Memphis nahm all das auf, was die Moderne verboten hatte: Muster und Farben, Kitsch und Humor. Es forderte unsere Vorstellungen von Funktionalität und gutem Geschmack heraus.
1981: Der brillante Ettore Sottsass gründet in Mailand die Memphis Group, eine Erfahrung, die in kurzer Zeit die ästhetischen Regeln eines ganzen Jahrzehnts diktieren wird. Heute sind diese eklektischen, farbenfrohen und kitschigen Möbel erneut sehr gefragt.
Auch Mailand ist im Winter grau, kalt und nebelig. Daher war es bestimmt kein Zufall, dass sich Ettore Sottsass an einem Abend im Dezember mit den Designern Michele de Lucchi, Aldo Cibic, Matteo Thun, Marco Zanini und Martine Bedin zusammensetzte. Das Ziel dieses Treffens ging weit über ein normales Abendessen mit Freunden hinaus: Die Designer wollten eine Bewegung schaffen, die sich gegen den Status Quo des modernen Designs auflehnen sollte. Im Klartext bedeutetes das, den Minimalismus, die Funktionalität und Nüchternheit mithilfe von plakativem Design in den leuchtenden Farben der Pop Art, den extravaganten Formen des Art déco und des Kitschs der 1950er Jahre zu überwinden.
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Die Gespräche der Gruppe wurden an einem anderen Abend von Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues von Bob Dylan untermalt. Als es schließlich darum ging, der Gruppe einen Namen zu geben, schlug Ettore Sottsass "Memphis" vor, nach der Stadt in Tennessee, die Geburtsort von Musikgrößen wie BB King, Johnny Cash und Elvis Presley bekannt ist, aber auch nach der Stadt im Alten Ägypten, die ihren Namen vom Schutzgott der Handwerker und Architekten erhalten hatte.

Zur Überraschung ihrer Gründer wurde die Memphis Group von Designern auf der ganzen Welt enthusiastisch begrüßt, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass viele der 40 Designer, die 1981 für eine Ausstellung im Mailänder Salone del Mobile mit der Gruppe kollaborierten, aus dem Ausland kamen: Nathalie du Pasquier aus Frankreich, Michael Graves aus den Vereinigten Staaten, Hans Hollein aus Deutschland, Shiro Kuramata aus Japan. Es wurde deutlich, das diese Ästhetik nicht nur mit Italien verbunden war.
Der Erfolg von Memphis war enorm, was Alberto Bianchi Albrici, Eigentümer des Memphis Studios seit Mitte der 1990er Jahre, wie folgt erklärte: "Memphis brach mit allem bisher Dagewesenen". Tatsächlich gab es bei der Eröffnung der Ausstellung beim Salone del Mobile einen enormen Andrang. Martine Bedin erinnert sich: "Als wir ankamen, herrschte ein dichtes Gedränge und Ettore dachte, es müsse sich um einen Terroranschlag handeln. Kurz darauf erfuhren wir jedoch, dass die Leute alle wegen uns dort waren."
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Die 56 Stücke der ersten Kollektion (Lampen, Stoffe, Möbel) waren bunt, übertrieben und beinahe kitschig. Gegen alle Gesetze des modernen Designs eines Ludwig Mies van der Rohe aufbegehrend, hatte die Memphis Group eines der ersten Beispiele der Postmoderne geschaffen: Funktionalität rückte in den Hintergrund zugunsten von visueller Übertreibung. Die verwendeten Materialien (wie beispielsweise Plastiklaminat oder venezianisches Terrazzo) waren eher minderwertig. Als ironische Anspielung auf klassische Eleganz und Modernität, erhielten die Stücke die Namen der luxuriösesten Hotels der Welt: Bücherregal Carlton, Kabinett Casablanca oder der Tisch Plaza.
Alles sollte zu seiner Zeit geschehen und enden, wenn die richtige Zeit vorbei ist. Das genügt.
Viele berühmte Leute verliebten sich in die Möbel der Memphis Group. Zu den größten Enthusiasten zählten David Bowie und Karl Lagerfeld, deren Sammlungen 2016 bzw. 1991 bei Sotheby's versteigert wurden. Der Erfolg der Memphis-Designs bedeutete jedoch nicht nur den kommerziellen Erfolg für seine Schöpfer, vielmehr definierte er die Ästhetik der 1980er Jahre.
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Durch die Designs der Memphis Group entwickelte sich die Ästhetik der 1980er Jahre zu einem Gemisch aus leuchtenden Farben, bizarren Mustern, geometrischen Formen und Kitsch. Das erste MTV-Logo und Szenen aus Zurück in die Zukunft sind nur zwei Beispiele für den Einfluss des Memphis-Stils auf die Popkultur.
Dennoch löste sich die Gruppe 1988 auf. Sottsass war bereits drei Jahre zuvor eigene Wege gegangen, da er befürchtete, Memphis könne ihn für den Rest seines Lebens zu sehr beeinflussen: "Es war ein Phänomen, das aus den kulturellen und politischen Umständen hervorgebracht worden war – Umstände, die es heute nicht mehr gibt. Alles sollte zu seiner Zeit geschehen und enden, wenn die richtige Zeit vorbei ist. Das genügt."
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Trotz ihrer kurzen Lebensdauer, hat der Einfluss der Gruppe nie wirklich aufgehört zu existieren. Abgesehen von den 1990er Jahren ist das Interesse an Memphis ungebrochen. Beispielsweise verwendete das Modelabel Miu Miu Muster von Nathalie du Pasquier für seine Frühjahr/Sommer-Kollektion 2005. Noch deutlicher kehrte die Memphis Group jedoch in den letzten Jahren ins Rampenlicht zurück - dank des steigenden Interesses an italienischem Design und der Neubegeisterung für die 1980er Jahre: 2014 brachte American Apparel eine von Nathalie du Pasquier entworfene Kollektion auf den Markt, Valentino ließ sich für seine Kollektion 2017 vom Design des Kollektivs inspirieren, und 2018 präsentierte Adidas die ZX Memphis-Schuhe.
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Dieses Interesse wird auch durch Auktionen bestätigt, bei denen die Rekordpreise für Gio Ponti mit solchen für Stücke von Ettore Sottsass und seinen Teamkollegen Hand in Hand gehen. Auch kam es zu speziellen Auktionen, wie "Repertorio Sottsass" bei Artcurial im Jahr 2018, bei denen kaum ein Stück unverkauft blieb es so mancher Rekord aufgestellt wurde.
Auch wenn man es in den 1980er Jahren vielleicht nicht ahnte, aber Memphis kam, um zu bleiben.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 8. Januar 2019










