Die Sammlung von Jean und Huguette Ramié zeugt von einer entscheidenden Phase in Picassos Karriere, als dieser 1948 nach Vallauris ging und sich dort mit Leib und Seele der Keramikkunst verschrieb. Die Liebe zu dieser Disziplin hatte der Maler zwei Jahre zuvor auf der jährlichen Ausstellung der Ramiés entdeckt, wo er auch auf das Ehepaar Georges und Suzanne Ramié und einige Keramikhandwerker traf. Die Ramiés erlaubten es ihm, in ihrer Werkstatt "Madoura" die ersten Versuche zu unternehmen – 4.000 weitere sollten folgen.

Picasso ließ sich 1948 in Vallauris nieder, wo er in enger Verbindung mit dem dort ebenfalls ansässigen Fotografen und Bildhauer Michel Sima stand. Die Madoura-Werkstatt bot ihm die Möglichkeit, seine Praxis zu entwickeln und Keramik mit Malerei, Skulptur und Gravur zu kombinieren. Weit davon entfernt, die Malerei als weniger bedeutende Disziplin zu betrachten, widmete er ihr denselben kreativen Prozess, den er auch seinen Gemälden angedeihen ließ. Er forscht, erprobt, trifft unerwartete Entscheidungen und dekoriert Teller um Teller mit Themen, die ihm am Herzen liegen: Faune, Vögel, Toreros, Porträts seiner Museen usw. In dieser äußerst produktiven Zeit, die bis 1955 andauerte, entstand eine beeindruckende Sammlung von Objekten und skulpturalen Werken.

Einige Keramiken gingen in Serie, mit 25 bis 500 Exemplaren. Mit Hilfe des Ehepaares Ramié wählte Picasso dafür 633 Modelle und Drucke aus und vertraute für die Ausführung ausschließlich der Madoura-Werkstatt, deren offizieller Künstler er 1967 wurde.
Zu Georges und Suzanne Ramié gesellte sich bald ihr ältester Sohn Jean, der sich schon während seiner Schulzeit mit den Abläufen in der Werkstatt vertraut machte. 1951 wurde er Teil des Madoura-Teams. Dem Team gehörte auch Huguette Douly, Jeans zukünftige Ehefrau, an, die in der Werkstatt das Übertragen von Siebdrucken auf die Gemäße oder das Anbringen von Griffen und Stempeln erlernte.

Jean und Huguette verliebten sich ineinander und gingen am 27. Februar 1951 im Beisein von Pablo Picasso und dessen damaligen Lebensgefährtin Françoise Gilot den Bund der Ehe ein. Das junge Ehepaar stand in enger Verbindung mit dem Maler und es mangelt nicht an Zeugnissen, die das belegen. So stand Picasso beispielsweise eines Tages vor der Haustür des Paares und verkündete: "Ich habe beschlossen, eure Küche neu zu streichen." 1967 schenkte er ihnen zudem ein Set aus 70 Keramikfliesen mit dem Titel Jeux de cirque. Acht Jahre zuvor hatte Picasso Huguettes enge Freundin Jacqueline Roque geheiratet.

Jetzt lassen die vier Kinder von Jean und Huguette die Sammlung ihrer Eltern, die 1997 und 2020 verstorben sind, versteigern. Die Auktion findet am 17. März bei Tajan statt und umfasst rund 60 Lose, zu denen neben Werken von Picasso auch Arbeiten von Henri Laurens, Victor Brauner und Alberto Magnelli gehören.
Zu den Top-Losen gehört das Ölgemälde Tête de mousquetaire von 1967, für das Picasso eine von ihm nur selten verwendete Palette aus zarten Grau-, Elfenbein- und Weißtönen wählte. Das Musketiermotiv schlich sich 1966 in Picassos Œuvre ein und verdrängte die in den Jahren zuvor von ihm bevorzugten Harlekine und Akrobaten.

Ebenfalls hervorgehoben werden müssen eine auf einem Notizbuchblatt gezeichnete Bleistiftskizze mit dem Titel Le Peintre et son modèle, mit der er den Akt des Malens selbst inszenierte (wie Picasso selbst sagte, "kein Maler ohne Modell"), sowie Tête de jeune homme barbu von 1967, das die Widmung "Pour Jean Ramié" trägt.

Die Keramik-Offerte begeistert mit dem einzigartigen Teller Colombe, einigen Jean Ramié gewidmeten Schälchen und Kacheln sowie weiteren wunderschönen Kreationen mit dem Künstler wichtigen Themen, darunter die Vase Hibou, der Krug Centaure et visage sowie der Krug Chouette.
Eine vom verträumten Künstler Marc Chagall 1962 aus Gips angefertigte Arbeit darf keinesfalls unerwähnt bleiben. Victor Brauner ist in der Offerte zweimal vertreten, während der abstrakte Maler Alberto Magnelli mit einer auf einer Schieferplatte ausgeführten Gouache von 1940 hervorsticht. Die Arbeit entstand zu einer Zeit, in der die Abstraktion des Künstlers immer strenger, rhythmischer und bunter wurde.

Die Sammlung von Jean und Huguette Ramié erweckt eine Ära zum Leben, einen Abschnitt in der Geschichte von Vallauris und vor allem die Freundschaft zwischen der Familie Ramié und einem der größten Meister der modernen Kunst. Die Auktion findet am 17. März 2021 um 16 Uhr bei Tajan statt.
Sämtliche Hinweise zu den aktuellen Hygienemaßnahmen finden Sie auf der Website des Auktionshauses.



