Entdecken Sie fünf Interessante Fakten zum Leben und Wirken des französischen Malers Gustave Caillebotte.
1. Er war ein moderner Maler
Am 11. November 2021 präsentierte Christie’s in New York mit „The Cox Collection: The Story of Impressionism“ eine Auktion, die den großen Namen des Impressionismus und Postimpressionismus gewidmet war. Neben Werken von Vincent van Gogh und Paul Cézanne zählte Jeune homme à sa fenêtre von Gustave Caillebotte zu den Top-Losen des Abends. Dies widerspiegelte auch dessen Ergebnis in Höhe von 53.030.000 US-Dollar, was – mit großem Abstand zum bisherigen Spitzenpreis – einen neuen Rekord für den französischen Künstler bedeutete.
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Zustandekommen war diese Summe durch die Provenienz aus der renommierten Cox-Sammlung und die enorme Seltenheit eines Caillebotte-Gemäldes von diesem Format auf dem Auktionsmarkt. Lange Zeit wurde Gustave Caillebotte lediglich als Förderer des Impressionismus betrachtet (dazu später mehr), während seine eigene Kunst nur wenig Beachtung fand. Das hat sich vor allem in den letzten Jahren jedoch stark verändert und Caillebotte wird als bedeutender Maler identifiziert, der zu seiner Zeit ausgesprochen modern war. Seine größte Inspiration war das neue von Baron Haussmann umgestaltete Paris und die Menschen, die sich darin bewegten. Seine Bildausschnitte wirken wie Schnappschüsse und waren vermutlich von der Fotografie inspiriert. Jeune homme à sa fenêtre vereint diese Einflüsse und hat obendrein eine persönliche Note, zeigt das Gemälde doch René Caillebotte, den nächst jüngeren Bruder des Malers, der noch im Jahr des Entstehens, 1876, im Alter von nur 25 Jahren verstarb.
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2. Sein Bruder war sein engster Vertrauter
Die Brüder Gustave (1848-1894), René (1851-1876) und Martial Caillebotte (1853-1910) entstammten der dritten Ehe ihres Vaters, eines wohlhabenden Pariser Textilfabrikanten und Armeelieferanten, dessen Sohn aus erster Ehe, Alfred (1819–1894), den Weg eines Priesters eingeschlagen hatte und zudem sein einziges weiteres Kind war, das das Erwachsenenalter erreichte. Die Familie Caillebotte lebte zunächst in der Rue du Faubourg Saint-Denis und ab 1868 in einem neugebauten Stadtpalais an der Ecke Rue Miromesnil und Rue de Lisbonne. Hinzu kam ein Landgut im südöstlich von Paris gelegenen Yerres. Viele von Caillebottes Werken entstanden in diesen Kulissen, darunter auch Jeune homme à sa fenêtre.
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Während über René nur wenig bekannt ist, ist das Schaffen seiner Brüder weit besser dokumentiert: Gustave wurde bekanntlich Maler, Martial studierte Musik und wurde zudem ein versierter Fotograf, der seine Kamera häufig neben der Leinwand seines Bruders aufstellte. Neben diesem gemeinsamen Interesse an der Darstellung des modernen Paris, trugen die beiden Brüder auch eine bedeutende Briefmarkensammlung zusammen und teilten eine Leidenschaft für den Segelsport (Gustave tat sich als Bootsbauer und erfolgreicher Regatta-Teilnehmer hervor). Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1878, der Vater war bereits 1874 verstorben, verkauften sie das Stadtpalais und das Landgut und bezogen gemeinsam eine Wohnung am Boulevard Haussmann, gleich hinter der Opéra Garnier. Hier entstanden weitere bedeutende Stadtansichten des Malers. Ebenso kauften sie ein Haus im direkt an der Seine gelegenen Petit Gennevilliers (gleich gegenüber dem Impressionisten- und Wassersport-Hotspot Argenteuil), das schließlich von Gustave Caillebotte alleine bewohnt wurde, als Martial 1887 den Bund der Ehe einging.
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3. Sein Liebesleben ist voller Geheimnisse
Ganz alleine lebte Gustave Caillebotte in Petit Gennevilliers jedoch nicht. An seiner Seite war seine langjährige Lebensgefährtin Anne-Marie Hagen (auch bekannt als Charlotte Berthier), die bereits am Boulevard Haussmann bei ihm gewohnt hatte. Weder über Anne-Marie/Charlotte noch die genaue Natur ihrer Beziehung zu dem Maler, die kinderlos blieb, ist viel bekannt. Sie ist wiederholt in dem sonst von Männern dominierten Œuvre Caillebottes zu sehen – u. a. in Le Pont de l’Europe (1876) und Nu au divan (um 1880) und wurde von ihm, unter dem Namen Charlotte Berthier, großzügig in seinem Testament bedacht: neben dem Haus in Petit Gennevilliers erhielt sie eine jährliche Rente in Höhe von 12.000 Francs.
