Entgegen der Tradition, dass sich der französische Präsident während seiner Amtszeit im Élysée-Palast niederlässt, blieb Valéry Giscard d’Estaing mit seiner Frau Anne-Aymone und den vier gemeinsamen Kindern lieber in seinem Haus in der Rue Bénouville im 16. Pariser Arrondissement wohnen. Das Ehepaar Giscard d’Estaing, das eine große Leidenschaft für die Kunst, Kultur und Raffinesse des 18. Jahrhunderts verband, baute in den 68 gemeinsamen Ehejahren eine hochwertige Sammlung mit Kunstobjekten, Büchern, Porzellan, Uhren, Möbeln und Bronzen mit von prestigeträchtiger Provenienz zusammen. Insgesamt kommen 181 Lose aus den Sammlungen Giscard d’Estaing sowie der Familien Schneider und Brantes, Vorfahren von Anne-Aymone, am 13. Dezember bei Drouot unter den Hammer.

Kunst und Kultur hatten beim Präsidenten oberste Priorität
„Valéry Giscard d’Estaing war ein wahrer Liebhaber von Möbeln des 18. Jahrhunderts, ein Fan Ludwigs XV., ein großer Porzellankenner und ein Experte für Clermont-Ferrand-Steingut“, erklärt das Auktionshaus. Ruft man sich einige der Initiativen des ehemaligen Präsidenten ins Gedächtnis, darunter die Gründung des Musée d’Orsay und des Musée Picasso sowie die Sanierung des Musée des Arts décoratifs, wird deutlich, welche Bedeutung Kunst und das Kulturerbe für Valéry Giscard d’Estaing hatten.
Valéry Giscard d’Estaing war ein wahrer Liebhaber von Möbeln des 18. Jahrhunderts, ein Fan Ludwigs XV., ein großer Porzellankenner und ein Experte für Clermont-Ferrand-Steingut.
Leidenschaft für Möbel des 18. Jahrhunderts
Zu den bedeutendsten Möbeln der Auktion gehört zweifellos ein Schreibtisch aus der Zeit Ludwigs XVI., der über einen seitlichen Aufsatz mit Quecksilberbarometer und Regulator verfügt, welcher die Signatur von F. Ageron, einem der größten Pariser Uhrmacher, der für seine Komplikationen bekannt war, trägt (Schätzpreis 300.000-400.000 Euro). Laut der Experten des Auktionshauses ist er mit einem anderen Exemplar vergleichbar, das sich im Calouste Gulbenkian Museum in Lissabon befindet. Der Schreibtisch stammt aus dem Nachlass der Familie Brantes, Vorfahren von Anne-Aymone Giscard d’Estaing. Über dieselbe Herkunft verfügen auch eine von Laurent Rochette gestempelte Louis-XV-Kommode sowie ein mit Lackplatten verzierter Sekretär aus Veilchenholz. Beide Stücke wurden 1956 anlässlich einer großen Ausstellung über die Möbeltischlerei des 18. Jahrhunderts im Musée des Arts décoratifs gezeigt.
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Leidenschaft für Porzellan
Porzellan war eine der ganz großen Leidenschaften von Anne-Aymone und Valéry Giscard d’Estaing, die ihre Gäste gerne von alten Servicen speisen ließen. Zwei Teller mit dem Monogramm „DB“, die aus dem Sèvres-Porzellanservice petits vases et guirlandes der Comtesse du Barry stammen, zeugen von ihrem Geschmack für die Geschichte und die Zeit Ludwigs XV. (Schätzpreis 12.000-15.000 Euro). Das Service war vermutlich für das Château de Louveciennes in Auftrag gegeben worden, das Ludwig XV. 769 seiner letzten großen Mätresse zum Geschenk machte. Ähnliche Stücke werden im Musée des Arts décoratifs sowie in der Cité de la Céramique in Sèvres ausgestellt.
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Eine tickende Leidenschaft
Auch Uhren jener Epoche entgingen dem Interesse des Präsidenten und seiner Première Dame nicht. Unter den angebotenen Losen befindet sich eine beeindruckende Empire-Pendule aus vergoldeter Bronze, die eine Nachbildung jener Uhr darstellt, die Charles Percier 1803 anlässlich des Jahrestags von Bonapartes Sieg in der Schlacht bei Marengo entworfen hatte (Schätzpreis 20.000-30.000 Euro). Eine weitere interessante Uhr ist jene aus dem späten 18. Jahrhundert, die eine ruhende Nymphe darstellt und die Signatur von Bouchet, Uhrmacher des Königs, trägt (Schätzpreis 6.000-8.000 Euro). Eine ähnliche Uhr befindet sich in der Sammlung der britischen Krone.
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Leidenschaft für zwei- und dreidimensionale Kunst
Unter den angebotenen Gemälden ist das Porträt des Herzogs von Choiseul (1719-1785) von Adélaïde Labille-Guiard (1749-1803) besonders hervorzuheben. Nur 70 Werke der Künstlerin sind bekannt, viele davon befinden sich in Museen. Adélaïde Labille-Guiard, die am selben Tag wie Élisabeth Vigée-Lebrun an der Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen wurde, ist für ihre Porträts von der königlichen Familie zur Zeit Ludwigs XVI. bekannt.
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Nicht unerwähnt bleiben darf auch die schöne Büste, die Auguste Rodin (1840-1917) vom österreichischen Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler (1860-1911) schuf. Mahlers Frau, die die Bronze lange besaß, bevor sie in den 1970er Jahren von den Giscard d’Estaing erworben wurde, wusste zu berichten, wie schwierig die zehn für die Büste notwendigen Sitzungen für die beiden temperamentvollen Künstlerpersönlichkeiten gewesen waren (Schätzpreis 20.000-30.000 Euro).

Die Sammlung des Ehepaares Valéry und Anne-Aymone Giscard d’Estaing vereint den Höhepunkt der französischen aristokratischen Eleganz des 18. Jahrhunderts und verkörpert einen wichtigen Teil des kulturellen Erbes der Nation.
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