Der Sammlermarkt für Perserteppiche boomt heute weltweit. Sollten Sie nun erwägen, beim Sammeln dieser großartigen Kunstform mitzumachen oder vielleicht sogar schon dabei sind, besitzen Sie zumindest einen Sinn für Ästhetik. Um das Beste aus dem Sammlervergnügen herauszuholen, kann man sich gar nicht genug Wissen aneignen. Dazu gehört zunächst einmal, die Herkunft und den Typ eines schönes Exemplares zu erkennen sowie die seiner Farben und Gestaltung. Auch die Geschichte der Teppichherstellung und bestehenden Sammlerpräferenzen zu kennen, können einem neuen oder erfahrenen Sammler helfen, den Ansatz für ein sinnvolles und zufriedenstellendes Sammeln auf langfristiger Basis zu entwickeln. Auf jeden Fall ist in diesem ganz besonderen Bereich der angewandten Kunst für jeden Geldbeutel etwas dabei. Wir wollen im Folgenden vor allem auf Erzeugnisse aus Persien und gehen der Frage nach, weshalb sie im Laufe der Geschichte so beliebt geworden sind.

Das Weben ist eine der ältesten und am weitesten verbreiteten kreativen Tätigkeiten. Seit den Anfängen der Zivilisation werden Textilien auf der ganzen Welt geschätzt, verkörpern für viele Kulturen die höchsten künstlerischen Werte und und zeugen von unzähligen Errungenschaften: sozial, spirituell, historisch, technisch und kommerziell. Darüber hinaus sind Teppiche als materielle Vermögenswerte tragbare Erbstücke, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Im Gegensatz zur westlichen Auffassung eines Teppichs als Bodenbelag, kann dieser im altorientalischen Sinne einzelne Einrichtungsgegenstände wie Tische, Stühle, Betten, Bettdecken und Bilder ersetzen. Um diese bemerkenswerte Kunstform vollständig zu verstehen und wertzuschätzen, scheint es angebracht, daran zu erinnern, wie viele hochqualifizierte Personen an der Schaffung eines Teppichs beteiligt sind: Webstuhlbauer, Wollspinner, Färber sowie Designer, Weber und Knüpferin. Allen beteiligten sollte daher eine hohe Teamfähigkeit, Wertschätzung und Verständnis für Traditionen und inhärente künstlerische Fähigkeiten zueigen sein. Jeder Teppich ist ein Unikat, dessen Fertigstellung gegebenenfalls Monate oder sogar Jahre voller harter Arbeit und Geduld von meist anonymen Künstlern in Anspruch nehmen kann.
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Historisch betrachtet hat die königliche Schirmherrschaft in Persien eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Webkunst gespielt. Das „goldene Zeitalter“ der islamischen Kunst, blühte während der Herrschaft der Safawiden (1501-1736), als viele bedeutende Hofwerkstätten gegründet wurden. In ihnen wurde viele Meisterwerke geschaffen, namentlich treten einige Meister jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Erscheinung, wie sich anhand von gewebten Inschriften nachvollziehen lässt.

Über Handelswege gelangten die Teppiche in den Westen, wo sie als dekorative und funktionale Sammlerstücke betrachtet wurden. König Heinrich VIII. von England besaß im 16. Jahrhundert einige hundert osmanische Teppiche, wie aus den Hofinventarlisten hervorgeht. Einige dieser Teppiche sind auf den vielen Porträts, die Hans Holbein vom König anfertigte, zu sehen. Solche Quellen haben dazu beigetragen, die Entwicklung der Webkunst und ihrer Designs zu verstehen. Ein Konkurrent Heinrichs VIII., was das Sammeln schöner Teppiche betrifft, war sein Kanzler Kardinal Wolsey. Andere bedeutende Sammler waren Cornelius Vanderbilt, William Randolph Hearst, John Rockefeller und Sigmund Freud, dessen Couch in seiner Psychoanalysepraxis bekanntermaßen mit einem prächtigen persischen Qashqai-Stammesteppich bedeckt war.
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Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Welt des Sammelns. Von diesem Zeitpunkt an erlebte die Kunst der Teppichherstellung eine bedeutende Revolution, die ein neues „Goldenes Zeitalter“ der persischen Weberei einläutete und allgemein als „Wiederbelebung“ der persischen Webkunst angesehen wurde. Erstmals nahm der westliche Geschmack Einfluss auf die Designs, was dem steigenden Interesse der europäischen und amerikanischen Mittelschicht geschuldet war, die durch die Industrielle Revolution zu Wohlstand gekommen war. Der Trend des Orientalismus richtete sich auch auf Teppiche und Textilien. Ziegler & Co., ein Textilunternehmen mit Sitz in Manchester, ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Es richtete in und um das nordpersische Sultanabad Werkstätten ein und ließ dort von den 1870er bis in die 1920er Jahre Teppiche mit einem unverwechselbaren neuen Stil herstellen. Vor allem konzentrierte man sich auf Teppiche mit offeneren Mustern und Farben, die dem westlichen Geschmack entsprachen.
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Gleichzeitig schufen traditionelle Meister Glanzstücke nach dem Vorbild seit langem überlieferter Kompositionen. Einige dieser Meisterweber signierten ihre Werke und sind daher bekannt, was dazu beiträgt, dass ihre Erzeugnisse auf dem Sammlermarkt hoch geschätzt werden. Zu nennen wären da beispielsweise Hadji Jalili aus Tabriz, Mohtasham aus Kashan und Abul Ghasem Kermani aus Kerman.

