Vom 18. bis 20. November versteigert das renommierte Auktionshaus Lempertz in Köln Schmuck, Kunstgewerbe sowie Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen des 14. bis 19. Jahrhunderts. Nach der Versteigerung der funkelnden Schmuck-Offerte am 18. November um 15 Uhr, geht es am 19. November um 11 Uhr weiter mit knapp 400 Losen aus dem Bereich Kunstgewerbe.

Hier muss zunächst auf ein Set von vier silbernen Tafelleuchtern hingewiesen werden, die ab etwa 1745 die Tafel des Kurfürsten Friedrich August II. von Sachsen zierten und vom bedeutenden Dresdner Goldschmiedemeister Christian Heinrich Ingermann hergestellt wurden.

Aus derselben Epoche stammt dieses imposante Paar Wandleuchter aus vergoldeter Bronze, die dem Pariser Goldschmied Jean Claude Duplessis zugeschrieben werden.

Ebenfalls als Paar nehmen diese herausragenden Rahmen an der Auktion teil, als deren Schöpfer der italienische Bildhauer und Ebenist Giuseppe Bonzanigo identifiziert werden kann. Die klassizistischen Rahmen aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts beeindrucken mit ihrer exquisiten Mikroschnitzerei.
Wer Arbeiten aus Porzellan und Keramik in dieser kunstgewerblichen Offerte bislang vermisst hat, darf sich nun freuen, denn diesen ist um 16 Uhr desselben Tages eine eigene Auktion gewidmet.

Als Top-Los kommt hier diese hochbedeutende Teekanne der Manufaktur Meissen zum Aufruf, von deren Typus nur zwei weitere bekannt sind. Auf ihrer Unterseite wurde die Kanne mit famille verte-Dekor mit der Marke „K.P.M.“ („Königliche Porzellan-Manufaktur“) gekennzeichnet, die von von 1723 bis etwa 1730 Verwendung fand.

Ein weiteres Highlight aus der Meissner Manufaktur ist die Figurengruppe Großer Schneider auf Ziegenbock, die 1737 von Johann Joachim Kaendler entworfen wurde. Der Reiter ist eindeutig nach Heinrich Graf von Brühl gestaltetet worden, dem Premierminister von Sachsen und Polen und Direktor der Manufaktur. Die Figur ist jedoch nicht despektierlich gemeint, sondern greift vermutlich das Kostümfest auf, mit dem Brühls Erhebung in den Reichsgrafenstand gefeiert wurde.

Auch dieses seltene Paar Deckelvasen aus der Kaiserlichen Manufaktur in Wien darf keinesfalls unerwähnt bleiben. Der Form nach ganz dem klassizistischen Stil der damaligen Zeit, 1801, entsprechend, greifen die auf rosa Grund gemalten Chinoiserien den Geschmack des vergangenen Rokoko auf.
Am 20. November kommen schließlich ab 11 Uhr 227 Lose mit Gemälden und Zeichnungen Alter Meister, Kunst des 19. Jahrhunderts und Skulpturen zum Aufruf.

Als die Darstellung einer jungen Bäuerin mit schwarzem Hut 2002 wiederentdeckt wurde, hielt man das Gemälde zunächst für das Werk eines französischen Malers des späten 18. Jahrhundert – das schmelzartige Inkarnat deuteten darauf hin. Später erfolgte die Zuschreibung an den im 17. Jahrhundert in Alkmaar tätigen Maler Caesar Boetius van Everdingen, der mit dem Bild seine Modernität unter Beweis stellt.
Genauso rätselhaft wie ihr Bildnis ist die dargestellte junge Frau an sich. Dass es sich um eine junge holländische Bäuerin handelt, liegt auf der Hand, trägt sie doch – wenn auch verkehrtherum – einen entsprechenden Hut. Auch ihre Kleidung wirkt ein wenig derangiert, genauso wie die Haare, die unter der Haube hervorgucken. Zusammen mit den geröteten Wangen und dem gedankenverlorenen Blick, kommt man nicht umhin sich zu fragen, welche Ereignisse diesem Moment vorangegangen sein mögen.

Weit weniger rätselhaft ist das Porträt dieser Frau, die sich anhand ihrer Kleidung und Darstellungsweise als junge Patrizierin aus Danzig zu erkennen gibt. Ausgeführt wurde das Bildnis von Anton Möller, dem führenden Maler der bedeutenden Hafenstadt an der Ostsee. Möglicherweise handelt es sich um ein anlässlich einer Hochzeit angefertigtes Porträt, dem ein männliches Pendant zur Seite gestellt werden muss.

Von einem der bedeutendsten Nachfolger Leonardo da Vincis, Andrea Solario, stammt diese auf Holz gemalte Ecce Homo-Darstellung, das den gefesselten Christus samt Dornenkrone zeigt. Solario arbeitete ab Mitte der 1490er Jahre in der Mailänder Werkstatt Leonardos und eignete sich mit der Zeit die vom Meister so hervorragend beherrschte Technik des „sfumato“ an. Ecce Homo war eine der wichtigsten Themen Solarios, von dem fünfzehn Versionen bekannt sind.

Vor Leonardo war Solario Schüler bei Giovanni Bellini, dem bedeutendsten Maler Venedigs im 15. Jahrhundert. Damals ließ die nicht weniger bedeutende venezianische Patrizierfamilie Contarini den Palazzo Contarini Fasan am Canal Grande errichten, der später mit Shakespeares Othello in Verbindung gebracht wurde. 400 Jahre später wählte der in Venedig lebende deutsche Maler Friedrich Nerly den Palazzo als Kulisse für ein romantisches Historienbild, in dem sich ein sehnsuchtsvoller Gondoliere von einem Kakadu geschlagen geben muss.

Die vielen qualitätsvollen Stillleben der Offerte werden von diesem Werk des niederländischen Barockmalers Cornelis de Heem angeführt. De Heem hatte sich auf Früchtestillleben spezialisiert, die er bisweilen mit Blumen, Krustentieren sowie wertvollen Schalen und Gläsern ergänzte.

De Heems flämischer Zeitgenosse David de Coninck hingegen ergänzte seine Stillleben gerne durch lebendige Modelle oder stellte diese ganz in den Mittelpunkt seiner Arbeiten. So auch in dem vorliegenden Gemäldepaar, das unterschiedliches Federvieh zusammen mit Hunden und Kaninchen zeigt. Hervorzuheben ist die sehr naturgetreue Wiedergabe der zwei- und vierbeinigen Modelle.
Die Versteigerungen finden im Auktionsaus Lempertz, Neumarkt 3, in Köln statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 12. bis zum 18. November bzw. 19. November (Gemälde) möglich.



