In der Auktionswoche vom 22.-24. Oktober im Wiener Dorotheum sind die Scheinwerfer auf Gemälde Alter Meister sowie Gemälde des 19. Jahrhunderts gerichtet, die jeweils mit herausragenden Offerten punkten können.
Das absolute Highlight unter den Gemälden Alter Meister (22. Oktober ab 17 Uhr) ist eine Madonna mit Kind, das sich fast zweihundert Jahre im Besitz derselben Adelsfamilie befunden hat und nun zum ersten Mal auf dem Auktionsmarkt angeboten wird.

Das mit Ölfarben auf einer Laubholztafel ausgeführte Gemälde wurde stilistisch und naturwissenschaftlich eingehend untersucht und ins früheste 16. Jahrhundert datiert. Vieles spricht dafür, dass es sich um eine Arbeit aus der nächsten Umgebung Raffaels handelt und möglicherweise unter seiner Aufsicht und nach seinen Vorlagen ausgeführt wurde.
Es ist jedoch ein anderes Werk, das mit dem höchsten Schätzpreis der Offerte zum Aufruf kommen wird: David mit dem Haupt Goliaths von Artemisia Gentileschi. Die Künstlerin malte das biblische Motiv vermutlich 1631 in Neapel, wo sie eine eigene Werkstatt unterhielt.

David, dessen Hand auf dem abgetrennten Kopf des Riesen Goliath ruht, blickt dem Betrachter direkt und selbstbewusst in die Augen, wirkt im Vergleich zu Gentileschis berühmtester Heldin - Judith, die ihrem Peiniger Holofernes den Kopf abschlägt - geradezu ruhig und besonnen.

Mit höchster Intensität malte Jusepe de Ribera um 1615 Die Verspottung Christi, bei der die Gegensätzlichkeit des gefesselten und mit einer Dornenkrone gekrönten Christus und seiner Peiniger herausarbeitete. Ein junger Wächter streckt Christus sogar die Zunge heraus - hat aber gleichzeitig eine Hand im Feigengestus, als wolle er drohendes Unheil abwenden.

Als Vorlage für Christus nimmt Abschied von seiner Mutter des Augsburger Renaissancemalers Jörg Breu d. Ä. diente Christi Abschied von seiner Mutter aus Albrecht Dürers 1504/05 entstandenem Holzschnittzyklus Das Marienleben. Im Vordergrund sind die kniend betenden Mitglieder der Stifterfamilie dargestellt, die den Auftrag zu dem Gemälde gab.

Mit dem ebenfalls aus Augsburg stammenden Joseph Heintz dem Jüngeren ist ein Wegbereiter der venezianischen Vedutenmalerei des 18. Jahrhunderts in der Auktion vertreten. Heintz verbrachte den Großteil seines Lebens in Venedig. Auf dem vorliegenden Gemälde hielt er die zu jenem Zeitpunkt nur noch spielerisch ausgetragene battaglia dei pugni fest, die auf echten Territorialkämpfen aus der Gründungszeit der Lagunenstadt basierten.

In perfektem Sfumato hat der niederländische Maler Abraham Bloemaert die schöne Psyche auf ihre Bettstatt drapiert. Die eifersüchtige Venus hatte sie in einen tiefen Schlaf versetzt, den der verliebte Amor jedoch beenden wird. Bloemaert hat den Moment kurz vor der Erweckung der Schönen dargestellt, wobei es sich bei dem beigefügten Putto wohl kaum um Amor handeln dürfte. Dessen erweckende Rolle soll vielmehr vom Betrachter übernommen werden.
Auch die am 23. Oktober um 17 Uhr beginnende Versteigerung von Gemälden des 19. Jahrhunderts ist von Highlights gespickt. Allen voran das Portrait einer Dame turque de Constantinople von Osman Hamdi Bey, einem osmanischen Maler, der in Paris ausgebildet wurde und später in Konstantinopel eine eigenen Malschule auch westlichem Vorbild gründete.

Ende September konnte ein weiteres Gemälde Osman Hamdi Beys in London einen neuen Künstlerrekord aufstellen, wobei sich der untere Schätzpreis von 600.000 GBP mehr als verzehnfachte. Man darf also gespannt sein, wie diese Versteigerung, die bereits im siebenstelligen Bereich angesiedelt ist, ausgeht.

Auch Osman Hamdi Beys Lehrer, der bedeutende Historienmaler Jean-Léon Gérôme ist in der Auktion vertreten. Le Bain Maure scheint von Gérôme noch unfertig aufgegeben und später von einem unbekannten Künstler vollendet worden zu sein.

Ihr Können als Maler des Lichts beweisen Ivan Konstantinovich Aivazovsky und Petrus van Schendel in dieser Offerte. Aivazovsky bei seiner Darstellung des Bergs Aiu-Dag auf der Krim, van Schendel mit Nächtlicher Martk in Den Haag, in dem er mit unterschiedlichen Lichtquellen spielt.

Seinen Sinn für Humor beweist der italienische Genremaler Gaetano Chierici mit Una catastrofe von 1887, in dem sich ein kleines Mädchen dem Einfall riesiger Gänse in die Küche erwehren muss. Wenig hilfreich erschienen die der Bildkomposition beigefügte "Raubkatzen".

Auch in dieser Offerte dürfen venezianische Ansichten nicht fehlen, denn auch im 19. Jahrhundert war die Lagunenstadt eine beliebte Anlaufstelle für Künstler aus ganz Europa. Aber auch für einheimische wie Luigi Querena, der auf dem vorliegenden Gemälde eine der größten Kirchen Venedigs, Santi Giovanni e Paolo, verewigt hat.

Ergänzt werden die Gemälde der Auktionswoche durch Juwelen, die am 23. Oktober ab 14 Uhr versteigert werden, sowie Möbel und dekorative Kunst, Skulpturen und Antiquitäten, Glas und Porzellan (Auktion am 24. Oktober um 14 Uhr).
Die Versteigerungen der Auktionswoche finden im Palais Dorotheum in der Dorotheergasse 17 in Wien statt. Vorbesichtigungen sind dort bis zum Tag der jeweiligen Auktion möglich.
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