Diesen Monat kollaboriert das Hôtel des Ventes de Monte-Carlo mit seinen Kollegen von Christie's, um die verbliebenden Kunstschätze der ehemaligen Residenz des belgischen Königs Leopold II. in Saint-Jean-Cap-Ferrat zu versteigern. Der 14 Hektar große Besitz an der Côte d’Azur, auf dem der König der Belgier einst seine heimliche Geliebte residieren ließ, ging zunächst in den Besitz des englischen Lords Sir Edward Cassel über, bevor es 1922 von Alexandre Marnier Lapostolle, dem Schöpfer des gleichnamigen Likörs, erworben wurde.
Auch jetzt wechselt das Anwesen wieder seinen Besitzer, weshalb HVMC und Christie's gemeinsam den Auktionshammer schwingen werden, um die an diesem geschichtsträchtigen Ort versammelten Kunstwerke, Möbel und dekorative Objekte zu versteigern.

Die Auktion beginnt am 27. November um 11 Uhr mit Objekten aus dem luxuriösen Roten Salon der Villa, darunter fünf polychrom gefasste und teilvergoldete Säulen aus dem 18. Jahrhundert. Drei dieser Säulen werden von einem geflügelten, zwei von einem sitzenden Amor bekrönt. Ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt eine Folge von fünf Ölgemälden der Französischen Schule mit biblischen Szenen, aus dem 19. Jahrhundert hingegen ein bemerkenswerter Schreibtisch aus furniertem Rosenholz.

Zu den Schätzen des Gelben Salons gehört Diana die Jägerin, ein hervorragendes Ölgemälde der Nordeuropäischen Schule des 17. Jahrhunderts, das in einen geschnitzten und vergoldeten Rahmen des 18. Jahrhunderts gespannt wurde. Eine dekorative Urne aus Biskuit-Porzellan des 19. Jahrhunderts, die eine Sèvres-Marke trägt, rundet das Angebot ab. Im Stil Clodions sind auf dem Gefäß in einem Garten mit Amor spielende Frauen im Hochrelief abgebildet. Schließlich sucht auch eine außergewöhnliche Reihe großformatiger Allegorien von Herman Richi einen neuen Besitzer.
Die Auktion umfasst über 80 Lose, die den Interessenten in das Leben historischer Persönlichkeiten versetzen, die der Villa Les Cèdres, ehemals Villa Les Oiseaux gennant, ihren unnachahmlichen Charme verliehen haben: "An diesem Ort am Ende der Welt, beinahe wild, fanden die ehemaligen Bewohner ihren Rückzugsort... so auch wir, die die letzten Besucher sind, die die Stille des Parks genießen, die nur vom Zwitschern der Vögel gestört wird." (Franck Baille, Direktor des Hôtel des Ventes de Monte-Carlo)

Eine weitere Auktion, die am Nachmittag des 27. November stattfinden wird, wird mit einer Zeichnung von Étienne Dumonstier von 1573 eröffnet. Lange Zeit wurde die Arbeit François Quesnel zugeschrieben, dann aber doch dem Œuvre Étienne Dumonstiers, Sohn des Malers und Kupferstechers Geoffrey Dumonstier, der der Schule von Fontainebleau angehörte, zugeordnet. Étienne spezialisierte sich bereits in jungen Jahren auf Portraits und trat 1565 in den Dienst der Königinmutter Caterina de’ Medici, bevor er 1576 Hofmaler und Kammerherr von König Henri III. wurde. Dumonstiers vorliegende Arbeit zeugt von einer beeindruckenden technischen Meisterschaft und einem ausgeprägten Gespür für Licht und markante Schatten.

Die Ansicht des Marktplatzes in Venedig, die von den Vedutenmalern sehr geschätzt wurde, wurde von Francesco Guardi beinahe 50 Mal aus verschiedenen Blickwinkeln und zu unterschiedlichen Tageszeiten festgehalten, wodurch die dargestellten Elemente durch die verschiedenen Lichtverhältnisse stets eine veränderte Charakteristik aufweisen. Ein dem vorliegenden Werk ähnliches Gemälde ist Teil der Sammlung J. Johnson im Museum of Art in Philadelphia. Rezensiert wurde Guardis Vedute vom Kunstexperten Éric Turquin.

Dieses Gemälde von 1900 trägt die Signatur von Franz Aleksejewitsch Roubaud, einem ukrainischen Maler französischer Herkunft, der sich auf Schlachtengemälde, Kosakenportraits und Panoramen spezialisiert hatte. Das vorliegende Gemälde zeigt jenen Moment des Russisch-Kaukasischen Krieges von 1864, nachdem die Waffen niedergelegt wurden und der Gouverneur des Kaukasus die Friedenserklärung vor den Truppen verliest.

Ein besonders schönes Möbelstück der Offerte ist ein Hochzeitsschrank von Thomas Hache, den dieser um 1690/95 in Chambéry, im damaligen Herzogtum Savoyen ausgeführt hat. Bekannt für seine fast ausschließliche Verwendung von Alpenhölzern, grafischen Effekte und Erfindung neuer Bearbeitungstechniken, die den Pariser Möbeltischlern noch völlig unbekannt waren, wurde Hache 1721 vom damals in Frankreich regierenden Herzog von Orléans mit dem Brevet d'Ebénisterie ausgezeichnet. Mit seinen reichen floralen Intarsien ist der vorliegende Schrank einer der aufwändigsten Arbeiten des genialen Möbeltischlers.

Die Bronze La joueuse de flûte von Camille Claudel ist das erste Exemplar einer achtteiligen Edition, die die Virtuosität der Künstlerin, komplexe Posen und Texturen darzustellen, unter Beweis stellt. Von ihrer Musik mitgerissen, zeigt die junge Frau einen Ausdruck, der so intensiv ist, dass man die von ihr gespeilte Melodie beinahe wirklich zu hören glaubt.

Die Offerte der dekorativen Kunstobjekte beinhaltet ein Paar monumentaler Vasen im "Gatsby-Stil". Die erstaunlichen Objekte wurden um 1940 in Italien hergestellt. Die mit geometrischen Mustern versehen Vasen ruhen auf verspiegelten Sockeln und bringen es auf eine Gesamthöhe von 2,22 Metern.

Unseren Auktionsbericht möchten wir nun mit einem Buch von hohem Wert beschließen: ein seltenes Zeugnis zum Entwurf des Casino de Monte-Carlo, das 1880 von Charles Garnier, dem Architekten der Pariser Oper, erbaut wurde. Die Ausgabe beinhaltet 31 Tafeln, die nach den Originalplänen Garniers lithografiert wurden. Dargestellt sind Aufrisse und architektonische Details des Casinos. Von dem Album ist nur ein weiteres Exemplar bekannt, Dasein der Bibliothek der Pariser Oper aufbewahrt wird.
Die Autkionen finden am 27. November um 11 Uhr und 14:30 Uhr im Hôtel des Ventes de Monte-Carlo in Monaco statt. Alle Lose können Sie gleich hier entdecken!



