Barbara Kruger (*1945) wuchs in einer Arbeiterfamilie in Newark, New Jersey auf. In ihrer Kindheit war sie umgeben von Armut und extremer Rassentrennung, was sich später auf ihr Werk auswirken sollte. In einem ihrer seltenen Interviews mit Art21, erklärte sie, wie stark ihre Kindheit ihr verdeutlichte, dass „der Ort unserer Geburt, die Dinge, die wir haben und die, die uns vorenthalten werden, definieren, wer wir sind“.
Nach der Highschool studierte Kruger an der Syracuse University, die sie jedoch wieder verließ, als ihr Vater starb. Stattdessen schrieb sie sich 1965 an der Parsons School of Design ein, wo sie der Fotografin Diane Arbus und dem Grafikdesigner Marvin Israel begegnete, die sie ermutigten, Kunst und deren Präsentation auf andere Weise wahrzunehmen.

Doch auch die Parsons School verließ Kruger bereits nach einem Jahr. Nachdem sie zunächst als Bausekretärin und Telefonistin gearbeitet hatte, erhielt sie einen Job beim Verlag Condé Nast in der Designabteilung der Zeitschrift Mademoiselle. Nach nur einem Jahr erhielt sie den Posten der leitenden Designerin des Magazins. Sie schnitt Bilder zu und wählte die Hintergründe aus, was ihre späteren Kunstwerke stark beeinflussen sollte. Doch auch hier stellte sie schnell fest, dass dies nicht der Karriereweg war, den sie gehen wollte, da sie es als schwierig empfand, „das Image von jemand anderem perfekt aussehen zu lassen“.
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Krugers erste Kunstwerke unterschieden sich stark von ihren späteren, bekannteren Arbeiten. Zu Beginn ihrer Karriere konzentrierte sie sich auf die Arbeit mit Stoffen, Garn und anderen Bastelmaterialien, aus denen sie große Wandbehänge schuf. 1977, im Alter von 32 Jahren, begann sie Architektur zu fotografieren. Diese Außenaufnahmen von Häusern fügte sie zu einem Buch zusammen, das außerdem ausgedachte Geschichten über die Bewohner der Häuser enthielt.
Das sind nur in der Luft schwebende Fragen, die wir uns manchmal stellen – und Fragen, die wir nicht stellen, es aber sollten.

1979 begann Barbara Kruger mit „gefundenen“ Bildern aus Zeitschriften und anderen Quellen zu verwenden, denen sie Textcollagen beifügte und so die Vertrautheit von Werbung mit der Kommerzialisierung von Galerie-Kunst verschmelzen ließ. Es war der Beginn ihres persönlichen Stil, für den sie schon bald auf der ganzen Welt bekannt wurde.
Ihre bekanntesten Werke erinnern an Werbeplakate aus den 80er Jahren mit ihren Texten und Bildern, die den Betrachter provozieren sollten – um diese Wirkung zu verstärken, wählte sie zudem die Signalfarbe Rot als Umrandung der Slogans. Mit ihrer Kunst spricht sie Themen wie Macht, Werte und Konsum an auf eine für das Publikum leicht zugängliche Weise, die sie von den verschlüsselten Codes unterschiedet, die so manchem gelobtem Kunstwerk zu eigen sind.
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Ihr Ziel ist es, den Betrachter mit unbequemen Fragen zu stimulieren, wenn nicht sogar zu nerven. Auf die Sätze, die sie über die Bilder schreibt, angesprochen, erklärte Kruger in dem Interview mit Art21: „Das sind nur in der Luft schwebende Fragen, die wir uns manchmal stellen – und Fragen, die wir nicht stellen, es aber sollten“.

Kruger möchte den Betrachter an soziale und politische Probleme heranführen, die unsere derzeitige Gesellschaft betreffen. Vor Kurzem griff sie ihr bekanntes Werk Your Body is a Battleground von 1989 wieder auf, nachdem die rechts gerichtete polnische Regierung, die ohnehin schon strengen Abtreibungsgesetze des Landes verschärft hatte. Das neue Gesetz löste einen Aufschrei und massive Proteste aus und Krugers Plakat wurde zur visuellen Erinnerung an die Unterdrückung, die Frauen jeden Tag erfahren. Gegenüber The Art Newpaper erklärte Kruger, dass „der dringende und mutige Protest von marginalisierten, entmachteten und neu ermächtigten Körpern eine beharrliche Bedrohung für die dominanten und extremistischen Choreografien von Religion, Macht und Politik in Polen ist. Die dreiste Heuchelei der Kirche und ihr vorhersehbarer Faustschlag mit der politischen Rechten sorgen für einen grotesken Tanz männlicher Bindung und entschlossenem Machtmissbrauch“.
Es war nicht das erste Mal, das Your Body is a Battleground gegen Machtmissbrauch und die Diskriminierung von Frauen eingesetzt wurde. Als es 2017 auf dem Women’s March on Washington zu sehen war, war es bereits fast dreißig Jahre alt. Der Kampf für Frauenrechte ist auch heute noch ein Thema und Kruger nennt diesen endlosen Kampf „tragisch“, aber auch „vorhersehbar“.
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Das Bild des weiblichen Gesichts und die große Schrift heben die soziale und politische Unterdrückung hervor, unter der Frauen noch immer zu leiden haben. Doch es steht auch für den andauernden Kampf gegen diese Probleme und das Erstarken der Frauen und ihrer Körper.
2016 gestaltete sie das Cover der Wahl-Ausgabe des New York Magazine mit einer Nahaufnahme von Donald Trump und dem Wort LOSER in Großbuchstaben darüber geschrieben, womit sie eine starke politische Position gegen den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten einnahm.

Kruger hat in der Kunstwelt mit ihren politisch-geladenen Slogans einen Eindruck hinterlassen. Man begegnet ihnen auf Biennalen und in Museen, aber auch in Skaterparks. Außerdem inspirierten sie das Logo der Marke SUPREME. Heute werden ihre Werke in Museen wie The Broad in Los Angeles und dem MoMA und dem Guggenheim in New York ausgestellt. Ihr unverwechselbares Werk und ihr ermutigenderer feministischer Blick haben sie zu einer begehrten Kunstlehrerin gemacht, die ihr Wissen an Studentinnen und Studenten der University of California, Los Angeles (UCLA) weitergibt.
Barbara Krugers großformatige Bilder sind auch auf dem Auktionsmarkt erfolgreich. So wurde Untitled (When I hear the word culture I take out my checkbook) von 1985 im Jahr 2011 bei Christie’s für 648.898 Euro versteigert. Und im vergangenen Jahr erzielte Untitled (Don't Shoot) vom 2013, ebenfalls bei Christie’s, 575.100 Euro.
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