Der weitere Aufstieg des „Designer-Teppichs“ und seiner Meisterweber erfolgte von den 1920er bis 1970er Jahren, verbunden mit dem Entstehen wichtiger neuer Zentren der Teppichherstellung. Während der Herrschaft der Pahlavi-Dynastie (1925-1979) spielte die königliche Herrschaft erneut eine bedeutende Rolle. So gab Reza Schah Pahlavi bei den berühmten Webmeistern Amoghli und Saber prächtige Teppiche in Auftrag, deren Werkstätten in den 1920er Jahren in Mashad, Khorasan gegründet worden waren. Die Aufträge führten dazu, dass nicht nur in Khorasan, sondern auch in etablierten und traditionellen Zentren immer mehr Teppichwebereien eingerichtet wurden. In den 1930er Jahren tauchten die Teppiche aus den in Isfahan von der Familie Seyrafian gegründeten Werkstätten auf, die an technischer Exzellenz und Schönheit ihres Gleichen suchten. Anhand von Signaturen gut zu identifizieren, sind sie auf dem Sammlermarkt hochgeschätzt. Durch die gesteigerte Produktion hat die Verfügbarkeit von Teppichen für Sammler massiv erhöht. Wer jedoch ein antikes Exemplar besitzen möchte, muss auf eines, das bis um 1920 hergestellt wurde, setzen.

Grob gesagt lassen sich Perserteppiche in zwei Gruppen unterteilen: Solche aus Weberei in städtischem Umfeld und solche aus Dorfwebereien oder von Webern eines Stammes.
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In Städten gewebte Teppiche weisen Muster auf, die sich vor allem an den Hofteppichen des 16. und 17. Jahrhunderts orientieren, oft mit einem zentralen Medaillon und einem All-over-Design. Bei den dafür verwendeten Webstühlen handelt es sich um fest installierte vertikale Konstruktionen. Der Weber erstellt das Muster als Zeichnung auf einem an Millimeterpapier erinnernden Papier, wobei jedes Quadrat einem geknüpften Knoten entspricht. Die feinen und meist krummlinigen Muster zeigen überwiegend florale Formen, doch auch Tiere, Vögel und Menschen kommen ab dem späten 19. Jahrhundert vor. Der Flor besteht aus fein gesponnener Wolle oder Seide oder einer Kombination aus beidem und wird auf eine Basis aus Baumwolle oder Seide geknüpft. Diese feinen Fundamente ermöglichen es, eine enorme Detailvielfalt zu schaffen. Bedeutende persische Zentren, in denen in diesem Stil weben, sind Isfahan, Kaschan, Tabriz (Täbris), Kerman, Maschhad und Sarugh (Saruk).

