Ich fühlte eine Intimität mit [den Vögeln] … die an Raserei grenzte [die] meinen Weg durchs Leben begleiten musste.
Wohl kaum ein anderes Buch hatte einen größeren Einfluss auf die amerikanische Naturgeschichte als John James Audubons The Birds of America aus dem 19. Jahrhundert, in dem auf über 400 Farbtafeln die in Amerika heimischen Vögel in Lebensgröße dargestellt sind. Als ein Meisterwerk der Kunst, Ornithologie und Botanik brachte das Werk der breiten Öffentlichkeit die Geheimnisse der Natur auf überzeugende künstlerische Weise näher, als solche naturwissenschaftlichen Bücher nicht ohne weiteres erhältlich waren. Bis heute wurden neun Exemplare der Originalausgabe für jeweils mehr als 1 Millionen US-Dollar versteigert, was The Birds of America zu einem der teuersten Bücher überhaupt macht. Erfahren Sie, wie dieses Meisterwerk entstanden ist und weshalb es auf dem Auktionsmarkt so hohe Preise erzielt.
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John James Audubon kam am 26. April 1786 in der französischen Kolonie Saint-Domingue (heute Haiti) als Sohn des Plantagenbesitzers und Marineoffiziers Jean Audubon geboren. Seine Mutter Jeanne Rabin war Audobons Mätresse Jeanne Rabin, die jedoch starb, als John James noch sehr jung war. Wenige Jahre später verkaufte Jean Audubon seine karibische Plantage, die zunehmend von Sklavenunruhen bedroht war, und zog zurück in seine Heimat in der Bretagne. John James zeigte sich schon damals von der Natur fasziniert und durchstreifte die Umgebung des Herrenhauses der Familie Audubon, um Vogelnester zu inspizieren und Vögel im Flug zu beobachten. Er erinnerte sich später: „Ich fühlte eine Intimität mit [den Vögeln] … die an Raserei grenzte [die] meinen Weg durchs Leben begleiten musste.“

Doch auch in Frankreich war es nicht friedlich. Um einer Einberufung in die napoleonische Armee zu umgehen, fälschte Jean Audubon einen Pass für seinen Sohn, der damit im Jahr 1803, er war 18 Jahre alt, nach Amerika reiste. John James zog ins ländliche Pennsylvania nach Mill Grove, eine 284 Morgen große Farm 20 Meilen außerhalb von Philadelphia, die sein Vater 1789 gekauft hatte.
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Während seiner Zeit in Mill Grove beschloss John James Audubon, die einheimische Vogelwelt zu studieren und begann, sie zu zeichnen und das Verhalten ihrer Mitglieder zu dokumentieren. 1805 besuchte er seine Familie in Frankreich und erlernte bei dieser Gelegenheit die Methoden der Präparation und der wissenschaftlichen Forschung. Zurück in Amerika verkaufte er einen Teil von Mill Grove, heiratete die Tochter der Nachbarfarm, Lucy Bakewell, und zog mit ihr nach Kentucky. Dort eröffnete er in Louisville einen Gemischtwarenladen, auch wenn seine Leidenschaft weiterhin die Ornithologie war.

Audubon hielt sich auch weiterhin viel in der Natur auf und ging oft mit den Ureinwohnern der Gegend zur Jagd in die Wälder. Mit den Finanzen der Familie, zu der nun auch zwei Söhne gehörten, ging immer wieder bergauf und bergab, vor allem, wenn Audubon sich auf Reisen begab, beispielsweise in den Süden der Vereinigten Staaten, um weitere Vogelarten zu entdecken. Um diese zu zeichnen, schoss er die Vögel, um sie anschließend zu präparieren und sie mit Hilfe von Drähten in eine natürliche Position zu bringen. In den Zeiten seiner Abwesenheit war es an Lucy, die Familie über Wasser zu halten, indem sie als Lehrerin arbeitete.
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Audobons naturkundliche Zeichnungen in lebendigen Farben wurden unterschiedlich aufgenommen. Während einige sein Talent lobten, stellten andere es in Frage. Um Geld zu verdienen plante Audubon zunächst, seine Zeichnungen entlang der Ostküste in 80 Sets mit jeweils fünf Stück in einem Abonnement zu verkaufen. Die Reaktionen in Amerika waren jedoch nach wie vor zurückhaltend, weshalb er 1826 mitsamt seiner Zeichnungen nach England segelte. Dort erhielt er endlich die Aufmerksamkeit, die er verdiente, denn die Briten waren fasziniert von der Fauna der „Neuen Welt“. Audubon konnte nun genug Geld aufbringen, um The Birds of America in Aquatinta auf großformatigem Papier zu drucken. Die dafür nötige Summe entspricht heute etwa 2 Millionen US-Dollar.
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In den späten 1820er Jahren reiste Audubon durch England und Frankreich, hielt Vorträge und stellte seine Drucke aus. Zu seinen Abonnenten gehörten schon bald Mitglieder der europäischen Königshäuser und schließlich auch amerikanische Millionäre sowie Universitäten wie Columbia, Harvard und die University of South Carolina. Der Erfolg war in Europa so groß, da dort in der Epoche der Romantik die Natur gefeiert wurde. Die Exotik Amerikas, die vom deutsch-amerikanischen Maler Albert Bierstadt in beeindruckenden Gemälden vom unbekannten Westen des weiten Landes festgehalten wurde, passte da ebenfalls wunderbar ins Bild.
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In den nächsten 20 Jahren reiste John James Audubon ausgiebig durch Amerika, malte eine Vielzahl von Vogelarten und sammelte Abonnements für The Birds of America. Die großformatigen Vogelbilder, die Audubon zunächst als Aquarelle und Pastelle ausführte, wurden von „ornithologischen Biografien“ der einzelnen Vögel begleitet, die Audubon gemeinsam mit dem schottischen Naturforscher William MacGillivray verfasste und die in separaten Bänden veröffentlicht wurden. Der letzte Druck für The Birds of America entstand 1838. Dennoch reiste Audubon weiterhin umher, spezialisierte sich für sein letztes Projekt, das nach seinem Tod von seinen Söhnen fertiggestellt wurde, jedoch auf vierbeinige Säugetiere.
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In den späten 1840er Jahren begann Audubon an einer Krankheit zu leiden, die heute unter dem Namen Alzheimer bekannt ist. Er starb am 27. Januar 1851 im Alter von 65 Jahren in New York. Sein Meisterwerk, The Birds of America, gilt heute als eines der besten Beispiele der Buchkunst und war Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen insgesamt 435 lebensgroßen Drucken absolut revolutionär für die Vogelkunde. John James Audubons unermüdliche Faszination für die Avifauna Amerikas (er entdeckte auf seinen Reisen 25 zuvor unbekannte Arten) inspirierte auch Charles Darwins Origin of Species. 1905 wurde die Audubon Society gegründet, die sich dem Schutz der Vogelwelt verschrieben hat.

Heute existieren etwa 120 vollständige Originalsätze des Buches, die meisten davon befinden sich im Besitz von Universitäten oder Bibliotheken. Das teuerste Exemplar wurde 2010 bei Christie’s vom Kunsthändler Michael Tollemache für 7,3 Millionen GBP (8,7 Millionen Euro) ersteigert. Acht weitere Exemplare wechselten bei Auktionen für mehr als 1 Million US-Dollar den Besitzer. Einzelne Blätter mit Audubons Vogelbildern werden regelmäßig angeboten. Dei Preise dafür liegen bei 100 bis zu mehreren Tausend Dollar.










