Eine aufreizende Pose und ein intensiver Blick: Es besteht wohl kaum ein Zweifel, worauf die junge Frau aus ist, die Lovis Corinth 1915 auf die Leinwand bannte. Sie will verführen, und wo Potifers Frau beim biblischen Josef scheiterte, kann die hier Abgebildete obsiegen, denn wie soll es der Betrachter schaffen, bei diesem Werk nicht zu verweilen? Trotz der „aufgeheizten“ Thematik wirkt Corinths später Akt irgendwie kühl, was sicherlich vor allem dem hypnotisierenden Blick aus stahlblauen Augen geschuldet ist – ein Kontrast, der das Gemälde nur um so faszinierender macht.

Lovis Corinths Liegender Akt von 1915 kommt als eines der Highlights der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmeten Versteigerung zum Aufruf, die das Münchener Auktionshaus Neumeister am 7. Dezember um 17 Uhr im Zuge seiner Dezember-Auktion abhält. Doch ist es nicht das einzige Werk des bedeutenden deutschen Impressionisten, das die Offerte umfasst.

Auch das Blumenstillleben Rosen von 1918 ist mit von der Partie und wie Liegender Akt ein weiteres Beispiel für den veränderten Malstil Corinths, der auf einen Schlaganfall, den der Maler 1911 erlitt, folgte. Den körperlichen Einschränkungen begegnete Corinth jedoch mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein und wandte sich der virtuosen Verwendung der Farben sowie der Komposition zu, womit er die Grenze vom Impressionismus zum Expressionismus überschritt.

Ein weiteres faszinierendes Blumenbild liegt mit Mohn und Sonnenhut (um 1930/35) von Emil Nolde vor. Florale Motive dieser Art beschäftigten den Maler ab 1906. Zunächst in Öl ausgeführt, wurde das Aquarell schließlich das bevorzugte Medium, das die von Nolde angestrebten Farbverläufe und lebendigen Kontraste am besten übermittelte.
Von gänzlicher anderer Natur als Corinths Aktgemälde ist dieses von Joseph Stieler gemalte Porträt, das eines der Highlights des Katalogs „Gemälde und Graphiken 15. - 20. Jh.“ darstellt, dessen 265 Lose am 7. Dezember ab 14 Uhr zum Aufruf kommen.

Ernst, vielleicht sogar ein wenig resigniert, blickt uns hier die Mutter jenes Mannes entgegen, der Europa um 1800 in Aufruhr versetzte und nachhaltig prägte: Napoleon Bonaparte. Seine Mutter Letizia wurde 1750 auf Korsika in die wohlhabende, italienischstämmige Patrizierfamilie Ramolino hineingeboren. Im Alter von nur 13 Jahren heiratete sie den vier Jahre älteren und aus ähnlichen Verhältnissen stammenden Juristen Carlo Buonaparte und tat das, was von ihr erwartet wurde: sie bekam viele Kinder, 13 insgesamt, von denen jedoch nur acht das Erwachsenenalter erreichten. 1785 wurde Letizia Witwe. Der Zweitgeborene Napoleon studierte damals bereits an der Militärakademie in Paris und unterstützte seine Familie. 1793 zog diese vorübergehend und ab 1797 dauerhaft nach Frankreich, wo Napoleon mittlerweile militärisch und politisch Karriere gemacht hatte. 1799 wurde er als Konsul auf Lebenszeit Alleinherrscher über Frankreich, 1804 folgte die Kaiserkrönung, der Letizia jedoch fern blieb (einer der Gründe war ihre Abneigung gegen ihre Schwiegertochter Joséphine de Beauharnais). In das Gemälde zu dem Ereignis, das Napoleon bei Jacques-Louis David in Auftrag gab, wurde Letizia trotzdem an prominenter Stelle platziert.
Letizia, jetzt „Madame la Mère de l’Empereur“ genannt, stand dem kometenhaften Aufstieg ihres „Nabulione“ mit Skepsis gegenüber und glaubte nicht, dass das Glück für ihn und seine auf diverse europäische Throne gesetzten Geschwister von Dauer sein würde. Sie lebte äußerst sparsam und war daher in der Lage, ihre Familie nach Napoleons Sturz zu unterstützen. Letizia Bonaparte, verbrachte ihren Lebensabend in Rom, wo sie 1836 starb. Das bei Neumeister vorliegende Porträt von Joseph Stieler entstand vermutlich während dessen Aufenthalt 1811 in Neapel, wo er von Königin Caroline, der jüngsten Schwester Napoleons, den Auftrag erhielt, Bildnisse verschiedener Familienmitglieder zu malen.

Ein weiteres spannendes Los der Offerte umfasst sechs Dankschreiben, die König Ludwig II. von Bayern an den Königlichen Rat Eugen Brochier verfasste und die von der von Sympathie geprägten Beziehung der beiden Männer zeugen, die über ein „Arbeitsverhältnis“ hinausging. Geschrieben wurden die Briefe nämlich zwischen 1876 und 1879, nachdem Brochier 1873 in den Ruhestand getreten war.
Bereits am 6. Dezember kommen um 14 Uhr Kunsthandwerk und Antiquitäten zum Aufruf, gefolgt von einer hochinteressanten Schmuckofferte um 16 Uhr. Hier kann neben traumhaften Kreationen – von antik bis modern – vor allem eine von höchster Kreativität geprägte Offerte mit 70 Künstlerschmuckstücken punkten, die aus einer Münchener Sammlung stammen.

Highlights wurden unter anderem vom Japaner Takashi Kojima, der in Halle und Berlin tätigen Margit Jäschke sowie dem Australier Robert Baines geschaffen. Von diesem stammt eine ganz außergewöhnliche Brosche aus Gelbgold, die florale und geometrische Elemente zu einem filigranen Werk höchster Handwerkskunst vereint.
Die Dezember-Auktion findet am 6. und 7. Dezember im Auktionshaus Neumeister, Barer Straße 37, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort noch bis zum 4. Dezember möglich.
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