1763 ging der Siebenjährige Krieg zu Ende und Friedrich II. von Brandenburg-Preußen hatte nun Muße und Geld, sich um schönere Dinge zu kümmern. Eines davon war die noch im selben Jahr erfolgte Gründung einer prestigeträchtigen Porzellanmanufaktur, wie es sie in Sachsen und beim soeben besiegten Erzfeind Österreich schon seit geraumer Zeit gab. 1751 und 1761 hatte es bereits Versuche gegeben, in Berlin eine Porzellanmanufaktur zu gründen. Beide Projekte waren auch vom König gefördert worden, jedoch nicht genug, denn Friedrich hatte schließlich ab 1756 einen Krieg zu finanzieren.

Am 19. September 1763 war es dann aber doch soweit und die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin öffnete ihre Pforten, nachdem Friedrich II. dem Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky (1710-1775) die 1761 gegründete „Aechte Porcelaine Fabrique zu Berlin“ für 225.000 Reichstaler abgekauft hatte. Als Markenzeichen wählte man das königliche Zepter aus dem kurfürstlich-brandenburgischen Wappen.
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Ich bin mein bester Kunde.
Wie es zuvor August der Starke für die Manufaktur Meissen gewesen war, wurde nun auch Friedrich II. zum besten Kunden seiner eigenen Berliner Manufaktur. Der König bestellte 21 Tafelservice für seine Schlösser, darunter das ebenfalls 1763 begonnene Neue Palais im Park von Sanssouci in Potsdam. Die Service konnten bis zu 500 Einzelteile umfassen und waren in der Regel für 36 Personen ausgelegt. Die Dekore hießen Reliefzierat, Neuzierat, Rocaille und Neuosier und werden teilweise bis heute produziert.

Ein weiterer „Evergreen“ unter den KPM-Dekoren entstand 1790, als Peter von Biron, Herzog von Kurland (1724-1800) die Manufaktur mit der Schaffung eines Services beauftragte, das der Formensprache des aufkommenden Klassizismus entsprechen sollte. Das Ergebnis war ein „Service mit antiquer Kanthe“, das den bis heute gebräuchlichen Namen Kurland erst im 19. Jahrhundert erhielt.
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Wie es damals Sitte war, verschenkte auch Friedrich die Erzeugnisse seiner Manufaktur an seine Kollegen in anderen Ländern, zum einem, um zu zeigen, dass man ebenfalls ein tolles Produkt hervorbringen konnte, zum anderen, um Freundschaften zu pflegen. Eine gute Beziehung, die Preußens König wichtig war, war jene zur russischen Zarin Katharina II. Ihr ließ er um 1770 einen Tafelaufsatz mit einem Dessertservice für 120 Personen zukommen.
Als nach dem Tod Friedrichs II. dessen Neffe Friedrich Wilhelm II. 1786 Preußens Thron bestieg, sorgte er dafür, dass die Königliche Porzellan-Manufaktur auf dem neuesten Stand der Technik war, indem er dort beispielsweise die erste Dampfmaschine der Hauptstadt in Betrieb nehmen ließ. Die nun folgende Epoche des Klassizismus war eine Blütezeit, in der bedeutende Künstler wie Johann Gottfried Schadow, Karl Friedrich Schinkel oder Christian Daniel Rauch Formen und Dekore für die Manufaktur entwarfen.

Schadow war es auch, der das wohl berühmteste figürliche Objekt der Manufaktur entwarf: Die Prinzessinnengruppe, die die Schwestern Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz darstellt. Die beiden Prinzessinnen hatten 1793 den preußischen Thronfolger Friedrich Wilhelm bzw. dessen jüngeren Bruder Friedrich Ludwig geheiratet. Zwei Jahre später erhielt Johann Gottfried Schadow den königlichen Auftrag für ein lebensgroßes marmornes Doppelporträt der bezaubernden Schwestern, das bei der KPM auch in kleineren Versionen aus Biskuitporzellan ausgeführt wurde – und noch immer wird. 88 Einzelteile sind dafür nötig, die von den geschickten KPM-Modelleuren aufwendig zusammengefügt werden, um ein makelloses Äußeres zu präsentieren.
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Zum Spezialgebiet der Königlichen Porzellan-Manufaktur wurde im 19. Jahrhundert die Vedutenmalerei mit Ansichten von Berlin. Sie ist vor allem auf Vasen und Amphoren zu finden. Diese Gefäße dienten sozusagen der Imagepflege der preußischen Hauptstadt. Ihr weltstädtisches Flair sowie ihre Modernität sollten damit demonstriert werden. Doch wurden in dieser Epoche auch die alten Dekore des 18. Jahrhunderts wieder aufgegriffen und produziert. Der steigenden Nachfrage durch das wohlhabende Bürgertum wurde entsprochen, indem 1855 das erste Ladenlokal seine Pforten öffnete.

