Erst im vergangenen Dezember war der Skulptur eines gehörnten Kopfes, die Teil der Sammlung des J. Paul Getty Museums ist, der Status eines echten Kunstwerks von Gauguin aberkannt worden, nachdem Forscher ihre Authentizität in Frage gestellt hatten. 2002 hatte das Museum die Holzskulptur in der Wildenstein Gallery für 3 Millionen USD erworben, doch führten die einzigartige Platzierung auf einem Sockel und das Fehlen einer Signatur dazu, dass das Museum die Zuschreibung revidierte.
Nun wird vermutet, dass es sich bei zwei weiteren Kunstwerken von Gauguin ebenfalls um Fälschungen handelt: Die Anrufung (1903) in der National Gallery of Art in Washington, D. C. und Frauen mit weißem Pferd (1903) im Museum of Fine Arts in Boston. An der Spitze dieser Theorie steht der Gauguin-Experte Fabrice Fourmanoir, der Teil des Teams war, das bewies, dass der gehörnte Kopf falsch zugeordnet wurde.
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Laut der Washington Post vermutet Fourmanoir, dass Gauguin Kunsthändler Ambroise Vollard jemand anderen mit der Ausführung dieser Gemälde beauftragte, um der Nachfrage nach Gauguins polynesischen Bildern zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachkommen zu können. Er hält Die Anrufung für eine Fälschung, da die weibliche Protagonistin nicht als natürlicher Teil der Szene erscheine und eher "vulgär" wirke. Auch wenn sie einer der Frauen in Gauguin tahitianischem Meisterwerk Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? (1897-98) ähnelt, fehlt ihr doch deren Fülle und expressives Gesicht. Zudem ist sie gänzlich entblößt dargestellt.

Was Frauen mit weißem Pferd betrifft, hält Fourmanoir Gauguins Signatur für zu schwach, um wirklich von ihm zu sein. Zudem erinnere die üppige Landschaft eher an Tahiti, als an die Marquesas-Inseln, auf denen sich Gauguin zum Zeitpunkt des Entstehens des Gemäldes tatsächlich aufhielt. Zudem ist auf beiden Gemälden ein weißes Kreuz zu sehen, was Fourmanoir für überraschend hält, da Gauguin den Bischof der Marquesas verabscheute.
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Paul Gauguin verbrachte die letzten Jahre seines Lebens auf den Marquesas-Inseln in Französisch-Polynesien. Er erreichte sie im September 1901 und lebte dort bis zu seinem Tod im Mai 1903. Es wurde angenommen, dass er Die Anrufung und Frauen mit weißem Pferd dort in den letzten Monaten vor seinem Tod gemalt hatte. Gauguin letzte Lebensjahre waren geprägt von einer lähmenden Krankheit und Augenproblemen, so das viele annehmen, dass er überhaupt noch künstlerisch tätig war. Andere führen Gauguins geschwächte Kondition als Grund für die mangelnde Qualität dieser späten Werke an.

Einer der wichtigsten Punkte, der für Fourmanoirs Theorie spricht, ist, dass es keinerlei Aufzeichnungen darüber gibt, dass die Gemälde 1903 an Vollard verschifft wurden. Genauso wenig werden sie nach Gauguins Tod in dessen Nachlass aufgeführt. Daher sind sich die Forscher unsicher, wann und wie die Gemälde nach Europa kamen. Es wäre möglich, dass Gauguin in seinen letzten Tagen den Versand dieser Werke nicht dokumentiert oder sie schlicht und einfach weggegeben hat.
Sowohl die National Gallery of Art als auch das Museum of Fine Arts haben beschlossen, beiden Gemälde wissenschaftlich untersuchen zu lassen, um herauszufinden, ob oder ob sie nicht von Gauguin ausgeführt wurden und Fourmanoirs Theorie bestätigt werden kann.
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