Für die Wiener Kunstszene begann das Jahr 1918 denkbar schlecht, als am 6. Februar mit Gustav Klimt (*1862) einer der großen Künstler der Wiener Secession, im Alter von 55 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Seine Gemälde und Dekorationen gehören zu den eindrucksvollsten Werken des Jugendstils, die in der Belle Époque in der österreichischen Hauptstadt entstanden.
1897 hatte Klimt gemeinsam mit anderen Künstlern, darunter Koloman Moser, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich, die Wiener Secession gegründet, die eine Erneuerung der vom schwülstigen Historismus geprägten Kunstszene Wiens anstrebte. Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung erhielt die Bewegung mit dem von Olbrich entworfenen Wiener Secessionsgebäude eine eigene Ausstellungshalle. 1902 folgte dort die Präsentation von Klimts kontrovers diskutiertem Beethovenfries.

Die Wege Gustav Klimts und der Secessionsbewegung trennten sich 1905 und Klimt schloss sich dem Deutschen Künstlerbund an. Viele seiner bekanntesten Werke entstanden in den folgenden Jahren, darunter Der Kuss, Danaë sowie die Porträts der Adele Bloch-Bauer.
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Bereits am 11. April musste Wien mit dem Dahinscheiden des Architekten und Stadtplaners Otto Wagner (*1841) den nächsten Verlust verkraften. In der gleichen Epoche, in der auch Gustav Klimt aktiv gewesen war, hatte Wagner mit Gebäuden mit Jugendstilfassaden entschieden zur Erneuerung des Wiener Stadtbildes beigetragen.

Zu Beginn seiner Karriere in den 1860er Jahren, nachdem er in Berlin und Wien studiert hatte, stand die Hauptstadt der k.u.k.-Monarchie ganz im Zeichen des Historismus, der vor allem in den Prachtbauten an der neuen Ringstraße zum Tragen kam. Auch die Entwürfe Wagners aus dieser Zeit und den folgenden Jahrzehnten sind von diesem eklektischen Stil geprägt.
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Wagners Stil änderte sich in den 1890er Jahren. Vermehrt nahm er Elemente des Jugendstils in seine Entwürfe auf, die mit den Wienzeilenhäusern von 1898/99 besonders deutlich wurden. Otto Wagners Gebäude des frühen 20. Jahrhunderts wiesen bereits eindeutige Züge moderner Architektur auf, wofür das Gebäude der Wiener Postsparkasse von 1906 ein sehr gutes Beispiel ist.

Einige der Dekorationen an Wagners Wienzeilenhäusern stammen von Koloman Moser (*1868), der am 18. Oktober 1918 im Alter von 50 Jahren in seiner Heimatstadt Wien verstarb. Neben seiner Arbeit als Maler und Grafiker, war es vor allem der Kunsthandwerker Moser, der für das Wien der Jahrhundertwende von großer Bedeutung war.
Wie bereits erwähnt, gehörte Moser 1897 zu den Gründungsmitgliedern der Wiener Secession. Auch für das Ausstellungsgebäude der Künstlergemeinschaft entwarf er den Fassadenschmuck. Zwei Jahre später nahm er eine Lehrtätigkeit an der Wiener Kunstgewerbeschule an.
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Das Kunstgewerbe war seine vorrangige Passion, für die ihm in Österreich eine ähnliche Entwicklung vorschwebte, wie es das Arts & Crafts-Movement in England vorgemacht hatte: Die Qualität der Entwürfe und der für ihre Ausführung verwendeten Materialien sollten im Vordergrund stehen. Diesen Gedanken folgte 1903 die Gründung der Wiener Werkstätte zusammen mit Josef Hoffmann und Fritz Waerndorfer, die eng mit der Secession und der Kunstgewerbeschule zusammenarbeitete.
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Mit dem Tod Gustav Klimts am 6. Februar 1918 war sozusagen die Position des "ersten Malers von Wien" frei geworden. Als möglicher Nachfolger wurde der 27-jährige Egon Schiele (*1890) gehandelt, der zu jenem Zeitpunkt gerade seinen Wehrdienst in der österreichischen Hauptstadt ableistete, genauer gesagt im Heeresmuseum, wodurch ihm nebenbei genügend Zeit zum Malen und Zeichnen blieb.

Viel Zeit zum Ausbau dieser Position war Schiele jedoch nicht vergönnt, da er bereits am 31. Oktober 1918 an der damals in Europa grassierenden Spanischen Grippe verstarb. Er hinterließ zahlreiche Zeichnungen, Skizzen und Gemälde sowie die Frage, was er noch alles hätte vollbringen können.
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Zum Zeitpunkt seines Todes hatte Schiele eine große Entwicklung durchlebt. Zu Beginn seiner Karriere orientierte sich sein Stil noch sehr an dem Gustav Klimts, der ihm Vorbild und Mentor war. Später erfolgte die Hinwendung zum Expressionismus. In den Zeichnungen jener Zeit, die häufig leichtbekleidete oder nackte Frauen in eindeutigen Postionen zeigten, kam die Genialität Schieles in einer präzise und fast schon brutal ausgeführten Linienführung voll zum Tragen. Wenige Jahre vor seinem Tod, Egon Schiele hatte mittlerweile geheiratet, hielt eine größere Sanftheit in seinen Werken Einzug, die den gereiften Maler bereits erahnen ließ.