Im Laufe der Zeit war die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin immer auf der Suche nach neuen Technologien und agierte oft als Vorreiter unter den Porzellanmanufakturen Europas, vor allem, nachdem sie 1878 an eine chemisch-technische Versuchsanstalt angeschlossen worden war. So wurden beispielsweise eine neues Weichporzellan („Segerporzellan“) und neue Farbglasuren erfunden, mit denen sich das Repertoire der Manufaktur kreativ erweitern ließ.
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Auch was die im späten 19. Jahrhundert aufkommende neue Formensprache des Jugendstils betrifft, war die KPM unter den ersten, die sich ihr zuwandten. Zu den Highlights dieser Epoche zählt das Service Ceres von Theodor Schmuz-Baudiß (1859-1942), der von 1908 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1925 künstlerischer Leiter der Manufaktur gewesen war. Es gilt als eines der schönsten Jugendstil-Service überhaupt.

Aus dieser Epoche stammt auch der figürliche Tafelaufsatz Hochzeitszug, den der Bildhauer Adolph Amberg 1904 anlässlich der Hochzeit des Thronfolgers mit Cecilie von Mecklenburg-Schwerin aus Silber entworfen hatte. Der Aufsatz besteht aus einer Jardinière, zwei Obstschalen, zwei Kandelabern sowie zwanzig Einzelfiguren. Die Figuren stellen Personen aus verschiedenen exotischen Regionen und Epochen dar sowie den Bräutigam als römischen Krieger zu Pferd und die Braut als Europa auf dem Stier. Letzteres war dem kaiserlich-königlichen Hof zu Berlin allerdings zu gewagt, denn Europa – und damit die erlauchte Braut – war oben ohne modelliert. Stattdessen fertigte die KPM das Ensemble vier Jahre später aus Porzellan an und erhielt dafür 1910 bei der Weltausstellung in Brüssel die Goldmedaille.
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Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung der Hohenzollern als deutsche Kaiser und preußische Könige übernahm die junge Republik das Unternehmen und aus der Königlichen wurde die Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin. Die Marke "KPM" mit dem brandenburgischen Szepter, das Friedrich der Große einst dafür bestimmt hatte, blieben jedoch weiterhin bestehen.
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In der Formensprache der Manufaktur hielten nun das Bauhaus und die Neue Sachlichkeit Einzug. Unter den verpflichteten Künstlern machte vor allem Trude Petri (1906-1998) von sich reden, vor allem mit dem Tafelservice Urbino, welches sich an der vollkommen Form der Kugel orientiert und 1937 auf der Weltfachausstellung in Paris mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurde.

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg kehrte die KPM 1957 in ihre Gebäude in Berlin-Tiergarten zurück und 31 Jahre später zum Namen Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin. In den 1990er Jahren wurde die Zusammenarbeit mit dem italienischen Künstler Enzo Mari (1932-2020) zum Erfolg, vor allem hinsichtlich des Services Berlin.
Heute beweist die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin mit dem wiederverwendbaren KPM to go, dass sie den aktuellen Zeitgeist verstanden hat – jedoch ohne dabei auf ihre Traditionen zu verzichten, ziert doch das berühmte Kurland-Dekor den Rand des umweltbewussten Bechers zum Mitnehmen. Seit 2018 auf dem Markt, hat sich der Becher zum kommerziell erfolgreichsten Produkt der Manufaktur seit ihrer Gründung entwickelt.