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Vielleicht ist so wenig über diese Beziehung bekannt, weil sie von der Familie Caillebottes nicht akzeptiert wurde. Vor allem die Schwägerin des Malers, Marie, soll sich geweigert haben, mit ihr Umgang zu pflegen. War Anne-Marie/Charlotte möglicherweise keine standesgemäße Partie für den aus wohlhabenden Hause stammenden Gustave Caillebotte und hat er sie deshalb auch nie geheiratet? Es ist eines der großen Geheimnisse im Leben des Künstlers, der sein Privatleben möglichst diskret behandelte.
4. Er vermachte seine Kunstsammlung dem französischen Staat
Das Vermögen, das er 1874 von seinem Vater erbte, ermöglichte es Gustave Caillebotte nicht nur, seiner eigenen Malerei sorgenfrei nachgehen zu können, sondern auch, seine Künstlerfreunde zu unterstützen. Er tat dies, indem er Ausstellungen finanzierte und vor allem Gemälde kaufte, sodass er im Laufe der Jahre eine beeindruckende Sammlung impressionistischer Werke zusammentrug, die Gemälde von Renoir, Monet, Sisley, Pissarro, Cézanne, Manet und Degas umfasste, darunter Spitzenstücke wie Renoirs Bal du moulin de la Galette (1878) und Manets Le Balcon (1868-69). In seinem Testament vermachte Caillebotte seine Sammlung – rund 70 Gemälde, Pastelle und Zeichnungen – dem französischen Staat unter der Auflage, dass sie im Palais du Luxembourg oder im Louvre auch tatsächlich ausgestellt werden sollte. Jedoch war man 1894, dem Todesjahr Gustave Caillebottes, noch immer skeptisch gegenüber dem Impressionismus. Staat und Testamentsvollstrecker, Caillebottes Brüder Martial und sein guter Freund Pierre-Auguste Renoir, konnten sich schließlich auf 40 Werke einigen, von denen die meisten heute im Musée d’Orsay zu sehen sind. Martial, der der Haupterbe seines Bruders war, fügte zudem zwei von dessen Werken dem Vermächtnis hinzu: Die Parkettschleifer (1875) und Verschneite Dächer (1878/79).
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5. Er ist selbst in einem berühmten Gemälde zu sehen
1875 wagte Gustave Caillebotte den Versuch, sein Gemälde Die Parkettschleifer, das noch im Stil des Realismus gehalten war, beim Pariser Salon einzureichen – es wurde prompt abgelehnt. Stattdessen erhielt er im Jahr darauf die Einladung, jenes und weitere Gemälde (u. a. Jeune homme à sa fenêtre) bei der zweiten Gruppenausstellung der Impressionisten auszustellen. Mit einigen Vertretern der Gruppe, darunter Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Edgar Degas, war er seit einiger Zeit bekannt, vermutlich seit der ersten Impressionisten-Ausstellung im Jahr 1874. Vor allem mit Renoir verband ihm schon bald eine enge Freundschaft. Renoir gehörte zu jenen Künstlern, die Caillebotte mit dem Kauf von Gemälden unterstützte. Eine seiner Erwerbungen, Bal du moulin de la Galette, ist im Hintergrund von Caillebottes Selbstporträt von 1879 zu sehen.

Ein weiteres Meisterwerk von Renoir, Das Frühstück der Ruderer (1880-81) war zwar niemals Teil von Caillebottes Sammlung, doch wurde das Maler darin von seinem Freund verewigt. Die meisten der abgebildeten Personen konnten identifiziert werden, so auch der junge Mann mit Strohhut, der in der unteren rechten Ecke verkehrtherum auf einem Stuhl sitzt. Es ist Gustave Caillebotte, der seinen Blick auf Aline Charigot, Renoirs Lebensgefährtin und spätere Ehefrau, gerichtet hat.
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Gustave Caillebotte schuf ein Œuvre, das das moderne Paris in ungewöhnlichen Perspektiven und Bildausschnitten präsentiert, wobei er stets die Perspektive eines distanzierten Beobachters beibehielt. Nachdem er lange Zeit als Randfigur des Impressionismus wahrgenommen wurde, wird er zunehmend als die zentrale Persönlichkeit betrachtet, die als Maler und Mäzen einen wichtigen Beitrag zur Kunstgeschichte geleistet hat.
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