Hier sind fünf Fakten über Francisco de Goya, die sein Werk näher beleuchten.
1. Er war ein Anhänger der Aufklärung
Francisco José de Goya y Lucientes wurde am 30. März 1746 in Fuendetodos nahe Saragossa als Sohn eines Vergolders geboren. Zwei Jahre später veröffentlichte Montesquieu mit dem Buch De l’esprit des loix („Vom Geist der Gesetze“) ein Schlüsselwerk der Aufklärung, deren liberale Ideen sich in Europa verbreiteten. Auch bei Spaniens König Karl III. stießen sie auf Resonanz, sodass dieser einen aufgeklärten Absolutismus als Regierungsform wählte.

Damit konnte Goya, der ab 1775 als Kartonmaler in der königlichen Tapisseriemanufaktur arbeitete und 1786 zum Hofmaler ernannte wurde, sich sicherlich anfreunden, war er doch selbst ein überzeugter Anhänger dieser geistigen Strömung und glaubte fest an Vernunft, Bildung und Fortschritt und betrachtete Dinge wie Aberglaube, Dummheit und Fanatismus sehr kritisch. Besonders deutlich wird das in seiner berühmten Radierung Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer, die er 1799 als Teil seines Zyklus’ Los caprichos veröffentlichte.
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2. Er wurde plötzlich taub
1792, im Alter von 46 Jahren, wurde Goya vollständig taub infolge einer Erkrankung, die sich zunächst durch einen gestörten Gleichgewichtssinn und Schwindel sowie eine vorübergehende Einschränkung der Sehkraft bemerkbar machte. Welche Krankheit es genau war, ist nicht bekannt. Aufgrund der Symptome erscheint eine Infektion des Innenohrs die wahrscheinlichste Theorie zu sein. Da er mit bleihaltigen Farben arbeitete, käme jedoch auch eine Bleivergiftung in Frage. Der Verlust seines Hörsinns wirkte sich massiv auf seine Kunst aus. Hatte Goya zuvor lebhafte Genreszenen und Porträts in hellen Farben gemalt, wurde seine Palette zunehmend düsterer, ebenso seine Motive, die schließlich in den sogenannten Pinturas negras ("Schwarze Gemälde") gipfelten, die er 1819-23 auf die Wände seines Hauses malte.
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Hinzu kamen die Schrecken, die sich während des Spanischen Unabhängigkeitskriegs (1808-14) abspielten. Diese Grausamkeiten, die von Napoleons Truppen an der spanischen Bevölkerung begangen wurden, hielt Goya in seiner Radierfolge Los desastres de la guerra ("Die Schrecken des Krieges") fest, die jedoch erst posthum, 1863, veröffentlicht wurde. Die Serie widerspiegelt Goyas Enttäuschung über die Gewalt, die durch die Französische Revolution im Namen von Vernunft und Freiheit über seine Heimat kam.

3. Er wurde von der Inquisition vorgeladen
Zu Goyas berühmtesten Werken gehört das Gemäldepaar Die nackte Maja und Die bekleidete Maja, das im Laufe der Geschichte Gegenstand vieler Diskussionen und Spekulationen wurde. Zunächst einmal wird über die Identität der Dargestellten gerätselt. War es die mächtige und charismatische Herzogin von Alba, die von Goya wiederholt porträtiert wurde und mit der er möglicherweise sogar eine Affäre hatte? Oder war es Pepita Tudó, die Mätresse von Manuel de Godoy, dem mehr oder weniger heimlichen Herrscher Spaniens um 1800? Und war dieser vielleicht auch der Auftraggeber? Zumindest wurden die Gemälde das erste Mal als Teil des Inventars von Godoys Privatkabinett erwähnt.
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Wer auch immer die junge Frau war, die Art und Weise, wie Goya sie unbekleidet präsentierte, wurde damals als skandalös empfunden: reine Nacktheit ohne den Deckmantel einer mythologischen Szene und dann auch noch die Darstellung von Schamhaar! Als die Inquisition von der nackten Maja erfuhr, wurde Goya 1815 vor ihr Tribunal zitiert. Leider ist seine Antwort auf die Frage, wer der Auftraggeber gewesen war, nicht überliefert.