Als „Stammes-Produkte“ werde Teppiche klassifiziert, die älteren Traditionen folgen und nach dem Namen eines Stammes oder einer Region bzw. dem Ort der Herstellung benannt werden. Neben Teppichen werden auch Dinge wie Beutel und Geschirre für Zugtiere hergestellt, was ein schönes sammelbares Ensemble ergibt. Die Muster bestehen je nach Herstellungsort kräftige oder fein gezeichnete geometrische Motive, die mit organischen Farben eingefärbt sind. Bezeichnenderweise zeigen sie stilisierte oder abstrakte Flora- und Faunaformen, die oftmals totemistisch anmuten. Die Muster werden aus dem Gedächtnis gewebt, mit Motiven, die von Generation zu Generation weitergegeben und nach Belieben verwendet werden. An und für sich sind diese Webereien sehr originell. Der Flor besteht aus Wolle und wird auf Wolle, manchmal auch Baumwolle, geknüpft. Diese Teppiche werden auf horizontalen Webstühlen hergestellt, in Heimwerkstätten oder auf den Zeltplätzen der Nomaden. Da sie leicht transportierbar sein müssen und nicht viel Platz in Anspruch nehmen dürfen, sind sie bisweilen nicht breiter als 2,40 m. Etablierte Sammler interessieren sich vor allem auf Kaukasus-Teppiche aus Aserbaidschan, einschließlich Kazak, Schirwan, Quba und verwandte Untergruppen. Persische Äquivalente stammen von den Qashqai, Afschar und Kurden. Ebenfalls begehrt sind Erzeugnisse aus Turkmenistan, wie Tekke, Yomut, Salor, Saryk und Ersari, sowie die Baluch-(Belutsch-)Teppiche aus dem afghanischen Belutschistan.
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Für beide Gruppen gilt, dass ein Sammler über die Ästhetik nachdenkt. Zwar liegt die Schönheit bekanntermaßen im Auge des Betrachters, als Richtlinie sollte man jedoch einige Grundsätze beachten. Die Komposition soll die Sinne ansprechen. Je mehr man sich mit Teppichen beschäftigt, desto mehr verfeinert sich der Geschmack und das Auge wird geschult. Die Muster sollten frei fließen und in Maßstab und Harmonie gut ausbalanciert sein. Dei einzelnen Elemente sollten gut erkennbar sein, egal ob es sich um sehr detaillierte Kompositionen oder um offenere Muster handelt. Schlecht komponierte Designs wirken überladen und verwischt, was vor allem in den städtischen Webereien passieren kann. Ständiges Vergleichen schult das Auge, um gute von schlechten Exemplaren unterscheiden und Typ und Herkunft bestimmen zu können. Dies ist die ständige Lernkurve des Sammlers.

Die Muster haben nur dann eine Bedeutung, wenn sie durch Farbe zum Leben erweckt werden. Natürlich gefärbte Garne besitzen Feinheiten und Nuancen, die man bei chemischen (synthetischen) Farbstoffen im Allgemeinen nicht findet. Für vor 1880 gewebte Teppiche wurden hauptsächlich Farben verwendet, die von Pflanzen oder Insekten stammen. Dies gilt sowohl für die urbane, als auch die ländliche Produktion. Farbvariationen, die durch natürliche Farbstoffe erzeugt werden, ergeben einen durchscheinenden Effekt, fast wie beim Blick durch ein Buntglasfenster. Außerdem bleichen natürliche Farbstoffe nicht aus, es sei denn, sie werden über einen längeren Zeitraum der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, so dass der ursprüngliche Charakter eines Teppichs über längere Zeit erhalten bleibt. Ab etwa 1860 tauchten durch westliche Einflüsse Analin- oder chemische Farbstoffe auf. Diese Farben sind im Vergleich zu ihren natürlichen Kollegen tendenziell rau, abrasiv und "fest" und es fehlen die Farbvariationen, wie sie bei natürlich gefärbten Geweben zu finden sind. Die am leichtesten zu erkennenden synthetischen Farben sind leuchtendes Orange und Violett. Diese beiden unverwechselbaren Töne wurden ab etwa 1870 als Teil der europäischen Intervention eingeführt und in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts ausgiebig verwendet. Obwohl diese chemischen Farben dazu neigen auszubleichen, was sich unweigerlich auf das Aussehen der Teppiche auswirkt, wurden sie von vielen Webzentren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein verwendet. Doch war ihr Mangel an Subtilität nur allzu deutlich, weshalb ihre Verwendung wieder abnahm.
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Heutzutage steht jedem Sammler eine Fülle an Informationen zur Verfügung, die oft nur einen Mausklick entfernt ist und Artikel, Bilder und jede Menge Informationen zu jedem Aspekt der Webkunst umfasst. Eine hervorragende Quelle des Wissens und der Inspiration sind nach wie vor Museen, doch auch Fach- und Allgemeinliteratur sollte man stets hinzuziehen. Von unschätzbarem Wert ist es, einen Spezialisten kennenzulernen, der sein Wissen gerne teilt und die besten Literaturtipps bei der Hand hat. Beim Sammeln muss man immer mehr als nur Geld investieren, auch Lernwille und Geduld sind gefragt – führen auf Dauer aber zum Erfolg.

Vielleicht wird sich dem westlichen Auge nicht jedes Muster vollständig erschließen, der Wertschätzung der gewebten Kunstwerke tut das aber keinen Abbruch. Kunst in jeglicher Form beeinflusst auf auch verschiedenen Ebenen, sowohl visuell, als auch emotional. In der gewebten Kunst wird diese Befriedigung durch die Farbe und ihre Beziehungen erreicht, die durch Formen definiert und durch Texturen modifiziert werden. Das Eintauchen in diese großartige Kunstform wird Ihnen mit Sicherheit ein Leben lang Freude bereiten.






