die Rekordsumme von 4 Millionen CHF erzielte (Schätzpreis 1,1-1,4 Millionen CHF). Im Gegensatz zu den meisten Schmuckstücken, die oft für weniger als ihren ursprünglichen Preis weiterverkauft werden, verdoppeln die Kreationen von JAR bei solchen Gelegenheiten regelmäßig ihren Originalpreis.

Trotz seines "Kultstatus" bleibt Joel Arthur Rosenthal äußerst privat. Seit Gründung der Marke, hat er wiederholt Interviewanfragen abgelehnt, selbst von Journalisten, die für die Top-Magazine weltweit arbeiten. JAR veröffentlicht keine Kataloge und keine Fotos seines Schmucks, verfügt über keine Presse- oder Marketingabteilung und hat keinen Internetauftritt oder eine eingetragene Telefonnummer. Das Unternehmen arbeitet ausschließlich mit Mundpropaganda und seiner Reputation.
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Rosenthal hat bisher nur zwei Ausstellungen ausgerichtet: eine 2002 in Somerset House in London, bei der die Besucher Taschenlampen benutzen mussten, um den Schmuck betrachten zu können, sowie 2013 eine nur 24-Stunden geöffnete Ausstellung im Metropolitan Museum of Art in New York, die ausschließlich geladenen Gästen vorbehalten war. Rosenthal war der erste lebende Juwelier, dem diese Ehre zuteil wurde. Zu diesen Gelegenheiten gab es dann doch begleitende Publikationen über sein Werk, JAR Paris, die heute, da nur wenige Exemplare gedruckt werden, für drei- oder sogar vierstellige Summen angeboten werden.

JAR hat sich nie von Trends oder dem allgemeinen Geschmack beeinflussen lassen. Seine Meisterwerke sind zeitlos, äußerst persönlich und werden oft mit Werken der bildenden Kunst verglichen. Die New York Times nannte ihn den "Fabergé unserer Zeit" und würdigte damit seine Liebe zum Detail und kompromisslose Vision. Im Jahr 2011 verzeichnete das Unternehmen, das offiziell nur vier Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz von 16,9 Millionen Euro und einen Gewinn von 3 Millionen Euro. Obwohl Rosenthal die Stücke nicht persönlich herstellt, stammt doch jeder Entwurf von seiner Hand und er verlässt sich darauf, dass seine ausgewählten Handwerker seine Visionen in die Realität umsetzen.
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Die Schmuckexpertin Julie Valade drückte es so aus: „Entweder Sie wollen JAR und erfüllen seine Bedingungen, oder Sie gehen woanders hin“ (Vanity Fair, 2013). In einer Welt, in der hochwertiger Schmuck oft durch Übermaß und Publicity definiert wird, sticht JAR hervor – ein Künstler, der seine Kreationen für sich selbst sprechen lässt und die Welt in Ehrfurcht versetzt.



