Nur wenige historische Persönlichkeiten lassen sich anhand ihrer Hüte identifizieren wie Napoleon Bonaparte. Der Zweispitz, der ursprünglich Reiter entworfen worden war, wurde im späten 18. Jahrhundert zum Standardhut für den Mann. Dennoch schaffte es Napoleon, dass dieses einheitlich gängige Hutmodell untrennbar mit ihm in Verbindung gebracht wird.
Napoleon begann um 1799 damit, Zweispitze zu tragen. Eigentlich trug man die Hüte mit einer Spitze vorn und einer Spitze hinten. Der zukünftige Kaiser wählte jedoch eine andere Variante mit den Spitzen über seinen Schultern. Dadurch war es seinen Soldaten möglich, ihn auf dem Schlachtfeld sofort zu erkennen. So wie der Duke of Wellington, der den Kaiser bei Waterloo besiegte, es sagte: „Auf dem Schlachtfeld ist sein Hut vierzigtausend Männer wert.“

Von den 120 Zweispitzen aus Filz, die der Pariser Hutmacher Poupart & Cie. für Napoleon anfertigte, haben nur 20 bis 30 bis heute überlebt. Das Exemplar, das Bonhams im Oktober versteigern wird, wird von Experten als „Hut der Winterfeldzüge“ bezeichnet und wurde von Napoleon nachweislich 1806 bei den Schlachten von Jena und Auerstedt getragen. Zudem soll er der einzige Hut des Kaisers sein, auf dem sich Spuren von dessen DNA befinden.
Dies ist eine sehr aufregende und bedeutende Entdeckung.
Auch die weitere Provenienzgeschichte des Zweispitzes ist faszinierend: Er stammt aus der Sammlung des deutschen Kostümdesigners Leopold Verch, der nicht der der führende Großhändler für Theater- und Filmkostüme in Deutschland war, sondern auch offizieller Lieferant des preußischen Königshofes. Auf seinen Reisen durch Europa hatte Verch eine große Sammlung von Kleidung und Hüten zusammengetragen, die er als Vorlagen für seine Kostüme verwendete. Der Zweispitz aus dem Auktionskatalog, den er vermutlich auf einer dieser Reisen erstanden hatte, trägt auf der Innenseite eine Reihe unterschiedlicher Kennzeichnungen, darunter die Beschriftung „Original Napoleon I“, die auf eine direkte Herkunft vom Kopf Bonapartes schließen lässt.

Untersuchungen des im Pariser Hôtel des Invalides beheimateten Musée de l’Armée haben bestätigt, dass die Maße und das Alter des Hutes mit den bekannten Zweispitzen Napoleons übereinstimmen. Auch das lederne Kopfband, mit dem derartige Hüte normalerweise ausgestattet waren, wurde entfernt, so wie Napoleon es auch bei anderen Hüten getan hatte, da er die Bänder unbequem fand.
Dann erfolgte die DNA-Analyse durch Professor Gérard Lucotte, jener Molekulargenetiker, der Napoleons DNA vor zehn Jahren erstmals identifizierte. Dank der Spektroskopie (die Untersuchung der Farbe im elektromagnetischen Spektrum), konnte Lucotte Haare mit der DNA Napoleons im Zweispitz identifizieren. Bonapartes Genmaterial konnte auch in Proben von der Innenseite des Hutes nachgewiesen werden. Das alles bestätigt, dass dieser Zweispitz der einzige erhaltene ist, der vom Kaiser „gut getragen“ worden war. Zudem entspricht der Filz jenem Material, aus dem andere offizielle Kopfbedeckungen Napoleons hergestellt wurden und bestätigt den Entstehungszeitraum im frühen 19. Jahrhundert.
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„Dies ist eine sehr aufregende und bedeutende Entdeckung“, sagt Simon Cottle, Verkaufsleiter bei Bonhams. „Der Zweispitz kann ins frühe 19. Jahrhundert datiert werden, der Biberfilz entspricht genau dem, der auch für andere Hüte von Poupart verwendet wurde, und vor allem steht durch die DNA-Analyse zweifelsfrei fest, dass dieser Hut tatsächlich Kaiser Napoleon gehörte.“
Der Zweispitz wird als eines der Highlights der Auktion „Napoleon Bonaparte: The British Sale“ am 27. Oktober in London mit einem Schätzpreis von 100.000-150.000 GBP (ca. 117.000-175.000 Euro) zum Aufruf kommen. Das Los umfasst auch Kopien der Untersuchung von Professor Lucotte (auf Englisch und Französisch) sowie das Haar, anhand dessen die DNA nachgewiesen werden konnte.

Napoleon trug dasselbe Hutmodell während gesamten 15 Jahre seiner Herrschaft als Konsul und Kaiser. Lediglich die Proportionen variierten ein wenig. Sehr schlicht in Form und Gestaltung ist der Zweispitz untrennbar mit Napoleon verbunden, den man ab 1799 selten ohne diese Kopfbedeckung zu sehen bekam. Auch Gemälde von Horace Vernet, Jean-Léon Gérôme und Jacques-Louis Davids ikonisches Werk Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard zeigen Napoleon mit seinem berühmten Hut im Wandel der Zeit.
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Der Legende nach soll Napoleon 1799 bei dem vergeblichen Versuch, die Stadt Akkon im heutigen Israel einzunehmen, seinen Hut von einer Kanone über die Stadtmauer haben schießen lassen, damit wenigsten ein Teil von ihm in die Stadt gelangen konnte. Das Zitat „Wenn ich nicht hineinkann, soll es wenigstens mein Hut!“ wurde ihm zu diesem Zeitpunkt zugeschrieben.
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