Am 11. Dezember 2018 wurde bei Sotheby’s in London ein antiker Toi-et-moi-Ring versteigert, den ein brauner und ein weißer Diamant von 2,19 ct bzw. 1,85 ct zieren. Der Schätzpreis hatte bei 5.000-7.000 GBP gelegen, verkauft wurde das Schmuckstück schließlich für 43.750 GBP. Der Grund für diese erstaunliche Preissteigerung ist in der Provenienz des Ringes begründet, denn er zierte einst einen Finger von Adele Bloch-Bauer, die als Gustavs Klimts „Dame in Gold“ Berühmtheit erlangt hat.

Adele war 1881 als Tochter des Eisenbahn- und Bankdirektors Moritz Bauer in Wien zur Welt gekommen, wo ihre Familie dem jüdischen Großbürgertum angehörte. Als sie 18 Jahre alt war lernte sie auf der Hochzeit ihrer Schwester den Zuckerfabrikanten Ferdinand Bloch, den Bruder des Bräutigams, kennen. Ihre Eltern wünschten diese Verbindung, sodass Adele den um siebzehn Jahre älteren Ferdinand noch im selben Jahr heiratete.
Die Ehe wird meist als unglücklich beschrieben, doch entschied man sich dafür, dass beide den Doppelnamen Bloch-Bauer führen wollten und zudem teilten Adele und Ferdinand ihre Liebe zur Kunst. Vor allem Adele fand als Mäzenin ein Betätigungsfeld, das ihr sehr am Herzen lag. Sie war mit Schriftsteller Arthur Schnitzler und Psychoanalytiker Sigmund Freud bekannt und galt als komplexe Persönlichkeit, die sich mit den modernen Aspekten der Künste ihrer Künste auseinandersetzte und enthusiastisch förderte.
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Vielleicht waren es die beiden Frühgeburten, die sie erlitt, sowie der frühe Tod eines dritten gemeinsamen Kindes, wodurch sich die Eheleute entfremdeten. Doch suchte Adele Trost in den Armen eines anderen Mannes? Tatsächlich wäre Gustav Klimt (1862-1918) ein geeigneter Kandidat gewesen, denn er war, was Charme und Anziehungskraft auf das andere Geschlecht anging, umfassend ausgestattet – nicht zuletzt bewiesen durch seine mindestens sieben unehelichen Kinder.
Adele und Ferdinand führten in ihrer Wiener Residenz einen Salon, der von namhaften Künstlern, Komponisten und Literaten frequentiert wurde. Gustav Klimt war einer von ihnen. 1903 war es Ferdinand, der ein Porträt seiner Frau bei Klimt in Auftrag gab, welches er seinen Schwiegereltern schenken wollte. Klimt führte mehr als 100 Skizzen an, erhielt aber die entscheidende Anregung auf einer Reise nach Ravenna, wo er in der Basilika San Vitale die goldgrundigen Mosaikporträts des Kaiserpaares Justinian I. und Theodora sah. Klimt, der sich ohnehin gerade in seiner „Goldenen Phase“ befand, war sofort inspiriert.
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Und so wurde das Porträt Adele Bloch-Bauer I zu einer Liebeserklärung an das edle Metall. Aber auch an Adele? Die Dargestellte wirkt zart und unnahbar in ihrer goldglänzenden Umgebung, in der Kleid, Sessel und Hintergrund miteinander verschmelzen, und die von erotisch angehauchten, geheimnisvollen Symbolen bevölkert ist.

Es war nicht das erste Porträt, das Klimt von Adele Bloch-Bauer malte. Bereits zwei Jahre zuvor stand sie ihm für Judith und Holofernes, auch als Judith I bekannt, Modell, welches als das erotischste Bild des Künstlers gilt. Hier sehen wir eine dunkelhaarige Frau mit kaum verhüllten Oberkörper, die den Betrachter von oben herab mit laszivem Blick taxiert. Würde man für ein solches Gemälde nicht eine Frau als Modell wählen, mit der einen mehr verbindet, als ein kühler Händedruck? Nicht unbedingt, denn gerade die Unnahbarkeit, die hier von Judith, oder vielmehr Adele, ausgeht, könnte eher dafür sprechen, dass bei der Darstellung der Wunsch der Vater des Gedanken war.
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Der Ausdrucks Adeles in dem Gemälde könnte bis zu einem gewissen Grad auch einfach der Realität entsprochen haben, denn die Nichte der Dargestellten, Maria Altmann, die 2006 die Restitution von fünf Klimt-Gemälden, darunter Adele Bloch-Bauer I und II (1912), erwirkt hatte, die ihrer Familie während der NS-Zeit enteignet worden waren, beschrieb ihre Tante als kränklich und zart, aber auch eher kalt und arrogant. Vielleicht wählte Klimt Adele also gerade deshalb als Modell.

Ein weiterer Versuch, Adele und Gustav eine Liebschaft „anzuhängen“, wurde mit Klimts berühmtesten Werk, Der Kuss (1908/09) unternommen. Die beiden Protagonisten sehen auf dem fertigen Gemälde zwar ganz anders aus, auch einigen Vorstudien und Skizzen dazu jedoch schon.
Daran zu glauben, dass Adele Bloch-Bauer und Gustav Klimt tatsächlich ein Liebespaar waren, bleibt also nach wie vor jedem selbst überlassen. Sollte eines Tages jedoch doch noch ein handfester Beweis auftauchen, könnten Erinnerungsstücke wie der eingangs erwähnte Ring, in Zukunft noch viel höhere Preise auf dem Auktionsmarkt erzielen.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 31. Dezember 2018






