Die Versteigerung Alter Meister, die Sotheby's am Abend des 30. Januar in New York abhalten wird, umfasst unter anderem zwei signierte Arbeiten der berühmten Malerin Élisabeth Vigée-Lebrun, die im 18. Jahrhundert als gesuchte Porträtistin Erfolge feierte. Eine der vorliegenden Arbeiten zeigt Mohammed Dervish Khan, der als indischer Gesandeter am Vorabend der Französischen Revolution Versailles besuchte.
Am 16. Juli 1788 trafen drei Gesandte aus Indien, Muhammad Dervish Khan, Akbar Ali Khan und Mohammed Osman Khan, in Paris ein. Für ihren Auftraggeber Tipu Sultan, der über das südindische Mysore herrschte, sollten die Diplomaten mit König Ludwig XVI. einen politischen und militärischen Verbündeten im Kampf gegen die britische Streitmächte in Indien gewinnen. Die Macht des französischen Königs war am Vorband der Französischen Revolution jedoch bereits am Schwinden und zudem hatten Frankreich und Großbritannien nach den amerikanischen Revolutionskriegen 1783 einen Friedensvertrag unterzeichnet.
Nichtsdestotrotz war die Ankunft der drei fremden Gesandten DIE Sensation in Paris und am Hof von Versailles im Sommer 1788. Die Presse und ihre Leser verfolgten jeden Schritt der exotischen Gäste und berichtete mit Vorliebe über deren verschwenderischen Kleidungsstil.
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Im Jahr 1788 befand sich die Künstlerin Élisabeth Vigée-Lebrun auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Ihre beste Kundin war Königin Marie Antoinette, die sie mehrfach porträtiert hatte. Dadurch war die Malerin Teil der mächtigen Elite in Paris und Versailles geworden. Den drei indischen Diplomaten begegnete sie zum ersten Mal bei einem abendlichen Besuch in der Parier Oper. Äußerst angetan von deren faszinierender Erscheinung, beschloss Vigée-Lebrun, die Männer zu malen.
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Durch ihren Dolmetscher gaben die Gesandeten der Malerin zu verstehen, dass es für sie nicht möglich sei, für einem weiblichen Künstler zu posieren, es sei denn, dies würde auf ausdrücklichen Befehl des Königs gesehen. Dank ihrer hervorragenden Beziehungen zum Königspaar, ließ dieser Befehl nicht lange auf sich warten. Voll Enthusiasmus machte sich Élisabeth Vigée-Lebrun an die Arbeit. Sie begann mit dem Porträt Muhammad Dervish Khans und präsentierte diesen "stehend mit der Hand auf seinem Dolch. Die Position wirkte vollkommen einfach und natürlich, dass ich ihn nicht bat, sie zu ändern", erzählte sie später.

Das vollendete Porträt verströmt eine Intensität, wie sie in keinem anderen Porträt Vigée-Lebruns anzutreffen ist. Das mehr als zwei Meter hohe Gemälde wird von der aufrecht stehenden Gestalt des Diplomaten vollständig ausgefüllt und zeigt diesen vor einer hügeligen Landschaft unter blauem Himmel. Gekleidet ist er in einem locker fallenden Gewandt aus weißem Musselin und einer offenen Jacke aus luxuriösem indischen Stoff, für den sich die Franzosen besonders begeisterten. In der Hand hält er einen großen Dolch, dessen Griff und Klinge mit den gleichen Mustern versehen wurden, die auch die Jacke verzieren. Das Porträt drückt gleichermaßen Würde und Extravaganz aus - zwei Eigenschaften, für die der bedeutende Gast aus Indien in Frankreich bewundert wurde.
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Das Porträt Muhammad Dervish Khans sowie jenes seines Kollegen Mohammed Osman Khan, das heute jedoch ls verschwunden gilt, wurden im August 1789, also nach dem Sturm auf die Bastille, im Salon von Paris der Öffentlichkeit präsentiert. Die Porträtierten kehrten im Herbst jenes Jahres in ihre Heimat zurück. Da sie mit Frankreich lediglich ein Handels- aber kein Militärabkommen hatten schließen können, ließ Tipu Sultan sie zur Strafe enthaupten. Tatsächlich hätte ein militärisches Bündnis mit Frankreich für einen anderen Verlauf der Geschichte in Indien sorgen können und Großbritannien hätte auf dem südasiatischen Subkontinent vielleicht eine weit weniger dominante Rolle gespielt.
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Nur zwei Monate nach der bejubelten Präsentation der Porträts musste auch Élisabeth Vigée-Lebrun Frankreich den Rücken kehren. Als Günstling der Königin schlug der Malerin zunehmend Abneigung entgegen. Während ihres zwölf Jahre dauernden Exils reiste sie durch Europa und malte die High Society der Länder, in denen sie sich aufhielt - vor allem in Russland. Auch nach ihrer Rückkehr 1802 in ihre Geburtsstadt Paris reiste Élisabeth Vigée-Lebrun nach England und Belgien, in die Niederlande und in die Schweiz, um zu arbeiten.
Das faszinierende Porträt des Gesandten Muhammad Dervish Khan kommt am 30. Januar mit einem Schätzpreis von 4-6 Millionen USD in New York zum Aufruf.
Update: Vigée-Lebruns Porträt des Muhammad Dervish Khan wurde für 7,2 Millionen US-Dollar (ca. 6,4 Millionen Euro) verkauft.
