Mit 1338 Losen lässt das Münchener Auktionshaus Hampel am 3. und 4. Dezember das Auktionsjahr 2020 ausklingen. Um diesen Anlass richtig zu würdigen, wurde eine fulminante Offerte zusammengestellt, die alte und moderne Kunst, Antiquitäten und Kunsthandwerk sowie Schmuck und Asiatika vereint.
Das Top-Los der Auktion ist in der Offerte "Moderne Kunst, Impressionisten & Gemälde des 19. Jahrhunderts" zu finden, die am 3. Dezember ab 14 Uhr versteigert wird.

Das Porträt von Frankreichs erstem Romantiker Théodore Géricualt zeigt vermutlich Elisabeth Dedreux, Ehefrau des Malers Alfred Dedreux, der mit Géricualt befreundet war. Das Bildnis entstand vermutlich während Géricaults Aufenthalt in Rom, wo er als Gewinner des Prix de Rome die Alten Meister studierte. Dem Gemälde liegt eine Expertise des französischen Kunstexperten René Millet bei, der es "lobend im Oeuvre des Künstlers hervorhebt".

Vom anderen Ende dieser Epoche stammt ein weiteres Porträt, 1917 ausgeführt von Amedeo Modigliani. Dargestellt ist der Antiquitätenhändler Joseph Altounian (1890-1954), der mit vielen Künstlern des Montmartre befreundet war. Eine besondere Freundschaft verband ihn mit dem Schöpfer des Porträts.

Unter den altmeisterlichen Gemälden, die am selben Tag ab 11:30 Uhr zum Aufruf kommen, sei zunächst auf Jacques-Louis Davids Le Bélisaire hingewiesen, eine Darstellung des ehemaligen römischen Feldherrn Belisar, der der Legende nach als blinder Bettler gestorben sein soll. 1780/81 hatte sich David dem Thema in dem Gemälde Bélisaire demandant l’aumône gewidmet, mit dem die vorliegende Arbeit im Zusammenhang stehen dürfte.

Ein Evergreen unter den Gemälden Alter Meister ist die der Blick auf die Lagunenstadt Venedig. Ein Meister dieser Veduten war Venedigs Sohn Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, der seine Heimat immer wieder porträtierte, um die Bilder an die zahlreichen englischen Bildungsreisenden zu verkaufen, die Jahr für Jahr nach Venedig strömten.

Um die Verwirrung perfekt zu machen, verwendete auch Canals Neffe Bernardo Bellotto den Künstlernamen Canaletto. Zudem widmete auch er sich zunächst den venezianischen Veduten. Später zog es ihn jedoch ins Ausland, wo seine berühmten Ansichten von Dresden und Wien entstanden.

Nicht unerwähnt bleiben darf auch die auf Holz ausgeführte Bekehrung des Saulus von Lucas Cranach dem Jüngeren. Im Vergleich mit einem weiteren Gemälde, bei dem sich der Maler dem Thema widmete, könnte es um 1549 entstanden sein.

Auf einem Gemälde von Sebastian Vrancx hat hingegen niemand vor, sich schnell bekehren zu lassen, denn hier steht das muntere, und bisweilen anzügliche, Treiben auf einem Volksfest im Mittelpunkt, bei dem sich auch Edelleute unter die ländliche Bevölkerung gemischt haben. Im Fluchtpunkt des Gemäldes ist in der die Silhouette einer Stadt zu sehen. Vielleicht Vrancx' Heimatstadt Antwerpen?

Ein spannendes Highlight ist auch dieses Trompe-l'œil-Gemälde des italienischen Barockmalers Andrea Domenico Remps, der ein Spezialist für diese das Auge täuschende Malweise war. Dargestellt ist ein mit allerlei Kuriositäten und Kostbarkeiten bestücktes Wunderkammer-Kabinett. Um den Effekt zu verstärken, wurde dem Keilrahmen eine entsprechende Form gegeben.

Aus einer Wunderkammer scheinen auch einige Highlights der Offerten "Skulpturen & Kunsthandwerk" (3. Dezember, 13 Uhr) sowie "Möbel & Einrichtung, Uhren" (3. Dezember, 10 Uhr) entsprungen zu sein. Hier sei zunächst auf ein bedeutendes Trinkschiff des Augsburger Goldschmiedemeisters Heinrich Winterstein hingewiesen, das von diesem um 1612-16 angefertigt wurde.

Gleichermaßen interessant, wenn auch wesentlich jünger, ist dieser Hippokamp aus Bergkristall mit Silbermontierung, bei dem es sich um eine um 1880 vom Wiener Meister Heinrich Böhm ausgeführte Arbeit handelt.

Unbedingt hervorzuheben ist eine seltene und bedeutende Globusuhr des Pariser Juweliers und Goldschmieds Alexis Falize. Die Kugel, ein Himmelsglobus mit goldenen Sternen und als Flachrelief ausgeführte figürliche Sternbilder, ruht auf den Schultern des aus Silber gegossenen knienden Atlas. Bei dieser außergewöhnlichen Uhr stimmt einfach alles: Der künstlerische Entwurf und die Qualität seiner Ausführung.

Mit einem Gemälde aus der Offerte "Möbel & Einrichtung, Uhren" zu dem ersten Los, das wir Ihnen vorgestellt haben: Das von Giovanni Battista Callegari um 1820 ausgeführte Porträt zeigt ebenfalls eine Dame. In diesem Fall jedoch eine aus dem kaiserlichen Hause Habsburg. Marie-Louise von Österreich war die zweite Gemahlin Napoleons gewesen. Als das Porträt entstand, war Napoleon jedoch bereits entmachtet nach Sankt Helena verbannt worden, während Marie-Louise auf dem Wiener Kongress die Herrschaft über die Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla zugesprochen worden war.
Am 4. Dezember folgen ab 10 Uhr die Auktionen mit Dosen, Russischer Kunst, Schmuck, Silber, Bronzen, Asiatika und weiteren dekorativen Objekten.
Die Versteigerungen finden im Auktionshaus Hampel, Schellingstraße 44, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 28. November bis 1. Dezember möglich.
Entdecken Sie alle Lose der Auktionen gleich hier bei Barnebys!



