Der 1932 in Medellín geborene Fernando Botero verlor mit vier Jahren seinen Vater. Unterstützung erhielt seine als Näherin arbeitende Mutter von seinem Onkel, der sich um seine Ausbildung kümmerte und ihn auf eine Schule für angehende Matadore schickte. Doch Boleros Herz schlug für die Kunst, der er vor allen in den barocken Kirchen seiner Heimatstadt begegnete und seine Liebe zu den Alten Meistern Europas weckte. Der Stierkampf sollte später dennoch zu einem wiederholten Thema in seinem Œuvre werden.
Er folgte seiner Leidenschaft, was sich bereits 1948 auszahlte, als einige seiner Arbeiten in einer Gruppenausstellung gezeigt wurden. Drei Jahre später ging er nach Bogotá, wo seinen frühen Arbeiten eine erste Einzelausstellung gewidmet wurde. Das mit ersten Verkäufen verdiente Geld investierte Botero in eine Überfahrt nach Europa, wo er die von ihm verehrten Alten Meister mit eigenen Augen sehen wollte.
Seine erste Anlaufstelle war Madrid, wo er an der Academia de San Fernando studierte und im Prado Gemälde von Velázquez und Goya kopierte. Über Paris, wo er quasi Dauergast im Louvre war, ging es nach Florenz. Dort studierte er Kunstgeschichte, allem voran jene der Renaissance und der Freskomalerei. Zurück in Bogotá stellte er seine in Europa entstandenen Werke aus, die jedoch auf wenig Zuspruch stießen. Fernando Botero begab sich nun auf die Suche nach einem eigenen Stil (unter anderem in Mexiko, wo er von den Wandbildern Diego Rivera beeinflusst wurde) und fand diesen schließlich mit seinen verfremdeten, da überproportionierten Figuren.
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Er blies die von ihm so verehrten Alten Meister auf, darunter Leonardo da Vincis Mona Lisa oder auch die Arnolfini-Hochzeit von Jan van Eyck, und malte Porträts allgemein gültiger Akteure, mit denen er Kritik an der Gesellschaft nahm. Wie kaum ein anderer vermochte er es, mit Anklängen an die lateinamerikanische Volkskunst, das Alltagsleben in seinem Heimatland darzustellen, sich selbst bezeichnete er einmal als den „kolumbianischsten aller kolumbianischen Künstler“. Die groteske Überpräsenz der Personen ist brillant ausgeführt und strotzt nur so vor Ironie, wirkt aber gleichzeitig nicht boshaft, was sicherlich zur allgemeinen Beliebtheit von Boteros Arbeiten beigetragen hat.
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Fernando Boteros Karriere nahm Ende der 1950er Jahre an Fahrt auf, 1958 wurde er als Professor für Malerei an die Kunstakademie von Bogotá berufen. Doch schon zwei Jahren später zog es ihn wieder hinaus in die Welt. Sein Ziel war New York City, wo er für Kolumbien den Guggenheim National Prize gewinnen konnte, was seine internationale Karriere weiter ankurbelte. So fand seine erste bedeutende europäische Ausstellung 1966 in Baden-Baden statt.
In den folgenden Jahren pendelte Botero zwischen New York, Kolumbien und Europa, bis er sich 1973 in Paris niederließ. Dort begann er sich der Bildhauerei zuzuwenden, in der das von ihm angestrebte Volumen seiner Figuren voll zur Entfaltung kommen konnte. Seine monumentalen Skulpturen, die Menschen, Tiere oder beides zusammen zeigen, wurden und werden seit den späten 1970er Jahren in Städten in aller Welt ausgestellt oder sind fest im öffentlichen Raum installiert. Auch zahlreiche Ausstellungen in vielen Ländern machen Botero zu einem Weltenbummler, der seine (Arbeits-)Zeit zwischen New York, Paris, Monte Carlo und dem toskanischen Pietrasanta, wo er 1983 ein Atelier für Bildhauerei eingerichtet hatte, aufteilte.
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In den frühen 1980er Jahren kehrte er mit seinen La Corrida-Gemälden thematisch in seine Jugendzeit mit der begonnen Ausbildung zum Stierkämpfer zurück. 2006 sorgte er mit einer Bilderserie, die den Folterskandal im irakischen Abu-Ghraib-Gefängnis anprangerte, für Aufsehen.

Sehr am Herzen lag Botero der Friedensprozess in Kolumbien. 1995 kamen bei einem Bombenanschlag der Guerillabewegung FARC-EP in seiner Heimatstadt Medellín, bei dem der Sprengsatz unter seiner monumentalen Skulptur Der Vogel installiert worden war, mehr als 30 Menschen ums Leben, über 200 weitere wurden verletzt. Botero bestand darauf, die Überreste der zerstörten Skulptur als Mahnmal stehen zu lassen und stellte daneben ein neues Exemplar auf.
Einen persönlichen Schicksalsschlag erlebte Fernando Botero 1974, als sein vierjähriger Sohn Pedro, den er in vielen Werken verewigte, bei einem Verkehrsunfall in Spanien ums Leben kam. Die Ehe mit Pedros Mutter endete ein Jahr später. Dreimal stand Botero in seinem Leben vor dem Traualtar, zuletzt 1978 mit der griechischen Künstlerin Sophia Vari, mit der er bis zu ihrem Tod im Mai diesen Jahres zusammenlebte. Aus seiner ersten Ehe hatte er drei weitere Kinder.
Fernando Botero starb am 15. September 2023 im Alter von 91 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in seinem Haus in Monaco. Seine Arbeit als Künstler begleitete ihn bis zum Schluss.

Im Jahr 2000 ermöglichte eine Spende Fernando Boteros die Gründung des nach ihm benannten Museums in Bogotá. Der Künstler stiftete 123 eigene Kunstwerke sowie 85 Stücke aus seiner persönlichen Sammlung, darunter Arbeiten von Chagall, Dalí, Picasso und Renoir. 119 weitere Werke schenkte er dem Museo de Antioquia in Medellín.
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