Netsuke wurden vor etwa 400 Jahren in der frühen Edo-Zeit erfunden, als mangels Taschen im japanischen Kimono kleine Behältnisse (sagemono) aufkamen, die am Gürtel getragen wurden. Die Netsuke dienten als Befestigung bzw. Gegengewicht und waren zunächst eher schlicht, bis in ihnen das Potenzial eines modischen Accessoires erkannt wurde, das vielerlei Gestaltungsmöglichkeiten bot.
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Bis Mitte des 19. Jahrhundert, als in Japan die westliche Mode Einzug hielt, hatten die netsukeshi, die Netsuke-Schnitzer, viel zu tun und machten Netsuke zu wahren Kunstgegenständen, mit denen sie ihr Talent auf kleinstem Raum unter Beweis stellen konnten. Sie verwendeten wertvolle Materialien wie Elfenbein, Hirschhorn, Walrosszähne, Buchsbaum und Wurzelholz, die sie in die unterschiedlichsten Formen brachten.
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Die Motive waren äußerst vielfältig und hatten häufig eine symbolische Bedeutung. Tierdarstellungen waren sehr beliebt und entsprechend weit verbreitet. Ratten symbolisierten Wohlstand und Fruchtbarkeit, Affen boten Schutz vor Unheil während Tiger und Drachen Stärke und Macht repräsentierten.
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Glücksboten waren auch unter den Fabelwesen zu finden, allen voran die Sieben Glücksgötter, die unter anderem für ein langes Leben oder Weisheit zuständig waren. Dämonen wurden oft grotesk oder humorvoll dargestellt. Allgemein spielte Humor bei der Gestaltung der Netsuke eine wichtige Rolle, so auch beim beliebten hotei, einem lachenden Buddha mit dickem Bauch. Der Humor musste nicht immer offensichtlich sein, sondern konnte sich auch in Wortspielen und Doppeldeutigkeiten verbergen.
Beliebt waren auch Szenen aus dem alltäglichen Leben mit Händlern und Bauern oder auch spielenden Kindern und Jahrmarktsartisten. Außerdem bediente man sich der Figuren der Theaterformen Nō und Kabuki sowie der Helden, Krieger und Geister aus bekannten Geschichten.
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So vielfältig wie ihre Motive waren auch die Formen der Netsuke. Sehr verbreitet waren die runden und kompakten katabori sowie die men in Form von Gesichtern oder (Nō-)Masken. An Muscheln erinnern die hohl gearbeiteten anabori während die sashi lang und stabförmig sind. In ihrer Form rund sind die mit Reliefs versehenen manjū, die mit den ryūsa verwand sind, die jedoch durchbrochen geschnitzt wurden. Meist rund sind auch die kagamibuta, in deren unteren Teil eine verzierte Metallplatte eingelegt wurde (bei dieser kann es sich bisweilen sogar um ein ausrangiertes tsuba, also das Stichblatt eines japanischen Schwertes, handeln). Hinzu kommen karakuri, die an die gleichnamigen großen Automaten mit beweglichen oder verborgenen Elementen erinnern.

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Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Schulen, die einen besonderen Stil herausbildeten. Eine der ältesten war die Kyoto-Schule, deren Netsuke sehr fein und elegant gearbeitet waren und häufig Motive aus Literatur, Theater und Musik zeigten. Die Osaka-Schule war für ihren lebendigen und realistischen Stil bekannt, der, mit Humor gewürzt, vor allem detailreiche Alltagsfiguren umfasste. Die Edo-Schule setzte auf schlichte und klare, aber dennoch kraftvolle und ausdrucksstarke Kompositionen, was besonders in Tierfiguren zum Tragen kam. Tiere standen auch im Fokus der Nagoya-Schule, wobei dort Affen, Ratten oder Hunde besonders präzise wiedergegeben wurden. Das Spezialgebiet der Iwami-Schule waren humorvolle und volkstümliche Motive, die eher rustikal und natürlich ausgeführt wurden.
Einige netsukeshi waren sehr berühmt und ihre Namen sind bis heute überliefert. Zu nennen sind hier etwa Masanao (aktiv ca. 1700-1760), der Begründer der Kyoto-Schule, Tametaka von der Nagoya-Schule (aktiv ca. 1730-1780), der einer der bekanntesten Tierschnitzer war, sowie Kaigyokusai Masatsugu von der Edo-Schule (1813-1892), der als einer der größten Meister überhaupt angesehen wird.

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Netsuke sind ein spannendes Sammelgebiet, das die unterschiedlichsten Interessen anspricht. Wer Netsuke sammeln möchte, könnte sich beispielsweise auf ein bestimmtes Material, eine bestimmte Motivgruppe oder auch eine der verschiedenen Schulen konzentrieren. Die Preise für Netsuke auf dem Auktionsmarkt fallen sehr unterschiedlich aus. Denn auch wenn jedes der von Hand gefertigten Netsuke ein Unikat darstellt, gibt es Faktoren, wie beispielsweise Künstler, Zustand, Alter und Provenienz, die die Preisgestaltung bestimmen. So ist ein schlichtes Exemplar aus dem 20. Jahrhundert, das bereits für den touristischen Markt angefertigt wurde, bereits für 100 Euro zur haben, während man für ein signiertes antikes Stück von musealer Qualität mit einer fünf- oder sogar sechsstelligen Summe rechnen muss.








