Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898), genannt Sis(s)i, ist eine der berühmtesten und sicherlich auch populärsten Personen in der Geschichte des Hauses Habsburg. Zur Freude ihrer vielen Fans haben einige Objekte aus ihrem Besitz die Zeiten überdauert und werden immer wieder auf dem Auktionsmarkt angeboten, wo sie auf ein großes Interesse stoßen. „Es liegt an Elisabeths Macht und auch an ihrer Schönheit. Ohne diese wäre sie nicht berühmt“, sagt Dr. Georg Ludwigstorff, Kaiserhaus-Experte des Dorotheums, wo im Juni ein Unterhemd Elisabeths versteigert wird.

Das einem heutigen Träger-Top ähnelnde taillierte Unterhemd aus Seide mit seitlichen Verschlusshaken stammt aus der Zeit um 1850. Die damals etwa 12-jährige Elisabeth führte ein eher ruhiges Leben als Tochter von Herzog Max in Bayern aus einer unbedeutenden Nebenlinie des bayerischen Herrscherhauses Wittelsbach. Entgegen dem Bild, das die populären „Sissi“-Filme der 1950er Jahre vermitteln, war die Ehe von Herzog Max und Ludovika, einer Tochter König Maximilian I. Joseph von Bayern, alles andere als harmonisch. Man hatte einander nur widerstrebend geheiratet, weil es die Eltern eben so wollten. Herzog Max war kein Kostverächter, hatte zahlreiche Geliebte und auch uneheliche Kinder, und auch seine schöne Ehefrau muss ihm dann doch irgendwie gefallen haben, denn der unglücklichen Ehe entsprangen insgesamt zehn Kinder, von denen eines jedoch im Alter von nur einem Jahr starb und ein weiteres als Totgeburt zur Welt kam.

Max hielt nicht viel von einem häuslichen Eheleben. Der bei den Münchnern für seine demokratischen Ansichten und seine Volkstümlichkeit beliebte Herzog ging gerne auf Reisen (legendär ist sein Zitherspiel auf der Spitze der Cheops-Pyramide) und überließ die Erziehung der Kinder Ludovika. Diese hatte sich mit ihrer Situation irgendwann arrangiert und ging in ihrer Mutterrolle auf, der sie im Winter in München und in der warmen Jahreszeit im Sommerschlösschen Possenhofen am Starnberger See nachkam.
Lesen Sie auch: Warum wir die Ukulele lieben
Die acht herzoglichen Sprösslinge, allen voran die fünf Töchter, erbten das gute Aussehen ihrer Eltern. Bekanntermaßen ist besonders die zweitälteste Tochter Sisi für ihre Schönheit bis heute berühmt. Als sie mit etwa 12 Jahren das zu versteigernde Unterhemd trug, konnte davon allerdings noch keine Rede sein. Sogar ihre eigene Mutter war der Auffassung, dass Sisi keinen hübschen Zug habe und eher bäuerlich wirke. Der Erste, der Elisabeths dahingehendes „Potenzial“ erkannte, war 1853 Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, der seine 15-jährige Cousine dann auch gleich zu seiner Braut machte und nicht die eigentlich dafür vorgesehene ältere Schwester Helene.

Helene, Néné genannt, war bereits seit längerem als Kaiserbraut auserkoren gewesen (ein gemeinsamer Plan von Ludovika und ihrer Schwester Sophie, der Mutter Franz Josephs). Auch wenn man sich bei der „bäuerlichen“ Sisi nur wenig Hoffnung auf eine gute Partie machte, war sie noch kurz vor der unerwarteten Verlobung im Frühjahr 1853 auf Brautschau nach Dresden geschickt worden, wo eine weitere Schwester von Ludovika und Sophie Königin war. Sisi kehrte ohne Bräutigam heim und verliebte sich stattdessen vollkommen umstandesgemäß in einen Grafen Richard S., der in Diensten der Herzogsfamilie stand. Er wurde schnellstens fortgeschickt und starb wenige Zeit später, was die schüchterne und in sich gekehrte Sisi in die möglicherweise erste depressive Stimmung ihres daran nicht armen Lebens versetzte.

Doch dann war es ausgerechnet der begehrteste Junggeselle der damaligen Zeit, der in den Bann von Sisis bis dato unentdecktem Liebreiz geriet und Sisi mit der Hochzeit am 24. April 1854 zur Kaiserin von Österreich machte. Sisi war in Wien todunglücklich und litt unter der Strenge des Hofzeremoniells. Sie kränkelte oft und magerte ab, was ihrem Erscheinungsbild kaum zugute kam. Nachdem sie drei Kindern das Leben geschenkt hatte, machte sie sich Ende des Jahres 1860 auf, um sich auf der fernen Insel Madeira zu kurieren. Hier blühte sie auf und entwickelte sich allmählich zu der Schönheit, der die Männer, allen voran Franz Joseph, zu Füßen lagen. Mit neuem Selbstbewusstsein kehrte sie heim und nachdem sie 1863 die Theaterfriseurin Fanny Feifalik zu ihrer persönlichen Friseurin ernannt hatte, vervollkommnete sie mit komplizierten Flechtfrisuren, durch die sie ihr üppiges Haar wie „eine Krone statt der Krone“ trug, ihren Look.
Lesen Sie auch: Kaiserin Elisabeth von Österreich: Die ewig Schöne

Ihre Schönheit stand für Sisi im Mittelpunkt, alles andere musste warten. Das tägliche Frisieren nahm drei Stunden in Anspruch, eine Haarwäsche einen ganzen Tag. Sie hielt strenge Diät und machte tägliche Fitnessübungen, wodurch sie ihre übermäßig schlanke Taille behielt. Das Taillenmaß des im Dorotheum angebotenen Unterhemds der 12-jährigen Sisi beträgt rund 60 Zentimeter. Als Erwachsene hatte die Kaiserin einen Taillenumfang von unglaublichen 50 Zentimetern, was durch das feste Schnüren des Korsetts noch betont wurde.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!

Wer Sisis Hemdchen ersteigern möchte, muss dafür einiges an Geld in die Hand nehmen, denn der Schätzpreis liegt bei 5.000-10.000 Euro. Es ist nicht das erste Mal, dass Unterwäsche der Kaiserin Elisabeth versteigert wird. So sorgte 2021 ein Leibwäsche-Set der 1870/80er Jahre, bestehend aus Hemd, Beinkleidern und einem Paar Strümpfen, für Aufsehen, als im Auktionshaus Hermann Historica angeboten wurde. Der Schätzpreis hatte damals bei 1.000 Euro gelegen, verkauft wurde das Los schließlich für 3.800 Euro. Dass das vorliegende Hemd nun so viel höher eingeschätzt wird, darf als Zeichen seiner Seltenheit als Objekt aus der Jugendzeit Sisis gewertet werden.
Weitere Neuigkeiten vom Auktionsmarkt finden Sie im Barnebys Magazin!