4. Er starb im Exil
1814 erhielt Goya mit der Ausführung des Gemäldepaars El dos de Mayo und El tres de Mayo („Die Erschießung der Aufständischen“) den letzten bedeutenden Auftrag durch die Regierung Spaniens, die nach der Vertreibung der Franzosen wieder in den Händen der Bourbonen-Dynastie unter König Ferdinand VII. lag. Mit den Gemälden sollte die Helden des Wiederstands geehrt werden.
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Es folgten noch weitere offizielle Aufträge und auch die spanische Elite ließ sich nach wie vor von ihm porträtieren, doch nahm Goyas Bedeutung zunehmend ab. Auch war der Maler mit der politischen Entwicklung in seiner Heimat unzufrieden. Hatte er auf Reformen gehofft, hielt der Absolutismus wieder Einkehr. Goya hatte sich nie offen regierungskritisch geäußert, doch die Arbeiten, die er im Privaten schuf, zeugen von dem, was in seinem Inneren vorging. Zum einen mit der posthum veröffentlichten grafischen Serie Los desastres de la guerra, zum anderen mit den Pinturas negras. Diese 14 Bilder malte er direkt auf die Wände des von ihm ab 1819 bewohnten Hauses am Stadtrand von Madrid. Das bekannteste ist Saturn verschlingt seinen Sohn, eine Allegorie auf den Machterhalt um jeden Preis. Aus Sorge über politische Repressalien ob seiner liberalen Ansichten begab sich Goya 1823 nach Bordeaux – offiziell aus gesundheitlichen Gründen, doch sollte der Kuraufenthalt ein dauerhafter werden. Am 16. April 1828 schloss Francisco de Goya in Bordeaux seine Augen für immer.
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5. Er gilt als erster moderner Maler
Francisco de Goya war in künstlerischer Hinsicht seiner Zeit voraus und gilt vielen als der erste moderne Maler. Mit Die nackte Maja schuf er den ersten Akt, bei dem es tatsächlich um die Nacktheit an sich ging, mit Die Erschießung der Aufständischen malte er ein Kriegsbild ohne Pathos, das als erstes modernes Antikriegsbild betrachtet wird. Sein zunehmend freier und experimentierfreudiger Stil wurde später von den Impressionisten aufgegriffen. Vor allem war es aber die psychologische Komponente seiner Werke, die Goya zu einem Türöffner für die Moderne machte. In seinen zahlreichen Porträts ging es ihm vor allem darum, die Wahrheit zu zeigen, statt mit falscher Schönheit zu schmeicheln. Dennoch musste er stets eine Balance finden, um seine zahlreichen Auftraggeber nicht zu verärgern. Vor allem sind jene Werke, die er im Privaten schuf, Ausdruck seiner Emotionen, womit er gewissermaßen den Expressionismus vorwegnahm.
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Die Kunst Francisco de Goyas kann als Inspirationsquelle in vielen Werken nachfolgender Künstler identifiziert werden. So nutzte Édouard Manet für sein Werk Erschießung Kaiser Maximilians (1868/69) Goyas Die Erschießung der Aufständischen als Vorlage sowie für Olympia (1863) Die nackte Maja (wobei dieses Gemälde zu Manets Lebzeiten unter Verschluss gehalten wurde und nur als Radierung öffentlich bekannt war). Seine Antikriegshaltung findet sich in Picassos Guernica (1937) wieder, der Ausdruck von Emotionen und Ängsten bei Edvard Munch und seine verstörenden und deformierten Figuren in Francis Bacons Porträts.
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Francisco de Goya war ein Kind seiner Zeit und als Maler seiner Zeit voraus. Gewissermaßen lebte er ein Doppelleben, das die Brücke, die er von der Epoche der Alten Meister zur modernen Malerei schlug, widerspiegelt. Während er einerseits darauf bedacht sein musste, als Hofmaler nicht zu viel zu riskieren, scheute er sich dennoch nicht, den Emotionen, die er sah und in sich selbst fand, Ausdruck zu verleihen. Seine Bedeutung und sein Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.










