1752 ordnete der dänische König Frederik V. an, dass alle Blumen und Pflanzen seines Königreichs in einem vergleichenden Atlas dokumentiert werden sollten. Da die Wirtschaft Dänemarks, zu dem auch Island, Norwegen und Teile des heutigen Deutschlands gehörten, damals auf der Landwirtschaft basierte, war es hinsichtlich der weiteren Entwicklung wichtig, über die Botanik des Landes Bescheid zu wissen. Mit der Aufgabe betraut wurde Georg Christian Oeder, ein Professor am Botanischen Garten in Kopenhagen, womit die Geburtsstunde von Flora Danica geschlagen hatte. Oeder bereiste das gesamte Königreich, um die Blumen und Pflanzen zu dokumentieren, und beauftragte die Kupferstecher Martin und Michael Rössler, Vater und Sohn aus Nürnberg, sie bildlich wiederzugeben. Zwischen 1761 und 1771 veröffentlichte Oeder 10 Bände mit jeweils 60 Kupferstichen der Pflanzen und Blumen. Die Schönheit von Flora Danica war weltweit in aller Munde, da es sich um den ersten Atlas seiner Art handelte und es ein zentrales Bestreben des Zeitalters der Aufklärung war, die natürliche Welt zu verstehen.

Die politische Situation in Dänemark begann sich jedoch zu verschlechtern und führte 1772 zu einem Staatsstreich. Johann Friedrich Struensee, der Arzt König Christians VII., des Sohnes Fredericks V., hatte mehr und mehr Macht an sich gerissen, während sich der geistige Zustand des Königs verschlechterte. 1770 begann Struensee eine Affäre mit Königin Caroline Mathilde, die im Juli 1771 eine gemeinsame Tochter zur Welt brachte. Im September 1770 wurde Struensee zum königlichen Berater ernannt, veranlasste viele Reformen und strich so manche Position in der Regierung. Die öffentliche Meinung begann sich gegen ihn zu wenden und die Palastrevolte von 1772 führte schließlich zu seiner Enthauptung.

In diesem tumultuösen Klima verlor Oeder 1771 seine Professur, nachdem er beinahe zwei Jahrzehnte mit der Arbeit an Flora Danica verbracht hatte. Er wurde ersetzt und die Arbeit an Flora Danica fortgesetzt, das in seiner heutigen Form erst 1883 vollendet wurde und mehr als 3.200 individuelle Bildtafeln umfasst.
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1775 hatte die Königinwitwe Juliane Marie in der dänischen Hauptstadt die Porzellanmanufaktur Royal Copenhagen gegründet, die zunächst Speiseservice für die königliche Familie herstellte. Da Dänemark mit Russland verbündet war, erklärte es Schweden im Zuge des Russisch-Schwedischen Kriegs von 1788 bis 1790 den Krieg. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags bestellte der dänische Kronprinz, der spätere König Frederik VI., bei Royal Copenhagen ein fantastisches 1.800-teiliges Speiseservice mit Flora Danica-Motiven, das der russischen Kaiserin Katharina der Großen als diplomatisches Geschenk gesendet werde sollte. Der Künstler Christian Bayer übernahm die Zeichnung aus Flora Danica und übertrug sie per Hand auf das Porzellan, wodurch er sicherstellte, dass es sich um exakte Kopien der ursprünglichen botanischen Zeichnungen handelte.
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Katharina starb 1796, bevor das vollständig von Hand angefertigte Service vollendet war und so verblieb es in Dänemark. Die Dessertteller dieses Originalservices wurden zum ersten Mal im Jahr 1803 bei einem königlichen Dinner verwendet, welches anlässlich des 54. Geburtstags von König Christian VII. stattfand.
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Im Jahr zuvor hatte Royal Copenhagen die Herstellung des Flora Danica-Sevices abrupt eingestellt und es sollte 60 Jahre dauern, bis die Produktion wieder aufgenommen wurde, als man eine Speiseservice für die Hochzeit der dänischen Prinzessin Alexandra mit Albert Edward, Prince of Wales, des späteren britischen Königs Edward VII., benötigte. Flora Danica-Porzellan diente ebenso als königliches Geschenk des Königs und der König von Dänemark, als die spätere Elizabeth II. 1947 Prinz Philip heiratete und auch, als Prinzessin Anne Marie von Dänemark 1964 mit König Konstantin II. von Griechenland den Bund fürs Leben einging.
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Bis heute muss Flora Danica-Porzellan bei Royal Copenhagen bestellt werden, wo es in einem aufwändigen Prozess angefertigt wird. Weniger als 20 Künstler sind heute mit der Herstellung vertraut. Die Blumenbilder werden noch immer per Hand auf das gebrannte Porzellan aufgetragen, das mit 24-karätigem Gold vergoldet wird. Der lateinische Name der jeweils abgebildeten Pflanze oder Blume wird auf der Rückseite handschriftlich vermerkt.

Einen einfacheren Weg, Flora Danica-Porzellan käuflich zu erwerben, bietet der Auktionsmarkt, wo die Preise von einigen Hundert Euro für einen einzelnen Speiseteller bis hin zu Hunderttausenden Euro für ein komplettes Service reichen. Der aktuelle Rekord für Flora Danica-Porzellan von Royal Copenhagen wurde 2021 aufgestellt, als ein 128-teiliges Flora Danica-Besteck, bestehend aus Gabeln, Löffeln und Messern, deren Griffe mit den berühmten Motiven verziert wurden, bei Christie's in London für 281.125 Euro versteigert wurde.
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Diese hohen Preise reflektieren nicht nur die unglaubliche Handwerkskunst der Künstler, die die Stücke noch immer per Hand herstellen, sondern auch die Innovationsgeschichte im Zeitalter der Aufklärung sowie den Stolz und das Erbe Dänemarks. Durch seine königliche Herkunft hat das Flora Danica-Porzellan Einlass in die Sammlungen der königlichen Familien Dänemarks und Großbritanniens erhalten sowie in weitere prestigeträchtige Sammlungen auf der ganzen Welt. Erst im März 2023 konnte ein Flora Danica-Speiseservice mit Pilz-Motiven bei Christie's seinen Schätzpreis verdoppeln, als es mit dem erzielten Preis von 47.880 US-Dollar seinen unteren Schätzpreis beinahe verdoppelte. Kein Wunder, kann man das Dinieren von diesen botanischen Motiven sicherlich als außergewöhnliche Erfahrung bezeichnen!
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