Vom 5. bis 12. Mai präsentiert das renommierte Dorotheum in Wien mit der Classic Week seine erste Auktionswoche im Jahr 2022. Wie der Name bereits andeutet, ist der Fokus dabei auf Gemälde Alter Meister (11. und 12. Mai) und des 19. Jahrhunderts (10. Mai) sowie auf Antiquitäten, Möbel, Metallarbeiten, Glas und Porzellan (5. Mai) gerichtet.
Als besonderes Highlight hat das Dorotheum die Ehre, in der ersten Sitzung der Auktion mit Alten Meistern ein Gemälde des italienischen Renaissancemalers Tizian anbieten zu dürfen, das erst vor Kurzem von Kunsthistorikern wiederentdeckt wurde.

Das Gemälde stellt die Büßende Magdalena dar, die mit Tränen in den Augen gen Himmel blickt, von wo sie Vergebung für ihre Sünden zu erhalten hofft. Tatsächlich war das Thema das Werks eines der erfolgreichsten für Tizian, mit dem er wiederholt beauftragt wurde, wobei er die Darstellung immer wieder leicht veränderte. Die wiederentdeckte Version, die am 11. Mai im Dorotheum mit einem Schätzpreis von 1-1,5 Millionen Euro zum Aufruf kommt, stellt eine bedeutende Ergänzung zur Werksgeschichte des venezianischen Malers dar.
Nicht weniger spannend als die Entdeckung an sich ist die Provenienz des Gemäldes, zu der gleich mehrere prominente königliche Sammlungen gehören. Vermutlich befand es sich zunächst in der Sammlung Kaiser Rudolfs II. in Prag, von wo aus es während des Dreißigjährigen Krieges als Kriegsbeute nach Schweden gelangte, genauer gesagt in die Sammlung Königin Christinas. Als diese 1654 abdankte, ging sie nach Rom und nahm das Gemälde mit. 1721 gelangte es in eine weitere bedeutende royale Sammlung, nämlich die des Regenten Philippe II. von Orléans, der damals für den noch unmündigen Ludwig XV. Frankreich regierte. Ihre weitere Reise führte die Büßende Magdalena nach England und jetzt nach Wien, wo ihre Versteigerung mit Spannung erwartet wird.

Durch den frühen Tod Abraham Mignons im Alter von nur 39 Jahren, umfasste die Karriere des deutsch-niederländischen Stilllebenmalers nur 15 Jahre. Dennoch schaffte es Mignon in dieser relativ kurzen Zeit, einige wichtige Kunden und Förderer zu finden, darunter den Kurfürsten von Sachsen. Betrachtet man Pfirsiche, Weintrauben, eine Melone und Klatschmohn mit Blumen in einer Steinnische, das im Dorotheum zum Aufruf kommt, versteht man auch warum, bezaubert das Werk doch mit seiner feinen Komposition und Ausführung.

Das Spiel aus Schatten und Licht des Gemäldes Musizierende Schäfer und Schäferin in einer Landschaft lässt erkennen, dass wir es hier mit einem Nachfolger Caravaggios zu tun haben. Kennengelernt hatte Pietro Paulini das Chiaroscuro des revolutionären Malers während seiner Ausbildung in Rom. Das vorliegende Gemälde entstammt Paulinis reifer Werkphase, die ihn, nach einem Abstecher nach Venedig, in seine Heimatstadt Lucca zurückführte, wo er sich von der poetischen Landschaft der Toskana inspirieren ließ.
Doch nicht nur die Offerte der Alten Meister hat Highlights zu bieten, auch den Gemälden des 19. Jahrhunderts mangelt es an ihnen nicht.

Eines davon ist das mit feinem Pinselstrich ausgeführte Ölgemälde Venezianerin auf dem Weg zum Markt, das Eugen von Blaas 1899 auf Holz ausgeführt hat. Von Blaas, der von seinem Vater Karl von Blaas ausbildetet worden war, verbrachte den Großteil seines Lebens in Venedig, wo er als Genremaler in Erscheinung trat, der vor allem die unteren Bevölkerungsschichten darstellte.

So wie Abraham Mignon sein Früchtearrangement platzierte auch die Wiener Malerin Pauline von Koudelka-Schmerling dieses prachtvolle Blumenbouquet in einer Steinnische. Ganz dem von der Antike inspirierten Geschmack des frühen 19. Jahrhunderts entsprechend, platzierte die Stilllebenmalerin die blühende Pracht in einer schwarzfigurigen griechischen Vase und stellte zudem eine antike Öllampe dazu.

Zum Schluss soll auch das Gemälde Regenlandschaft von Emil Jakob Schindler nicht unerwähnt bleiben, das mit seiner „Intimität im Großformat“ besticht: nie verliert der Betrachter die Person unter dem roten Schirm trotz der beeindruckenden Naturkulisse aus den Augen und fühlt sich angesichts der Bedrohlichkeit des Wetters mit ihr verbunden. Schindler, der von der Schule von Barbizon beeinflusst wurde, leistete Pionierarbeit für die Freilichtmalerei in seiner österreichischen Heimat und war dort einer der bedeutendsten Landschaftsmaler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Alle Versteigerungen der Classic Week finden im Palais Dorotheum, Dorotheergasse 17, in Wien statt. Die Ausstellung kann dort ab dem 30. April besucht werden.
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