Émile Gallé wurde am 4. Mai 1846 im lothringischen Nancy geboren, wo sein Vater Charles als Glas- und Keramikhersteller tätig war. Émile beschloss, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, dessen Arbeit er mit seiner eigenen weit übertrumpfen sollte. Neben seiner künstlerischen Ausbildung studierte Gallé Philosophie, Botanik und Zoologie, Themen, die ihn stark prägten und immer wieder in seinen Arbeiten zu finden sind.

Zu Beginn seiner Karriere arbeitete Gallé hauptsächlich mit transparentem Glas, das er mit Emaille dekorierte. Nach und nach gab er diese Technik jedoch auf, um sich auf das opake Farbglas zu konzentrieren. Seinen Durchbruch in der Kunstwelt erlebte er 1878 bei der Weltausstellung in Paris – ein enormes Sprungbrett, das ihm in den folgenden zehn Jahren zur Bekanntheit auf der ganzen Welt verhalf. Mit seinem von der Natur und der Botanik inspirierten Stil wurde Émile Gallé Teil der Avantgarde des Jugendstils, der sich in Frankreich unter der Bezeichnung Art Nouveau zu dieser Zeit sehr schnell weiterentwickelte.
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Gallé war ein äußerst moderner und innovativer Künstler. Er experimentierte ständig mit neuen Glastechniken, zum Beispiel mit Luftblasen und Metallklingen, die er in seine Arbeiten einfügte. Gallé trug auch zur Wiederbelebung der Glasindustrie bei, indem er eine Werkstatt für Massenproduktion eröffnete. Dies geschah einerseits ganz offensichtlich in seinem eigenen Interesse, aber er wollte auch anderen Künstlern bei ihrer Produktion helfen.
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Émile Gallé war in der Tat ein überzeugter Humanist und sein soziales Engagement zeigte sich in vielerlei Hinsicht, z. B. organisierte er Abendkurse für Arbeiter. Er war auch der Initiator der 1901 gegründeten École de Nancy, einer Avantgarde-Gruppe des Jugendstils im Département Meurthe-et-Moselle. Die Schule existiert noch heute und umfasst auch ein Museum.
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In der École de Nancy mit ihren Möbeltischlern, Glas- und Keramikkünstlern stand die Verwendung von Motiven und Formen aus der Natur im Mittelpunkt. Weitere Gründungsmitglieder dieser innovativen Institution waren René Lalique, Gabriel Argy-Rousseau und die Brüder Daum.
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Doch schon bald musste die École de Nancy ohne ihren Initiator auskommen: Émile Gallé starb am 23. September 1904 in seiner Heimatstadt Nancy an Leukämie. Durch seine kunstvollen Vasen, die heute auf dem Auktionsmarkt hoch begehrt sind, bleibt er unvergessen.
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