Am Abend vor der Eröffnung der Ausstellung „Mondrian: Evolution“ (29. Oktober 2022 - 12. Februar 2023) im K20 in Düsseldorf bemerkte die Kunsthistorikerin und Kuratorin Susanne Meyer-Büser, dass eines der Highlights, Piet Mondrians New York City 1aus dem Jahr 1941 verkehrtherum aufgehängt wurde. Ihre Feststellung beruhte auf einer Fotografie von Mondrians Atelier von 1944, auf der das Kunstwerk um 180 Grad gedreht zu sehen ist – für Meyer-Büser der eindeutige Beweis, dass das Bild aus rotem, gelbem, schwarzem und blauem Klebeband, das erstmals 1945 im MoMA ausgestellt worden war und sich seit vierzig Jahren in Düsseldorf befindet, auf dem Kopf steht. „Die Verdickung der Gitter sollte oben sein, wie ein dunkler Himmel“, erklärte Meyer-Büser gegenüber dem Guardian. Außerdem stellte sich heraus, dass bereits vor einem Jahr jemand seine Zweifel geäußert hatte: der italienische Künstler Francesco Visalli, der Recherchen zu Mondrian angestellt und dem Museum geschrieben hatte, dass er „das deutliche Gefühl hatte, das es um 180 Grad gedreht werden muss“.
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Die jetzige Enthüllung löste eine Flut von Schlagzeilen über die Natur der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts aus. Es sollte angemerkt sein, dass Mondrian New York mit seiner ihm eigenen minimalen Sprache betrachtete, dass er die Figuration absichtlich auf nichts weiter als die rechtwinklig angeordneten Farbbänder reduzierte – und dass es durchaus ein Ordnungsprinzip gab. Vom Atelier des Künstlers aus erschien New York wie ein abstraktes Netz, das rückwärts errichtet werden musste, ausgehend von einer leeren Leinwand, die sich zu einem geometrischen Ausdruck entwickelt. Für die Skeptiker der Moderne war das kuratorische Versehen natürlich Musik in den Ohren: Sieh an: nicht einmal Kuratoren verstehen abstrakte Kunst!
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Doch jeder, der sich eingehend mit Mondrian beschäftigt, wird sich von dem Gleichgewicht und der Spannung, die jedem seiner Werke innewohnt, begeistern lassen. Peter Schjeldahl, der kürzlich verstorbene große amerikanische Kunstkritiker, lud uns ein „genau hinzusehen“, denn „dann liebt man Mondrian“. Insbesondere forderte er uns auf, „darauf zu achten, wie es aufgehängt ist: wie Mondrian es vorgab, mit dem Mittelpunkt unterhalb der Augenhöhe. Das bezieht Sie körperlich mit ein“. [Aus Schjeldahls Kolumne in Village Voice , 17. Oktober 1995]. Ob Schjeldahl den Fehler bemerkt hätte?
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Die Debatte um den auf dem Kopf stehenden Mondrian ist noch nicht beendet und das Museum hat sich dazu noch nicht abschließend geäußert. Doch wird New York City 1 wohl so hängen bleiben, wie es ist, denn sie Klebebänder sind bereits so locker, dass ein Drehen das Bild beschädigen könnte. Gegenüber Metropol stellte die Kuratorin in Frage, ob „es vielleicht überhaupt eine richtige oder falsche Orientierung gibt?“. Zweifellos werden uns Fragen wie diese noch lange beschäftigen.
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