Nur wenige Zeitschriften können für sich beanspruchen, so viel zur Geburt einer Künstlerbewegung beigetragen zu haben, wie das Magazin Jugend. Tatsächlich leitet sich die deutsche Bezeichnung des im späten 19. Jahrhundert entwickelten Art Nouveau, Jugendstil, direkt davon ab, wodurch die Zeitschrift Teil der modernen Ästhetik war, die sämtliche Künste Europas damals erfasste.
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Die Veröffentlichung der von Verleger Georg Hirth gegründeten Zeitschrift begann 1896 in München. Die lebendige Stadt war damals ein Zentrum des künstlerischen Streits zwischen den Vertretern der „offiziellen Kunst“ und jenen der aufstrebenden Bewegungen, genauer gesagt Impressionismus und Symbolismus. Fritz von Uhde, Wilhelm Trübner, Franz von Stuck oder auch Eugène Spiro und Arnold Böcklin: alle diese „wilden“ Künstler waren Teil einer neuen Generation, die nichts mit dem herrschenden Konformismus und der sterilen Routine zu tun haben wollten. Jugend wurde vor allem aus dem Grund gegründet, diese neuen Künstler zu unterstützen, indem in der Zeitschrift deren spielerische und kritische Vision öffentlich gemacht wurde, befreit von den Ketten, die der Bevölkerung der spätwilhelminischen Epoche auferlegt waren.
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Diese Zeitschrift war nicht die einzige, die diese Werte und diesen Durst nach Neuem transportierte oder die ästhetischen Revolutionen wahrnahm, die als Reaktion auf die Industrialisierung geboren wurden. In Deutschland waren Publikationen wie Pan, Ver Sacrum und Simplicissimus hervorragende Organe für eine grafische Wiederbelebung, die jedoch nie die Bekanntheit und Langlebigkeit von Jugend erreichten.
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Bis 1940 wöchentlich ohne Unterbrechung erschienen, wurde diese illustrierte Zeitschrift in ganz Süddeutschland, aber auch in Berlin und Wien gelesen. Sie bestand normalerweise aus etwa einem Dutzend Seiten, abwechselnd in satten Farben und Schwarzweiß, und wurde meistens in Cafés durchgeblättert. Auf Wunsch ihres Schöpfers sollte sie alle grafischen und literarischen Stile des Jugendstils vereinen, die es damals in ganz Europa gab, von der Skizze bis zur Fotografie, einschließlich Karikaturen und Bildergeschichten.

Ehrgeizig und oft gewagt, in Form und manchmal in Wort (so wie es auch die meisten aufstrebenden deutschen Künstler damals taten), wurde die Zeitschrift aufgrund ihrer liberalen Überzeugungen und ihrer skurrilen, aber auch patriotischen und verächtlichen Haltung gegenüber Zensur und Konservatismus schnell zu einem echten Phänomen der Gesellschaft. Da sie der theosophischen Bewegung nahe stand, zeigte Jugend oft nackte Jugendliche in einer idealisierten Umgebung, was in damaligen Zeitschriften sehr ungewöhnlich war. Ein weiteres Merkmal der Publikation war ihr ausgelassener und angedeuteter Antiklerikalismus, eine Tendenz, die umso irritierender war, als die Figur des Engels regelmäßig auf ihren Seiten auftauchte, dort jedoch zum Zweck der Heiligung der Kunst.
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Um seine überwiegend aus dem aufgeklärten Bürgertum bestehende Leserschaft zu halten, fehlte es dem Besitzer und Schöpfer Georg Hirth nicht an innovativen Ideen. Auf den „Sammel-Effekt" setzend, gab es regelmäßig begleitende Produkte, wie Kartenspiele, oder auch schöne, von namhaften Künstlern gestaltete Einbände, wie die Vignetten von Otto Eckmann oder die Farbtafeln von Hans Christiansen, deren Geist perfekt mit dem in der ersten Ausgabe veröffentlichten Motto zusammenpassten: „Alles Altmodische ist ausgeschlossen“. Dort sind die Anfänge des späteren Anzeigenmarketings zu sehen, das zum Erfolg der Verbreitung von Jugend beitrug, besonders bedeutsam zu Beginn des Ersten Weltkriegs, als die Auflage 20.000 Exemplare pro Woche betrug.
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Danach nahm Bekanntheit der Zeitschrift langsam ab, sicherlich teilweise aufgrund der Entwicklung ihres Inhalts, der manchmal ein wenig langweilig und manchmal sogar geradezu kitschig wurde. Der letzte Schlag erfolgte schließlich in den 1930er Jahren, als sich die Zeitschrift bestimmten ästhetischen Positionen des Dritten Reiches anschloss. Trotzdem bewies Jugend bis zum Schluss Aufmüpfigkeit, insbesondere indem sie die Texte und Zeichnungen aller „entarteten“ Künstler der Zwischenkriegszeit präsentierte, nur um alle an die Werte zu erinnern, die sie zur Zeit ihrer Gründung belebt hatten.
Fast 80 Jahre nach ihrem Verschwinden kann man auf der Website der Universität Heidelberg digital in die 44-jährige Geschichte dieser einzigartigen Zeitschrift eintauchen.







